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Seit 50 Jahren dabei: Gespräch mit Ortrud Karg zum DGP-Kongress-Jubiläum 

Dr. Ortrud Kark

Quelle: Dr. Ortrud Kark

Seit 50 Jahren dabei: Gespräch mit Ortrud Karg zum DGP-Kongress-Jubiläum 

Kongress

Allgemeinmedizin

Atemwege, Kongresse

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Ihren ersten DGP-Kongress besuchte sie 1976 in München – auch 2026 wird sie wieder dabei sein: Dr. med. Ortrud Karg war Chefärztin der Klinik für Intensivmedizin und Langzeitbeatmung der Asklepios Fachkliniken München-Gauting sowie DGP-Schatzmeisterin und Leiterin der DGP-Akademie. Im Interview gibt sie spannende Einblicke in über 50 Jahre Engagement für die Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Frau Dr. Karg, schon vor 50 Jahren haben Sie das erste Mal einen DGP-Kongress besucht. Können Sie sich noch an Ihre Premiere im Jahr 1976 erinnern?

Dr. med. Ortrud Karg: Nicht im Detail, aber an einzelne Bilder sehr gut. Ich habe 1972 als Medizinalassistentin im Städtischen Krankenhaus München-Harlaching und dann im damaligen Zentralkrankenhaus Gauting – heute Asklepios – angefangen, am Ende der Tuberkulose-Ära. Ab Ende 1973 war ich Assistenzärztin in Gauting und musste meinen damaligen Chef, Kongresspräsident Professor Blaha, fragen, ob ich überhaupt auf den Kongress darf… Heute kaum noch vorstellbar! So kam ich schließlich zu meinem ersten Kongressbesuch überhaupt. Er fand im Hotel Bayerischer Hof statt und war für mich ein echtes Ereignis.

Wie unterschied sich dieser vom heutigen DGP-Kongress?
In 50 Jahren hat sich wahnsinnig viel verändert. Das ist gar nicht vergleichbar! 1976 gab es nur einige wenige Hauptvorträge, gehalten von bekannten Persönlichkeiten des Faches. Poster, freie Vorträge oder parallele Sitzungen gab es nicht. Die Teilnehmerzahl lag bei schätzungsweise ein paar Hundert Pneumologen, damals noch „Lungenärzte“ genannt – deutschlandweit gab es nur rund 1.000 von uns.

Ist Ihnen etwas besonders im Gedächtnis geblieben?
Oh ja! Auf diesem Kongress habe ich zum ersten Mal etwas über die Computertomografie gehört. Kurz darauf hielt die Methode Einzug in die klinische Routine. Vielleicht gehe ich deshalb bis heute so gerne zum Kongress: Es ist ein Ort, an dem – trotz der heute verfügbaren elektronischen Zeitschriften und des Internets – immer noch Innovationen vorgestellt werden.

Haben Sie viele große Umbrüche in der Pneumologie miterlebt?
 Ja, absolut. Als ich anfing, dominierten noch Tuberkulosepatientinnen und -patienten den Klinikalltag. In Gauting hatten wir mehrere Hundert Tuberkulosebetten. Gleichzeitig begann der Übergang von der klassischen Lungen-Tuberkuloseheilkunde hin zu einer stärker internistisch geprägten Pneumologie. Dieser Wandel war nicht konfliktfrei, aber rückblickend entscheidend für die Entwicklung des Faches.

Die Entwicklung haben Sie durch Ihr Engagement in der DGP mitgeprägt. 
Von 2006 bis 2012 war ich Schatzmeisterin im Vorstand. Danach habe ich die DGP-Akademie aufgebaut und geleitet. Unser Fokus lag klar auf Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung. Wir haben kompakte Kurse in Allergologie, Onkologie oder Radiologie entwickelt, also überall dort, wo der klinische Alltag oft keine ausreichende Weiterbildung mehr bot.

Ein weiteres Projekt war die Qualifizierung von Atmungstherapeuten.
Das entstand aus der Notwendigkeit, Pflegekräfte in unserem Fach zu qualifizieren, z.B. für die außerklinische Versorgung beatmeter Patientinnen und Patienten. Wir haben das US-amerikanische Konzept der „respiratory therapists“ in ähnlicher Form auf Deutschland übertragen. Das war innovativ, aber auch umstritten. Staatlich anerkannt wurde die Weiterbildung letztlich nicht, trotzdem hat das Konzept bundesweit viel bewegt.

Wie sind Sie heute noch mit der DGP verbunden?
Seit 2023 arbeite ich nicht mehr für die DGP, bin ihr aber weiterhin verbunden. Ich engagiere mich jetzt bei der Bayerischen Landesärztekammer in Fachsprachenprüfungen für ausländische Ärztinnen und Ärzte. Und natürlich gehe ich weiterhin zum DGP-Kongress!

Worauf haben Sie sich bei dem aktuellen Kongress besonders gefreut?
Vor allem auf spannende Keynotes zu übergreifenden Themen wie Klima, Nachhaltigkeit oder Ethik. Und auf die Begegnungen vor Ort. Viele Weggefährtinnen und -gefährten meiner Altersklasse sind nicht mehr da, andere können nicht mehr kommen. Aber die, die ich treffe – und wenn es nur kurz auf der Rolltreppe ist – machen den Kongress für mich zu etwas Besonderem. Er ist Fachkongress und soziales Ereignis zugleich.

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