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Senologiekongress 2026: Neues aus der Pathologie

Menschen in Kongresssaal

Quelle: © kasto – stock.adobe.com

Senologiekongress 2026: Neues aus der Pathologie

Kongress

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

mgb medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Vom 11. bis 13. Juni fand im Internationalen Congress Center München (ICM) der 45. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. statt. Dafür trafen sich Vertretende verschiedener Fachdisziplinen zum Wissensaustausch zu Innovationen und aktuellen Entwicklungen rund um Brusterkrankungen, vor allem das Mammakarzinom, um Patientinnen die bestmögliche personalisierte Beratung, Behandlung und Betreuung zu gewährleisten.

Unter der Leitung vom DGS-Vorsitzenden Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Heidelberg, Kongresspräsidenten Prof. Dr. Walter Heindel, Münster, Co-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Lübeck, und Kongresskoordinator Prof. Dr. Andreas Hartkopf, Tübingen, wurde ein facettenreiches Programm präsentiert, das die interdisziplinäre Vielfalt des Fachs widerspiegelte.

Neuigkeiten aus der Pathologie

Dass sich die die Pathologie des Mammakarzinoms derzeit mit hoher Dynamik weiterentwickelt – insbesondere durch Fortschritte in der Molekularpathologie, digitalen Bildanalyse und translationalen Tumorforschung, machte Prof. Annette Lebeau, Hamburg, deutlich. Für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Brustkrebs ergäben sich daraus unmittelbar neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, so die Expertin.

Ein zentrales Thema sei weiterhin die präzisere molekulare Charakterisierung von HER2-veränderten Tumoren. Mit der klinischen Etablierung neuer Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) wie Trastuzumab-Deruxtecan habe die exakte Unterscheidung zwischen HER2-positiven, HER2-low- und HER2-ultralow-Tumoren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Pathologie stehe damit vor der Herausforderung, sehr geringe HER2-Expressionsniveaus reproduzierbar zu erfassen. Digitale und computergestützte Auswertungsverfahren könnten dazu beitragen, diesen Anforderungen gerecht zu werden, doch muss ihre Messvariabilität bewertet werden, um Erkenntnisse für die Forschung und die klinische Anwendung zu gewinnen.

Komplexe molekulare Subgruppen

Auch molekularpathologisch gebe es Lebau zufolge wichtige neue Erkenntnisse. Genomische Analysen zeigten zunehmend, dass Brustkrebs nicht nur durch klassische Marker wie ER, PR und HER2 definiert werde, sondern durch komplexe molekulare Subgruppen mit unterschiedlichem Therapieansprechen.

Besonders relevant seien neue Daten zu ESR1-Mutationen bei hormonrezeptorpositivem metastasiertem Mammakarzinom. Diese Mutationen gelten inzwischen als wichtiger Resistenzmechanismus gegenüber endokrinen Therapien und gewinnen durch den Einsatz neuer selektiver Estrogenrezeptor-Degrader (SERDs) therapeutische Bedeutung. Molekulare Testungen auf ESR1-Mutationen in der Liquid Biopsy würden daher zunehmend Bestandteil moderner Therapiestrategien. Darüber hinaus rücke die Analyse homologer Rekombinationsdefekte (HRD) stärker in den Fokus, so Lebau. Neben klassischen BRCA1/2-Mutationen würden weitere Defekte der DNA-Reparatur identifiziert, die ein Ansprechen auf PARP-Inhibitoren oder platinbasierte Therapien vorhersagen könnten. Die molekulare Diagnostik erweitere sich damit von einzelnen Genveränderungen hin zu komplexeren genomischen Signaturen.

Interaktionen identifizieren

Große Aufmerksamkeit erhalte laut der Ärztin derzeit zudem die räumliche Transkriptomik („spatial transcriptomics“). Diese Technologie erlaube die Analyse von Genexpressionsmustern direkt im histologischen Kontext und mache sichtbar, wie Tumorzellen, Immunzellen und Stromakomponenten miteinander interagieren. Dadurch entstünden neue Biomarker für Immuntherapien und zielgerichtete Therapien. Erste KI-Modelle könnten räumliche molekulare Muster inzwischen sogar aus konventionellen HE-Schnitten vorhersagen.

Auch die Liquid Biopsy entwickelt sich weiter. Der Nachweis zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) ermögliche eine minimalinvasive Erfassung molekularer Resistenzmechanismen und könnte künftig zur frühen Erkennung von Rezidiven oder zur Therapiekontrolle eingesetzt werden, erklärte Lebau.

Insgesamt, so ihr Fazit, verbinde die moderne Präzisionsdiagnostik in der Pathologie Morphologie, Immunhistochemie, Molekularpathologie und zunehmend KI-basierte Datenanalysen. Ziel sei eine individuellere Therapieentscheidung mit besserer Vorhersage des Therapieansprechens und optimierter Patient*innenversorgung.

Quelle: Presseinformation anlässlich des 45. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), München, 11. bis 13. Juni 2026

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