Onkologie » Gastrointestinale Tumoren » Magenkarzinom

»

TUM-Wirkstoff bekämpft Magenkrebs-Bakterium 60-fach stärker

Gefärbte Mikroskopaufnahme der Magenschleimhaut (H&E) – Epithel mit Muzinzellen und Schleimspalten

Quelle: © Raquel Mejías Luque / TUM

TUM-Wirkstoff bekämpft Magenkrebs-Bakterium 60-fach stärker

Aktuelles

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Magenkarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Forschende der TU München haben durch chemische Anpassungen eines Standard-Antibiotikums einen neuen Wirkstoff entwickelt, der Helicobacter pylori, das mit Magenkrebs assoziierte Bakterium, bis zu 60-mal effektiver bekämpft. In Labor- und Tierversuchen zeigte er Wirkung auch gegen resistente Stämme, ohne menschliche Zellen stärker zu schädigen. Die Ergebnisse erschienen in Nature Microbiology.

Weltweit sind rund 43 Prozent der Bevölkerung mit diesem Bakterium infiziert. Es kann chronische Magenschleimhautentzündungen verursachen, zu Magengeschwüren führen und gilt als zentraler Risikofaktor für Magenkrebs. Standardtherapien basieren vor allem auf dem Antibiotikum Metronidazol. Doch H. pylori wird zunehmend unempfindlich dagegen und entwickelt Resistenzen. Deshalb sind immer höhere hohe Dosierungen und Kombinationen mit weiteren Antibiotika nötig.

Das Team um Prof. Stephan A. Sieber vom Lehrstuhl für Organische Chemie II an der TUM School of Natural Sciences untersuchte die Wirkmechanismen des Antibiotikums nun im Detail. Dass Metronidazol im Bakterium sogenannten „oxidativen Stress“ auslöst, also chemische Reaktionen, die Zellbestandteile schädigen, war bereits bekannt. Die Forschenden fanden aber neu heraus, dass Metronidazol zusätzlich zwei zentrale Schutzproteine von H. pylori direkt angreift: ein Enzym zur Entgiftung schädlicher Sauerstoffverbindungen und ein Protein, das beschädigte Eiweiße repariert.

„Auf Basis unserer neuen Grundlagenerkenntnisse entwickelten wir chemisch leicht veränderte Varianten von Metronidazol, sogenannte Ether-Derivate. Diese molekulare Optimierung führt dazu, dass der Wirkstoff sich besser und stabiler an die Zielproteine anheften kann. Dadurch kann H. pylori oxidativen Stress schlechter abwehren und geht im besten Fall zugrunde.“

Dr. Michaela Fiedler und Doktorandin Marianne Pandler

In Laborversuchen analysierten die Forschenden nicht nur eine bis zu 60-fach höhere Wirksamkeit gegen das übliche Bakterium H. pylori, sondern auch Schlagkraft gegen bereits resistente Bakterienstämme. Zugleich fanden sie keine erhöhte Giftigkeit des angepassten Wirkstoffs für menschliche Zellen.

Bei Mäusen gelang es ihnen mit dem Wirkstoff, die Infektion mit H. pylori vollständig zu beseitigen – und das bereits mit einer sehr niedrigen Dosierung. Außerdem wurde das übrige Darmmikrobiom der Mäuse weniger stark beeinträchtigt als bei der bisherigen Standardtherapie.

„Wir haben hier einen sehr vielversprechenden möglichen Wirkstoff zur Senkung des Magenkrebsrisikos entwickelt. Allerdings müssen die Ergebnisse noch in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden. Sollte dies gelingen, wäre das ein echter medizinischer Durchbruch.“

Prof. Stephan A. Sieber

An der Forschungsarbeit waren neben Prof. Sieber auch Prof. Michael Groll vom Lehrstuhl für Biochemie, ebenfalls an der TUM School of Natural Sciences, und Prof. Markus Gerhard vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Immunologie an der TUM School of Medicine and Health intensiv beteiligt.

Originalpublikation: Fiedler MK, Pandler MSI, Gong R et al. Metronidazole and ether derivatives target Helicobacter pylori via simultaneous stress induction and inhibition; Nature Microbiology. 2026.

Quelle: Pressemitteilung Technische Universität München

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Abstrakte 3D-Darstellung von metallischen Ringen, die von schwarzen Würfeln mit dünnen Drähten umgeben sind, auf dunkelblauem Hintergrund

Ionenstrahl misst sich selbst bei Krebstherapie

Aktuelles

Mixed Beams könnten die Krebstherapie präziser machen: Kohlenstoffionen zerstören den Tumor, Heliumionen durchqueren den Körper und liefern Informationen über die Anatomie. Dafür muss das Mischungsverhältnis im Strahl genau bekannt sein. Forschende der TU Wien und des MedAustron haben nun eine Methode entwickelt, die genau das misst, ohne den Strahl zu stoppen. Ein Fortschritt.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Einzeldosis-Ampulle mit Spritze auf einer hellen Oberfläche

Erster HPV-Atlas Deutschland: Sechs Empfehlungen für bessere Prävention

Aktuelles

Der erste Deutschland-Atlas zu Humanen Papillomviren zeigt: Die Impfung dagegen ist ein hochwirksames Instrument der Krebsprävention, wird aber bisher nicht ausreichend genutzt. Nur 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der Jungen sind komplett geimpft. Sechs Strategien sollen es ändern – von einer nationalen Präventionsstrategie bis zu einem digitalen Impfregister.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Lächelnder Mediziner in blauer OP-Kleidung vor heller Wand

Stoffwechselspuren sollen Darmkrebsrisiko früher sichtbar machen

Aktuelles

Forschende untersuchen frühe, möglicherweise noch umkehrbare Veränderungen der Darmschleimhaut – Bundesforschungsministerium fördert Verbundprojekt NAD-MAGIC mit knapp zwei Millionen Euro.

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Darmkrebs

Beitrag lesen