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Senologiekongress 2026: Neues aus Sicht der Inneren Medizin

Symbolbild Brustkrebs

Quelle: © Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

Senologiekongress 2026: Neues aus Sicht der Inneren Medizin

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mgo medizin

mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Dr. Manfred Welslau, Aschaffenburg, zufolge war 2025 für Brustkrebspatientinnen erneut ein Jahr zur Verbesserung der individualisierten Therapiemöglichkeiten. Es habe aber auch Daten von alten Studien gegeben, die aktualisiert wurden und deren Aussagekraft nun nach 15 Jahren Nachbeobachtung die Handlungsrichtlinien festigte.

Die Signatur des Tumors sei weiterhin eine wichtige Voraussetzung für eine individualisierte Therapie, so Welslau. Es gehe aber auch darum, die Patientinnen in ihrer Ganzheit zu sehen und gemeinsam mit ihnen in ihrer Lebensumgebung, unter Berücksichtigung der Ethnie, der körperlichen und auch seelischen Bedürfnisse, eine individuelle maßgeschneiderte Therapie zu erreichen.

Dies führe nicht nur zu verbesserten Behandlungen, sondern auch zu einer besseren Lebensqualität, die insbesondere bei der chronischen Brustkrebserkrankung im Vordergrund stehe. Das Ziel der Verbesserung für das frühe Mammakarzinom sei dem Experten zufolge weiterhin in erster Linie eine Verbesserung der Heilungschancen. Das Ziel für das späte, metastasierte Mammakarzinom sei eine Verlängerung des Überlebens bei Erhalt der Lebensqualität. Diese beiden Ziele seien konsequent in den Studien verfolgt worden.

Hormonrezeptor-positives metastasiertes Mammakarzinom

Internationale und nationale Leitlinien empfählen laut Welslau beim metastasierten HR-positiven Mammakarzinom weiterhin eine endokrin-basierte Therapie, möglichst in Kombination mit Inhibitoren der Cyclin-abhängigen Kinasen (CDK4/6-Inhibitoren).

Die Patientinnen, die eine Mutation des Östrogenrezeptors (ESR1-Mutation) entwickelten, bekämen früher oder später einen Progress der Erkrankung. Die nächste Generation der selektiven Östrogenrezeptor-Degradatoren (SERD) habe bereits mit dem Medikament Elacestrant eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens gezeigt. Camizestrant ist ein vollständiger Östrogenrezeptor-Antagonist und Degradator. In der SERENA-6-Studie werde Camizestrant bereits vor dem Auftreten einer klinischen Progression unter der Erstlinientherapie bei den Frauen eingesetzt, die nachweislich eine ESR1-Mutation entwickelt hatten, so Welslau. Dies habe zu einer erheblichen Verbesserung des PFS und zu einer Verbesserung der Zeit bis zur Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt. Die Ergebnisse hinsichtlich des Überlebens stünden noch aus. Dies sei die erste Studie, die mittels flüssiger Biopsie und Nachweis einer molekularen Mutation eine zielgerichtete Therapie schon vor dem Auftreten einer klinischen Verschlechterung detektiere.

Als weiteres Beispiel für die Wirksamkeit der SERDs beim metastasierten Mammakarzinom nannte Welslau die EMBER-3-Studie. Hier wurde bei einem hormonrezeptor-positiven metastasierten Mammakarzinom in der Hochrisikosituation und bei einer Progression unter einer antihormonellen Therapie in Kombination mit einem CDK4/6-Inhibitor entweder das SERD Imlunestrant als Monotherapie oder in Kombination mit Abemaciclib gegenüber der Standardtherapie geprüft. Insbesondere bei Patientinnen mit einer nachgewiesenen ESR1-Mutation konnte eine Verbesserung des PFS gesehen werden.

Für die weiter fortgeschrittenen Linien hätten die Antikörper-Drug-Kombinationen Sacituzumab-Govitecan und Datopotamab-Deruxtecan in den klinischen Studien positive Ergebnisse gegenüber den Standardtherapien gezeigt, so der Arzt. Bei Datopotamab sei die Besonderheit einer möglichen Augentoxizität zu beachten, sodass hier eine interdisziplinäre supportive Therapie auch mit den Ophtalmologen aufgebaut werden müsse.

