Die Behandlung von Lungeninfektionen mit multiresistenten Bakterien stellt eine wachsende Herausforderung in der modernen Medizin dar. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle Therapieansätze bei DTR-Pseudomonas aeruginosa und anderen resistenten Lungenpathogenen. Welche Antibiotika-Optionen stehen zur Verfügung, wie beeinflussen Resistenzmechanismen die Therapiewahl, und welche Behandlungsdauer wird empfohlen?
Die globale Bedrohung durch resistente Lungenpathogene
Gramnegative Lungeninfektionen stellen nach wie vor eine große klinische Herausforderung dar, berichtete Dr. rer. nat. Anna Lena Jung, Marburg. Die Zahlen sind alarmierend:
- Bakterielle Krankheitserreger verursachen weltweit 7,7 Millionen Todesfälle pro Jahr
- Davon 1,27 Millionen aufgrund von Erregern, die gegen verfügbare Antibiotika resistent sind
- Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mit insgesamt rund 10 Millionen Todesfällen zu rechnen ist¹
Als mögliche Gründe werden übermäßiger und unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika sowie Lücken in der Antibiotikaforschung diskutiert.
Difficult-to-treat-Resistenzen (DTR): Eine besondere Herausforderung
Bei der Pseudomonas-Pneumonie gibt es keine klare Abgrenzung zu anderen Pneumonien – die Symptome sind ebenso wie die Bildgebung unspezifisch. „Hier ist der Kontext entscheidend, nicht das Erscheinungsbild“, berichtete Prof. Dr. med. Hortense Slevogt, Hannover.
Klinische Bedeutung von DTR-Pseudomonas aeruginosa
Infektionen mit DTR-Pseudomonas aeruginosa sind mit einem erhöhten Risiko für Therapieversagen und Letalität verbunden². Bei Difficult-to-treat-Resistenzen (DTR) besteht häufig eine Kombination aus verschiedenen Resistenzmechanismen. Die Therapieentscheidung sei essenziell mit individuellen Risikofaktoren verbunden. Als klinische Konsequenz ergibt sich hieraus die Notwendigkeit einer phänotypischen Testung.
Leitliniengerechte Therapie bei multiresistenten Bakterien
Bei DTR liegt eine Nicht-Empfindlichkeit gegenüber allen klinisch bevorzugten Erstlinien-Antibiotika mit hoher Wirksamkeit und geringer Toxizität vor. Die neue S3-Leitlinie „Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien“ empfiehlt in diesem Fall, gezielt alle Reserveantibiotika zu prüfen³. „Ohne diese Resistenztestung kann keine sichere Therapie bei DTR-Pseudomonas erfolgen“, so die Expertin.
Resistenzmechanismen beachten: Die richtige Antibiotika-Auswahl
Die Auswahl der Antibiotika basiert auf dem vorliegenden Resistenzmechanismus.
Therapieoptionen ohne Metallo-beta-Lactamase (MBL)
Ohne eine Metallo-beta-Lactamase (MBL) können folgende Antibiotika zum Einsatz kommen³:
- Ceftolozan/Tazobactam (bevorzugte Option unter Antimicrobial-Stewardship-Aspekten)
- Ceftazidim/Avibactam
- Imipenem/Relebactam (zeigt eine breite In-vitro-Aktivität bei DTR-Pseudomonas und ist wirksam bei AmpC-Hyperproduktion, Porinverlust sowie Effluxmechanismen)
Therapieoptionen bei Vorliegen einer MBL
Liegt eine MBL vor, zeigt sich für Cefiderocol eine gute Aktivität. Aztreonam/Avibactam ist eine mögliche Option, jedoch liegen hier nur begrenzte klinische Daten vor³.
Die Leitlinie empfiehlt, dass unter Berücksichtigung von Antimicrobial-Stewardship-Aspekten Ceftolozan/Tazobactam bevorzugt werden sollte³.
Optimale Therapiedauer bei resistenten Lungenpathogenen
Die Therapiedauer ist individuell durch den Verlauf und nicht durch die Resistenz bestimmt. „Entscheidend für das Therapieende sind klinische Stabilisierung, Fieberrückgang, Verbesserung der Organfunktion sowie ausreichende Fokuskontrolle“, sagte Slevogt. Als Praxisorientierung können folgende Zeiträume zugrunde gelegt werden:
- Bei gutem Ansprechen: meist circa 7 Tage
- Bei schweren Verläufen (z. B. Sepsis oder langsamer Besserung): Verlängerung auf 10 bis 14 Tage
Autorin: Martha-Luise Storre
Quelle: Symposium „Herausforderungen neuer und resistenter Lungenpathogene“ im Rahmen des DGP-Kongresses am 19.03.2026 in München
Literatur unter www.mgo-medizin.de/literatur





