Allgemeinmedizin » Atemwege

»

COPD: Exazerbationen und Multimorbidität erfolgreich vermeiden

© Zaiseefa - stock.adobe.com

Quelle: © Zaiseefa - stock.adobe.com

COPD: Exazerbationen und Multimorbidität erfolgreich vermeiden

Fachbeitrag

Allgemeinmedizin

Atemwege

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) stellt für Betroffene eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. Exazerbationen – akute Verschlechterungen der Erkrankung – führen nicht nur zu einem fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion, sondern erhöhen auch das Mortalitätsrisiko signifikant. Dieser Artikel beleuchtet, wie eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen dabei hilft, die Abwärtsspirale zu durchbrechen und die Lebensqualität von COPD-Patienten nachhaltig zu verbessern.

Grundlegende Strategien zur Vermeidung von COPD-Exazerbationen

Neben der Vermeidung einer Exposition gegenüber Zigarettenrauch und Luftverschmutzung ist es essenziell, die Inflammation zu adressieren, die physiologische Reserve zu verbessern und das systemische Risiko zu senken, rief Prof. Dr. med. Daiana Stolz, Freiburg, in Erinnerung.

Antiinflammatorische Therapien zur Reduktion der Exazerbationsrate

Zur Reduktion der Exazerbationsrate können antiinflammatorische Therapien wie ICS und – bei persistierenden Exazerbationen – monoklonale Antikörper zum Einsatz kommen. Zugelassene Biologika für die COPD-Therapie:

  • Dupilumab
  • Mepolizumab

Beide Biologika sind durch die EMA zugelassen. Ausstehend ist noch die Zulassung des PDE3/4-Inhibitors Ensifentrin in Europa. „Die GOLD-Kriterien 2026 sprechen eine klare Empfehlung für den Einsatz von monoklonalen Antikörpern aus“, berichtete die Expertin. Man sei jedoch auf weitere Studien angewiesen, um zu bestimmen, wer besonders von einer solchen Therapie profitieren kann.

Komorbidität bei COPD erkennen und behandeln

„COPD wird heute nicht mehr nur als Erkrankung der Lunge, sondern des gesamten Körpers verstanden“, führte Stolz aus. Nicht zu vernachlässigen ist daher das Thema Multimorbidität.

Kardiovaskuläre Risiken bei COPD-Patienten

So ist das Risiko für Herzinsuffizienz oder kardiovaskulären Tod um rund 30 % erhöht². In einer Studie konnten durch einen proaktiven Ansatz mehr kardiovaskuläre Erkrankungen bei COPD-Betroffenen identifiziert werden im Vergleich zur Standard-Versorgung³.

Innovative systemische Therapieansätze

Besonderes Augenmerk legte Stolz auf Daten einer Kohortenstudie aus Hongkong zum Einsatz von SGLT2-Hemmern bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. In dieser Kohorte konnten folgende beeindruckende Ergebnisse beobachtet werden:

  • 35 % geringeres Risiko für neu auftretende Atemwegserkrankungen
  • 46 % geringere Exazerbationsrate

Solche systemischen Therapien könnten das COPD-Konzept erweitern.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen in der COPD-Therapie

„Nicht-medikamentöse Maßnahmen sind für das Management der COPD essenziell, werden aber leider viel zu wenig durchgeführt“, berichtete Dr. rer. med. Tessa Schneeberger von der Schön Klinik Berchtesgadener Land.

Tabakentwöhnung als zentrale Maßnahme

Grundsätzlich wird für alle COPD-Betroffenen die Tabakentwöhnung empfohlen⁴. Der Nutzen ist unabhängig vom Alter – jedoch gilt: je früher, desto besser⁵. Dennoch rauchen weiterhin 40 % der Betroffenen aktiv⁶.

Wichtige Erkenntnisse zum Rauchstopp:

  • Neben Ereignissen wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall zeigten sich erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Rauchstoppversuche nach Exazerbation sowie Hospitalisierung mit Lungenfunktionsmessung⁷
  • Unterstützend kann hierfür die leitlinienbasierte App NichtraucherHelden als DiGA verwendet werden⁸

Pneumologische Rehabilitation

Für COPD-Patientinnen und -Patienten, die aufgrund einer Exazerbation hospitalisiert wurden, empfiehlt der GOLD-Report eine pneumologische Rehabilitation (PR)⁴. Jedoch haben weniger als 2 % Zugang zu einer PR⁹. Die Barrieren liegen bei fehlender Empfehlung sowie mangelnder Umsetzung, so Schneeberger.

Nutzen der pneumologischen Rehabilitation:

  • Teilnahme an zwei oder mehr PR-Sessions führt zu einer 26 % geringeren Mortalitätsrate¹⁰

Autorin: Martha-Luise Storre

Quelle: Symposium „Kardiorespiratorische Interaktion bei COPD“ im Rahmen des DGP-Kongresses am 19.03.2026 in München

Literatur unter www.mgo-medizin.de/literatur

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Frauen mit Brustkrebs, Symbolbild

Frauen mit Brustkrebs: Psychoonkologische Hilfe nach der Therapie

Fachbeitrag

Fortschritte in Diagnose und Therapie haben die Überlebensaussichten von Brustkrebs-Patientinnen erheblich verbessert. Für die ärztliche Nachsorge bedeutet dies: Neben onkologischer Kontrolle sind psychosoziale und psychoonkologische Aspekte integraler ­Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Versorgung.

Allgemeinmedizin

CME

Beitrag lesen
München Messe Reim

ESC: Neue Strategien für Herz, Niere und Gefäßsystem

Kongress

Der Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München liefert praxisnahe Impulse für die Kardiologie: Herz und Niere sollen konsequenter gemeinsam behandelt werden, bei Herzinsuffizienz rückt der frühe Therapiebeginn in den Fokus. Zudem werden neue Daten zu DOAK, KI-gestütztem Screening und der fünften Infarktdefinition eingeordnet. Eine Auswahl

Allgemeinmedizin

Herz und Kreislauf

Beitrag lesen
© Sachin - stock.adobe.com

DIE ZAHL

Aktuelles

Der Gesundheitsreport 2026 der AOK Rheinland/Hamburg zeigt Versorgungslücken und Nachholbedarf bei der Krebsfrüherkennung: In Hamburg wird fast jedes vierte Kind hausärztlich statt kinderärztlich behandelt. Zugleich nehmen nur wenige Menschen Angebote wie Mammographie- oder Darmkrebs-Screening wahr.

Allgemeinmedizin

Sonstiges

Beitrag lesen