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Kinderaugenheilkunde nicht aus dem Blick verlieren

Symbolbild Kind mit Sehschwäche

Kinderaugenheilkunde nicht aus dem Blick verlieren

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Ophthalmologie

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4 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Dr. Viktoria Bau vom BVA-Ressort Kinderophthalmologie vermittelte auf der AAD-Pressekonferenz einen umfassenden Einblick in die augenärztliche Versorgungslage von Kindern. Dass scheinbar immer weniger Termine für Kinder in der Augenheilkunde zu Verfügung stehen, habe weitereichende Folgen: Unbehandelte oder zu spät erkannte Schielerkrankungen erhöhten das Risiko für bleibende Sehbeeinträchtigungen.

Kinderophthalmologie ist ein wichtiger Baustein in den kindlichen Frühuntersuchungen, betonte die Dresdner Augenärztin. Eine rechtzeitige Feststellung möglicher Entwicklungsstörungen des Sehens sei bedeutsam, denn diese können nur in den ersten Lebensjahren effektiv therapiert werden. Doch Termine für kinderaugenärztliche Untersuchungen scheinen immer knapper zu werden.

Schielerkrankungen und Brechungsfehler seien nicht nur ein kosmetisches Problem. Unbehandelt führen diese Störungen des Sehens in der Regel zu einer lebenslangen Schwachsichtigkeit (Amblyopie) bis hin zur bleibenden Sehbehinderung, von der diese Patienten im Laufe des Lebens deutlich häufiger betroffen sind als Menschen mit beidseitig guter Sehschärfe. Eine frühzeitige Diagnose ist für den Therapieerfolg grundlegend.

Im Rahmen der kindlichen Früherkennungsuntersuchungen (so genannte U-Untersuchungen) für Kinder und Jugendliche sollen etwaige Auffälligkeiten festgestellt werden. Entsprechend des Alters der Kinder werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Kinderärztinnen und Kinderärzte untersuchen dabei auch die Augen. Bei Auffälligkeiten sollte dann die Überweisung an die augenheilkundlichen Kolleginnen und Kollegen erfolgen. Deutschland zeichne sich leider durch eine hohe Amblyopieprävalenz von 5,6 Prozent aus, sagte Bau: „Damit schneiden wir deutlich schlechter ab als zum Beispiel die skandinavischen Länder.“

Gründe für Terminmangel

Eltern, die dann versuchten, einen Termin bei einem Augenarzt zu erhalten, verzweifelten in den letzten Jahren zunehmend. Das Angebot an kinderaugenärztlichen Untersuchungen scheine sich zunehmend zu verringern. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Zum einen sind Untersuchung von Kleinkindern aufwändiger und Kinder als Patienten grundsätzlich betreuungsintensiver als Erwachsene. Die durch den demografischen Wandel erforderliche Spezialisierung zahlreicher Kolleginnen und Kollegen auf die altersbedingten Augenerkrankungen verknappe die Ressourcen zusätzlich, so Bau, denn angesichts einer alternden Gesellschaft (das Durchschnittsalter in der Bundesrepublik lag 2022 bei 44,6 Jahren, das entspricht einem Anstieg von 1,5 Prozent in elf Jahren) erhöhe sich logischerweise auch der Anteil an altersbedingten Augenerkrankungen wie AMD oder Katarakt.

Generationengerechtigkeit bewahren

„Im Rahmen der Generationengerechtigkeit dürfen wir die Kinder nicht vergessen, ohne dabei die Versorgung altersbedingter Erkrankungen zu vernachlässigen“, plädierte die Kinderaugenexpertin. Damit weiterhin die Versorgung gewährleistet werden könne, sollte eine flächendeckende Entbudgetierung der kinderaugenärztlichen Leistungen eingeführt werden. Analog zu den Leistungen aus der Pädiatrie sollte dies auch auf die ophthalmologischen Leistungen angewendet werden – einschließlich extrabudgetäre Zuschläge für Kinderuntersuchungen unter fünf Jahren, forderte Bau.

Bei Auffälligkeiten in den ersten Lebensmonaten und -jahren, die mit dem bloßen Auge festgestellt werden könnten, sollte ein Augenarzt bzw. eine Augenärztin aufgesucht werden – bei Frühgeborenen oder familiären Augenerkrankungen wie der angeborenen Katarakt gelte das auch unabhängig von augenscheinlichen Abweichungen. Sollte es Vorerkrankungen in der Familie geben (Amblyopie, sehr starke Kurz- oder Weisichtigkeit) sollten Kinder vom sechsten bis zum zwölften Monat untersucht werden. Unabhängig von Auffälligkeiten sollten Kinder dann zwischen dem dritten und dem vierten Lebensjahr ophthalmologisch untersucht werden.

Referenzen:

  1. Elflein HM et al. Amblyopieprävalenz in Deutschland. Daten aus der prospektiven, populationsbasierten Gutenberg-Gesundheitsstudie. Dtsch Arztebl Int 2015; 112:338-44
  2. Elflein HM, Pokora R, Müller D et al. Wie gut sehen unsere ABC-Schützen? Ophthalmologe 2021 118:470-475
  3. Elflein HM, Pokora R, Müller D et al. No Benefit of a Pediatric Screening in Discovering Reduced Visual Acuity in Children: Experiences from a Cross-Sectional Study in Germany Int. J. Environ. Res. Public Health 2020, 17, 3419
  4. Rahi J et al. Risk, causes, and outcomes of visual impairment after loss of vision in the non-amblyopic eye: a population-based study.Lancet. 2002 Aug 24;360(9333):597-602
  5. Tommila V et al. Incidence of loss of vision in the healthy eye in amblyopia. Br J Ophthalmol. 1981 Aug;65(8):575-7
  6. van Leeuwen R et al. Risk of bilateral visual impairment in individuals with amblyopia: the Rotterdam study. Br J Ophthalmol 2007; 91: 1450–1
  7. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1084430/umfrage/durchschnittsalter-der-bevoelkerung-in-deutschland/ abgerufen am 20.02.2024

Quelle: Pressekonferenz zur AAD am 06.03.2024

Bildquelle: ©motortion – stock.adobe.com

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