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Leopoldina schlägt neue Entwicklungshilfen gegen Kinderblindheit vor

Afrikanisches Mädchen

Quelle: Riccardo Niels Mayer / Adobe Stock

Leopoldina schlägt neue Entwicklungshilfen gegen Kinderblindheit vor

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Vorderer Augenabschnitt

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

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3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

In der internationalen Gesundheitspolitik und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit liegt der Fokus vor allem auf Präventionsmaßnahmen. Dies zeigt sich z. B. bei Krankheiten wie der Kinderblindheit, denen durch Impfungen oder Vitamin-A-Gaben vorgebeugt wird. Allerdings kann man Augenerkrankungen wie grauen oder grünen Star nicht durch Prävention vermeiden. Nur eine frühe Diagnose und operative Eingriffe können betroffene Kinder vor dem Erblinden schützen.

Die Leopoldina empfiehlt deshalb in einem Diskussionspapier eine Neujustierung von Prävention und medizinischer Behandlung in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Vorschläge werden an Praxisbeispielen aus dem südlichen Afrika veranschaulicht.

Weltweit sind zwischen 1 Million und 1,5 Millionen Kinder blind. Fast ein Viertel davon lebt in Afrika. Die häufigste Blindheitsursache ist dort der graue Star, der sich nur operativ behandeln lässt. Die Autoren des Diskussionspapiers zeigen am Beispiel der Kinderblindheit, wie eine ausgewogene globale Gesundheitspolitik Prävention und Kuration verschränken kann; ein Ansatz, der als “Global Clinical Care” bezeichnet wird. So lassen sich positive Effekte sowohl auf die Lebenszufriedenheit als auch gesellschaftlich und ökonomisch erzielen. Es wird dargestellt, welchen Verlauf der angeborene graue Star bei Kindern nimmt und wie durch gezielte Behandlung Kinderblindheit verhindert werden kann. Die Kinder können so eine reguläre Schule besuchen und später einen Beruf ergreifen. Im Diskussionspapier wird aufgezeigt, wie sich Kuration somit auch auf das Bruttosozialprodukt auswirken kann und wie sich die Investitionen, die für den Aufbau der Krankenversorgung nötig sind, gesellschaftlich wie wirtschaftlich rentieren.

Der „Global Clinical Care“-Ansatz zielt darauf ab, vor Ort Strukturen zur Selbsthilfe zu schaffen. Am Beispiel der Kinderblindheit heißt das, die betroffenen Kinder frühzeitig zu identifizieren, lokale Versorgungskapazitäten zu stärken sowie das augenärztliche Fachpersonal weiterzubilden. Aus Sicht der Autoren sind institutionalisierte Partnerschaften dafür ein zentrales Instrument.

Im Diskussionspapier werden zwei Partnerschaften exemplarisch vorgestellt: eine Partnerschaft zwischen Rostock und Kinshasa/Demokratische Republik Kongo sowie eine Partnerschaft zwischen Tübingen und Blantyre/Malawi. Im Rahmen der Partnerschaften wurden Versorgungsstrukturen aufgebaut. Das Fachpersonal wurde einerseits vor Ort geschult als auch bei Aufenthalten in Deutschland. Diese langfristigen Partnerschaften haben das Potenzial, eine nachhaltige Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken, so die Autoren. Sie empfehlen der Bundesregierung deshalb, im Rahmen der Fortschreibung der Strategie „Globale Gesundheit“ die Verschränkung von Prävention und Kuration stärker zu reflektieren und unter anderem ein Rahmenprogramm für die staatliche Förderung institutionalisierter Partnerschaften bereitzustellen.

Das Diskussionspapier „Kinderblindheit im Fokus – Prävention und Kuration neu denken“ ist auf der Website der Leopoldina veröffentlicht: https://www.leopoldina.org/kinderblindheit

Publikationen in der Reihe „Leopoldina-Diskussion“ sind Beiträge der genannten Autoren. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel und ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanstöße zu geben oder Diskurse anzuregen und hierfür auch Empfehlungen zu formulieren. Die in Diskussionspapieren vertretenen Thesen und Empfehlungen stellen daher keine inhaltliche Positionierung der Akademie dar.

Quelle: Pressemitteilung der Leopoldina, 4. November 2025.

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