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Presbyopie: Sonderlinsen aus Sicht der Patientinnen und Patienten

Intraokularlinsen

Presbyopie: Sonderlinsen aus Sicht der Patientinnen und Patienten

Praxiswissen

Ophthalmologie

Sonstiges

5 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Bei einsetzender Presbyopie für den Rest des Lebens von einer Lesehilfe abhängig zu sein, damit können sich nicht alle Betroffenen abfinden. Immer häufiger wird daher die „altersstarr“ gewordene Augenlinse gegen eine Kunstlinse getauscht. Welche Linsenarten es gibt, wer von einem solchen Eingriff profitiert und welche Ursachen zu Unzufriedenheit führen, erläuterte Prof. Dr. Gerd Auffarth auf der DOG-Pressekonferenz.

Wer auch im fortgeschritteneren Alter ohne Brille leben möchte, hat heute die Möglichkeit, die Alterssichtigkeit durch eine Operation am Auge korrigieren zu lassen. „Insbesondere, wer sich schon in jungen Jahren hat lasern lassen, um brillenfrei zu sein, empfindet diese erneute Brillenabhängigkeit als sehr einschränkend“, berichtete Auffarth, Ärztlicher Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Heidelberg und Präsident der DOG im kommenden Jahr. Bei der Korrektur wird die natürliche Linse entfernt und eine Kunstlinse an ihre Stelle gesetzt. In Abgrenzung von der prinzipiell gleich ablaufenden Katarakt-Operation spricht man hier auch vom refraktiven Linsenaustausch.

Dafür stehen mehrere Arten von Intraokularlinsen zur Verfügung. Am bekanntesten sind die Trifokallinsen, die das Licht auf drei unterschiedliche Brennpunkte verteilen und so eine gute Sehschärfe im Nah-, Fern- und Zwischenbereich ermöglichen. Darüber hinaus gibt es Linsen mit zwei oder vier Brennpunkten, sowie monofokale Linsen – letztere können jedoch mit ihrer Festlegung auf einen Brennpunkt keine Brillenunabhängigkeit bewirken und werden daher in der refraktiven Augenchirurgie nur selten eingesetzt.

Unerwünschte Nebeneffekte

Völlige Brillenfreiheit hat jedoch einen physikalisch bedingten optischen Preis: Durch die Verteilung des Lichts auf mehrere Brennpunkte entstehen Überlappungszonen, die zu unerwünschten Lichteffekten führen – etwa einer erhöhten Blendempfindlichkeit und dem Entstehen von Höfen um Lichtquellen (Halos). „Sie können besonders nachts im Straßenverkehr sehr störend wirken und im Einzelfall sogar zur Entfernung der Intraokularlinse führen. Wer beruflich oder privat häufig im Dunkeln Auto fährt, sollte daher möglicherweise auf den Einsatz von Multifokallinsen verzichten“, riet Auffarth.

Das Problem der Halo-Bildung adressieren neuere Tiefenschärfelinsen („extended depth of focus“, EDOF), die nach dem Prinzip der Gleitsichtbrille weichere Übergänge zwischen den Sehbereichen ermöglichen und die Sicht auch bei schwierigen Lichtverhältnissen verbessern sollen. „Mit EDOF-Linsen wird der Fern-und Zwischenbereich zuverlässig abgedeckt, im Nahbereich kann zum Teil jedoch noch eine Brille notwendig sein“, so Auffarth. Auch verschwinde der Halo-Effekt nicht ganz. Generell gelte es, alle Optionen mit dem Patienten gemeinsam zu besprechen und die Vor- und Nachteile vor dem Hintergrund der individuellen Bedürfnisse und Lebenssituation abzuwägen. „Die eine Intraokularlinse, die für alle Patientinnen und Patienten geeignet ist, gibt es nicht“, betonte Auffarth.

Hohe Patientenzufriedenheit

Generell ist die Patientenzufriedenheit nach einem refraktiven Linsenaustausch jedoch sehr hoch. „In manchen Fällen wird die Performance der Linse insgesamt als sehr gut bewertet, der oder die Betroffene ist aber mit einem Teilbereich unzufrieden – etwa nur mit der Fernsicht oder nur mit dem Zwischenbereich“, erläuterte der DOG-Experte. „In diesen Fällen kann eine Hornhautverkrümmung vorliegen, die bei der Intraokularlinsenberechnung nicht oder nur unzureichend korrigiert worden ist.“ Die Hornhaut sollte daher vor dem Linsenaustausch stets genau untersucht werden.

Nutzen-Risiko-Abwägung

Der Linsenaustausch selbst ist in der Regel unkompliziert. Es ist ein sehr sicheres Verfahren, das bei der Katarakt-Operation bereits millionenfach erprobt wurde. Dennoch gebe es Restrisiken, über die aufgeklärt werden müsse. In extrem seltenen Fällen, etwa wenn bei der Operation Keime in das Auge gelangen und es zu einer Infektion kommt, könnten diese bis zur Erblindung reichen. Bei zuvor stark kurzsichtigen Menschen könne der Eingriff auch das Risiko für eine Netzhautablösung erhöhen. „Bei der Alterssichtigkeit handelt es sich streng genommen nicht um eine Erkrankung, sondern um eine normale Alterserscheinung“, betont Auffarth. „Nutzen und Risiko müssen bei einem solchen Eingriff, der im Prinzip ‚nur‘ eine Lifestyle-Verbesserung erzielen soll, daher besonders gut gegeneinander abgewogen werden.“

Literatur:

  1. Romano V, Madrid-Costa D, Alfonso JF, Alio J, Allan B, Angunawela R, Auffarth G, et al.Recommendation for Presbyopia-Correcting Intraocular Lenses: A Delphi Consensus Statement by the ESASO Study Group. Am J Ophthalmol. 2023 Sep; 253:169-180. doi: 10.1016/j.ajo.2023.05.002. Epub ahead of print. PMID: 37236521.
  2. Khoramnia R, Baur ID, Łabuz G, Köppe MK, Hallak MK, Auffarth GU. Functional outcomes after bilateral refractive lens exchange with a continuous-range-of-vision IOL. J Cataract Refract Surg. 2023 Jul 19. doi: 10.1097/j.jcrs.0000000000001265. Epub ahead of print. PMID: 37464558.
  3. Baur ID, Łabuz G, Yildirim TM, Auffarth GU, Khoramnia R. Reversible Multifocality Achieved Through Polypseudophakia. Klin Monbl Augenheilkd. 2023 Aug; 240(8):981-988. English, German. doi: 10.1055/a-2079-1692. Epub ahead of print. PMID: 37391182.
  4. Ong LF, Oh A, Yi JK, Gu JS, Marvasti AH, Nguyen BB, Tran DB, Lee JK. Refractive lens exchange – who is getting it, what are they getting, how are they doing? Curr Opin Ophthalmol. 2023 Jul 1;34(4):280-289. doi: 10.1097/ICU.0000000000000956. Epub 2023 May 15. PMID: 37254862.
  5. Fernández J, Alfonso Sánchez JF, Nieradzik M, Valcárcel B, Burguera N, Kapp A. Visual performance, safety and patient satisfaction after bilateral implantation of a trifocal intraocular lens in presbyopic patients without cataract. BMC Ophthalmol. 2022 Aug 10;22(1):341. doi: 10.1186/s12886-022-02556-y. PMID: 35948879; PMCID: PMC9364506.

Quelle: DOG-Pressekonferenz am 28.09.2023 in Berlin

Bildquelle: © Mohammed – stock.adobe.com

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