HER2-positives Mammakarzinom

Trastuzumab-Deruxtecan setzt seinen Siegeszug durch die Behandlung des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms fort. In der DESTINY-Breast09-Studie konnte die Überlegenheit gegenüber dem Standardarm mit einer Chemotherapie in Kombination mit der Doppelblockade mit Trastuzumab und Pertuzumab belegt werden. Die viel diskutierte Frage, die sich Welslau zufolge letztlich daraus ergebe, sei nur noch die, ob die Patientinnen wirklich bis zum Progress mit der Substanz behandelt werden sollten, oder ob es nicht sinnvoller sei, bei stabiler Krankheitssituation eine Erhaltungstherapie mit der Doppelblockade zu empfehlen.

Eine Erhaltungstherapie beim triple-positiven Mammakarzinom in der metastasierten Situation in Kombination mit einem Aromataseinhibitor und Palbociclib mache auf jeden Fall Sinn, wie in der PATINA-Studie gezeigt werden konnte.

Triple-negatives Mammakarzinom

Die Gruppe der triple-negativen Mammakarzinome ist eine molekular-heterogene Gruppe von aggressiven Brustkrebserkrankungen. Die Einführung der Immunonkologie habe zu einer erheblichen Verbesserung metastasierter Tumorerkrankungen geführt, betonte Welslau. Für die Frauen, die allerdings keine Expression des PD-L1-Rezeptors auf den Brustkrebszellen hätten, habe in der ersten Linie lediglich die Chemotherapie, eventuell in Kombination mit Bevacizumab, angeboten werden können.

Sowohl das ADC Sacituzumab-Govitecan als auch Datopotamab-Deruxtecan adressierten TROP2 laut Experte auf der Zelloberfläche und agierten somit PDL-unabhängig. Beide Substanzen hätten in den entsprechenden Studien (ASCENT-04 und ASCENT-03/TROPION-Breast02) Daten für die metastasierte Behandlungssituation gezeigt, die hoffnungsvoll seien.

Frühes Mammakarzinom

Beim frühen Mammakarzinom gehe es um einen kurativen Therapieansatz, betonte Welslau. Dennoch könne eine individualisierte, an das Risikoprofil und die Biologie des Tumors angepasste Therapie die Lebensqualität verbessern, ohne dass die Wirksamkeit hinsichtlich des kurativen Ziels verloren gehe.

Die Einführung von Multi-Gentests und einer neoadjuvanten antihormonellen Therapie mit anschließender Messung des Proliferationsmarkers Ki-67 habe bei der hormonrezeptor-positiven HER2neu-negativen Erkrankung zu einer besseren Einschätzung der Prognose und zu einer zielgerichteten Entscheidung über die Intensität der notwendigen medikamentösen Therapie geführt.

Bei der hormonrezeptor-positiven Erkrankung zeigten die 15 Jahresdaten der SOFT/TEXT-Studie bei prämenopausalen Frauen einen Überlebensvorteil für die Behandlung in Kombination mit einem Aromataseinhibitor und einer ovarialen Suppressionstherapie.

Für die Patientinnen mit einem HER2-neu positiven frühen Mammakarzinom, die durch die neoadjuvante Therapie nicht in eine komplette Remission gekommen seien, ergebe sich nach den Daten der DESTINY-Breast05-Studie ein Vorteil hinsichtlich des Rückfallrisikos, sodass hier der alte Standard T-DM1 durch den neuen Standard T-DXd ersetzt würde, so Welslaus zusammenfassend.

Die Zukunft

Seinen Zukunftsaussichten zufolge rückten die neuen Substanzen in den Therapielinien nach vorne und stellen die Behandler weiterhin vor die Herausforderung des Toxizitätsmanagements ihrer Patientinnen. Neue SERDs zeigten Erfolge bei Patientinnen, die unter einer antihormonellen Therapie Mutationen des Östrogenrezeptors entwickelten.

Und: Die Chronifizierung der metastasierten Brustkrebserkrankung führten zu einer Verbesserung des Überlebens, aber auch zur Herausforderung einer kontinuierlichen qualifizierten Betreuung der Patientinnen. Beim frühen Mammakarzinom komme es Weslaus Fazit zufolge darauf an, eine maßgeschneiderte Therapie anhand des Risikoprofils anzubieten und die Patientinnen zum Durchhalten zu motivieren.

Quelle: Presseinformation anlässlich des 45. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), München, 11. bis 13. Juni 2026

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