Onkologie » Hauttumoren » Melanom

»

Malignes Melanom: Sentinel-Tumorlast unabhängiger prognostischer Faktor

Malignes Melanom: Sentinel-Tumorlast unabhängiger prognostischer Faktor

News

Onkologie

Hauttumoren

Melanom

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Die Sentinel-Lymphonodektomie (SLNE) ist das Standard–Verfahren beim malignen Melanom, und der Sentinel-Node-Status ist der wichtigste prognostische Faktor für den Krankheitsverlauf bei Erkrankungen im AJCC-Stadium I/II. Retrospektive Studien haben den prognostischen Wert der Sentinel-Tumorlast gezeigt, die mit verschiedenen Methoden bewertet werden kann, z. B. anhand der mikroanatomischen Lage oder des maximalen Durchmessers der größten SLN-Metastase (Rotterdam-Klassifikation).

Der therapeutische Wert der Sentinel-Node-Biopsie mit anschließender frühzeitiger radikaler Komplettierungsdissektion (CLND) ist jedoch nach wie vor umstritten. Diese Fragestellung wurde in der EORTC 1208-Studie (MiniTub), einem prospektiven Register für Betroffene mit MM und minimaler SN-Tumorlast, adressiert. Bei den in das Register aufgenommenen Patient*innen wurde nach Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen auf der Grundlage ihrer eigenen Entscheidung entweder eine CLND durchgeführt oder sie wurden seriell nachbeobachtet (ohne CLND). Ziel der war es festzustellen, ob die serielle Nodalbeobachtung ein vergleichbares 5-Jahres-Intervall für Fernmetastasen aufweist wie die CLND.

Zwischen 2015 und 2021 wurden 296 Patient*innen aus 21 Zentren in neun Ländern in das Register aufgenommen (n = 17 CLND und n = 279 serielle Nachbeobachtung [OBS], darunter n = 201 mit pT2–3), davon waren 149 für die Auswertung geeignet (Hauptgruppe). In den ersten beiden Jahren erfolgte eine Kontrolluntersuchung alle vier Monate, anschließend halbjährlich (Jahre 3–5) bzw. jährlich (Jahre 6–10). Eine Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten wurde bei jeder Visite empfohlen. Die Hypothese war, dass die kumulative Inzidenz von Fernmetastasen nach fünf Jahren bei pT2/3-Patient*innen unter 20 % liegt.

Die zentrale pathologische Untersuchung ergab bei 33 Patient*innen (11 %) keine Metastasierung und bei 36 (12 %) keine minimale SN-Tumorlast. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4,5 Jahre. Die kumulative Inzidenz von Fernmetastasen und Melanom-bedingten Tod nach 5 Jahren betrug 15 % (90%-Konfidenzintervall [KI]: 10–21 %; p = 0,096) und 8 % in der Hauptgruppe. Die SN-Tumorlast (> 0,1 vs. < 0,1 mm) (HR 2,35; p = 0,022) sowie das AJCC-Stadium (HR 3,09 für IIIB vs. IIIA und 5,01 für IIIC vs. IIIA; p < 0,001) wurden als unabhängige prognostische Faktoren identifiziert.

Die zentrale Überprüfung ergab eine Überdiagnose bei 11 % der Patient*innen. Diese erste und einzige prospektive Studie bei Betroffenen mit malignem Melanom und minimaler SN-Tumorlast zeigte niedrige Raten von Fernmetastasen oder Tod. Da die SN-Tumorlast sich als ein unabhängiger prognostischer Faktor erwies, sollte es nach Empfehlung der Autor*innen in Erwägung gezogen werden, diesen Parameter in künftige -Systeme aufzunehmen. Damit ließen sich die Prognose verbessern und Patient*innen mit niedrigem Risiko im Stadium III die potenzielle Toxizität einer adjuvanten Therapie ersparen.

Dr. Katrina Recker

Quelle: Van Akkooi AC et al.  Primary analysis of the EORTC 1208 Minitub trial: Prospective registry of sentinel node (SN) positive melanoma patients with minimal SN tumor burden. ESMO 2024; Abstract 1076O

Bilderquelle: © InsideCreativeHouse – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person mit Kopftuch steht draußen vor hellem Himmel und blickt entspannt zur Seite

Junge Erwachsene mit Krebs – 
Herausforderungen in der Palliativmedizin

Fachartikel

Die Diagnose einer unheilbaren Krebserkrankung bedeutet immer einen entscheidenden Einschnitt im Leben. Über die besonderen Belastungen und Bedürfnisse von jungen Krebspatienten haben wir mit Dr. Pia Heußner, leitende Oberärztin Psycho-Onkologie am Onkologischen Zentrum Oberland des Klinikums Garmisch-Partenkirchen und Murnau, gesprochen.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Darstellung des menschlichen Darms mit digitalen Elementen und Arzt im Hintergrund

Expertise von interdisziplinären Tumorboards nutzen!

Fachartikel

Die Behandlungsstandards des kolorektalen Karzinoms (CRC) sind stark im Fluss, so wurde die S3-Leitlinie bereits nach wenigen Monaten erneut aktualisiert (Version 3.1, März 2026).

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Darmkrebs

Beitrag lesen
Gesunde Ernährung und Bewegung gegen das metabolische Syndrom

Ernährung und Biofaktoren bei 
tumorassoziierter Fatigue und Depression

Fachartikel

Aktuelle Daten lassen davon ausgehen, dass etwa 20 bis 40 % der Tumorpatienten bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung Zeichen einer Mangelernährung aufweisen – abhängig von Tumorentität und Stadium. Im Verlauf fortgeschrittener Erkrankungen steigt dieser Anteil deutlich an.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen