Die Haut ist ein komplexes Organ. Essenzielle Biofaktoren gewinnen für die Hautgesundheit zunehmend an Bedeutung. Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. leistet dazu wissenschaftliche Arbeit.
Unsere Haut ist weit mehr als nur eine äußere Hülle. Sie ist Stoffwechselorgan, Immunbarriere und Kommunikationsfläche zugleich. Entsprechend komplex sind die Anforderungen an die Hautgesundheit. In den vergangenen Jahren ist dabei ein Thema zunehmend in den Fokus gerückt: die wachsende Bedeutung essenzieller Biofaktoren – also Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Hier setzt die Arbeit der Gesellschaft für Biofaktoren e. V. an, die wir hier näher vorstellen möchten.
Das steckt dahinter…
Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) versteht sich als wissenschaftlich orientierte Plattform mit dem Ziel, über die Bedeutung von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und anderen bioaktiven Substanzen wie beispielsweise Omega-3-Fettsäuren zu informieren und deren Anwendung in Prävention und Therapie zu unterstützen.
Was bedeutet das konkret? Auf der Webseite heißt es dazu: „Biofaktoren sind Stoffe, die der Körper für seine physiologischen Funktionen braucht. Sie haben eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität. Essenzielle Biofaktoren sind solche, die der Körper nicht oder nicht in ausreichendem Umfang selbst bilden kann und die daher zugeführt werden müssen. Abhängig von der Konzentration können Biofaktoren auch pharmakologische Wirkungen haben.“
Die GfB hat es sich zum Ziel gesetzt, wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte und praxisnahe Empfehlungen zu erarbeiten, insbesondere zu den Themen:
- gesunde Ernährung
- Vorbeugung ernährungsbedingter Krankheiten
- Wirkungsweise von Biofaktoren und die Folgen eines Mangels
- Förderung der Fort- und Weiterbildung von Fachkreisen
- Unterstützung von Wissenschaft und Forschung
Dabei steht nicht nur die Betrachtung einzelner Biofaktoren im Mittelpunkt, sondern ihr Zusammenspiel im menschlichen Organismus – ein Ansatz, der in der Medizin und so auch in der Dermatologie immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Wissenschaftlicher Anspruch und praktische Relevanz
Die Gesellschaft für Biofaktoren wendet sich an Therapeuten aus unterschiedlichen Fachrichtungen – darunter z. B. Allgemeinmedizin, Ernährungsmedizin und Pharmakologie – sowie darüber hinaus an verschiedene Fachgruppen, so auch Dermatologen. Mit der Zielsetzung, wissenschaftliche Erkenntnisse zu bündeln, kritisch zu bewerten und für die Praxis nutzbar zu machen. Dies geschieht durch Fachpublikationen, CME-zertifizierte Fortbildungen, Fachsymposien sowie die anschauliche und praxisnahe Aufbereitung aktueller Studiendaten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der evidenzbasierten Kommunikation. Gerade im Bereich der Biofaktoren besteht mitunter eine Diskrepanz zwischen populärwissenschaftlichen Empfehlungen und eindeutig belastbaren wissenschaftlichen Daten. Ein klassisches Beispiel ist der weit verbreitete Einsatz von Biotin für Haut, Haare und Nägel. Während entsprechende Präparate in der populärwissenschaftlichen Literatur und Werbung häufig als „Schönheitsvitamin“ mit breitem Nutzen dargestellt werden, zeigt die wissenschaftliche Datenlage ein differenzierteres Bild: Ein klarer therapeutischer Effekt ist vor allem bei nachgewiesenem Biotin-Mangel belegt, der jedoch in der Allgemeinbevölkerung wiederum selten ist. Für gesunde Personen ohne Mangelzustand hingegen ist die Evidenz für einen zusätzlichen Nutzen begrenzt.
Solche Beispiele machen deutlich, warum eine kritische, evidenzbasierte Einordnung so wichtig ist. Hier setzt die GfB an und möchte medizinischen Fachkreisen eine verlässliche Grundlage für therapeutische Entscheidungen bieten. Ein wesentliches Fundament ist dabei das eigene interdisziplinäre Expertennetzwerk. In der Gesellschaft engagieren sich Wissenschaftler und klinisch tätige Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, die sich – teils auch im Rahmen eigener Forschung – intensiv mit einzelnen Biofaktoren und deren physiologischen sowie therapeutischen Wirkungen beschäftigen.
Dieses gebündelte Fachwissen erlaubt es, die Datenlage differenziert zu bewerten und praxisnahe Empfehlungen zu einzelnen Biofaktoren zu erarbeiten. Gleichzeitig gewährleistet der fachübergreifende Austausch innerhalb der GfB, dass Biofaktoren nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext komplexer Stoffwechselprozesse und klinischer Zusammenhänge. So entsteht ein lebendiger Wissenstransfer, der sowohl wissenschaftlichen Ansprüchen genügt als auch gleichzeitig den Alltag der therapeutischen Praxis berücksichtigt.
Dermatologie – Biofaktoren im Fokus
Wissenschaftliche und interdisziplinäre Expertise rund um das Thema Biofaktoren ist für die verschiedenen medizinischen Fachrichtungen von Bedeutung, insbesondere für Dermatologen, in deren Praxis die Bedeutung einzelner Biofaktoren für die Hautgesundheit sowie Prävention und Therapie von Erkrankungen zunehmend anerkannt wird.
„Unsere Mission ist es, Dermatologen fundierte Informationen über Biofaktoren an die Hand zu geben – damit evidenzbasierte Entscheidungen für die Hautgesundheit ihrer Patienten möglich sind“, betont Prof. Hans Georg Classen, Vorsitzender der GfB.
Die Haut reagiert sensibel auf Veränderungen im Biofaktorenhaushalt – sei es durch Mangelzustände, erhöhten Bedarf wie beispielsweise in Schwangerschaft und Stillzeit, im Alter oder bei einer gestörten Verwertung. Verschiedene dermatologische Krankheitsbilder stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Versorgung bestimmter Biofaktoren. Entzündliche Hauterkrankungen zum Beispiel, wie Akne, atopische Dermatitis oder Psoriasis, gehen mit vermehrtem oxidativem Stress und immunologischen Dysbalancen einher. Biofaktoren mit antioxidativen und immunmodulierenden Eigenschaften können hier unterstützend wirken. Gleichzeitig tragen sie wesentlich zur Hautbarrierefunktion, Kollagensynthese und Wundheilung bei.
Die GfB verfolgt das Ziel, diese Zusammenhänge stärker ins Bewusstsein zu rücken und praxisnahe Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Wichtig: Es geht nicht darum, pauschal möglichst viele Vitamine und Mineralstoffe zu geben, quasi nach dem Gießkannenprinzip. Vielmehr zählt die gezielte Auswahl der Biofaktoren – basierend auf wissenschaftlicher Evidenz, Labordiagnostik und dem individuellen Bedarf der Patienten. Dafür wird Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen gebündelt, um dermatologische Fragestellungen im größeren medizinischen Kontext zu betrachten. Themen wie Stoffwechsel, Immunfunktion, Hormone oder psychosomatische Faktoren fließen dabei in die Betrachtung ein – Aspekte, die direkt oder indirekt die Hautgesundheit beeinflussen. Dieses Fachwissen gilt es praxisnah zu vermitteln – über Publikationen, Online-Symposien und interaktive Fortbildungen. Hier erhalten Therapeuten eine fundierte Orientierung in der evidenzbasierten Mikronährstoffmedizin.
| Biofaktor | Bekannte Wirkungen | Einsatzbereiche / Relevanz |
| Vitamin D | Beteiligt an der Regulation des Immunsystems und der Zellproliferation; kann entzündliche Prozesse modulieren. | Relevant bei Psoriasis, atopischer Dermatitis, Akne, chronischen Wundheilungsstörungen und seborrhoischer Dermatitis. |
| Magnesium | Wichtig für Zellstoffwechsel, Enzymfunktionen und Hautbarriere; kann Hautspannung und Trockenheit positiv beeinflussen. | Relevant bei stressinduzierten Hautproblemen, Entzündungen und zur Unterstützung der Wundheilung. |
| Zink | Essenziell für Wundheilung, Immunfunktion und Talgdrüsenregulation. Bei Zinkmangel kann es zu verzögerter Wundheilung, verstärkter Entzündungsneigung oder Haarausfall und Nagelstörungen kommen. | Relevant bei Akne, entzündlichen Dermatosen, gestörter Hautbarriere und seborrhoischer Dermatitis. |
| Vitamin C | Wichtiger Cofaktor der Kollagensynthese und starkes Antioxidans; unterstützt die Hautregeneration und stärkt die Hautbarriere; schützt vor oxidativem Stress, etwa durch UV-Strahlung. | Unterstützt Heilungsprozesse nach dermatologischen Eingriffen. |
| Omega-3-Fettsäuren | Wirken entzündungsmodulierend; können die Hautbarriere stabilisieren; verbessern die Lipidstruktur und können Hautrötungen reduzieren. | Relevant bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen, trockener Haut und atopischer Dermatitis. |
Praxistipp: Je nach Indikation können auch andere Biofaktoren wie B-Vitamine, Selen oder Vitamin A eine Rolle spielen, insbesondere im Kontext von Zellteilung, antioxidativem Schutz und Hauterneuerung. Auf www.gf-biofaktoren.de findet man ausführliche Informationen zu den im Beitrag benannten Biofaktoren – zur Physiologie, Pathologie, Labordiagnostik und zu Dosierungsempfehlungen bei nachgewiesenem Mangel: www.gf-biofaktoren.de
Biofaktoren gezielt einsetzen
In der dermatologischen Praxis kann die Berücksichtigung von Biofaktoren bestehende Therapien ergänzen, Nebenwirkungen reduzieren und die Hautregeneration unterstützen. Besonders bei chronischen oder multifaktoriellen Erkrankungen eröffnen sich so neue therapeutische Möglichkeiten. Wichtig ist dabei immer die individuelle Situation: Alter, Lebensstil, Begleiterkrankungen, Medikamente und genetische Faktoren beeinflussen den Bedarf und die Wirkung von Biofaktoren. „Jeder Patient ist einzigartig. Darum setzen wir auf individuelle Analysen und gezielte Empfehlungen statt auf pauschale Lösungen“, erklärt Prof. Klaus Kisters, Internist und stellvertretender Vorsitzender der GfB. Es geht daher um eine personalisierte Herangehensweise, die Labordiagnostik, ernährungsmedizinische Strategien und gezielte Supplementierung kombiniert. So lassen sich wissenschaftlich fundierte Empfehlungen praxisnah umsetzen – mit Blick auf die ganzheitlichen Bedürfnisse der Patienten. Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern.
Korrespondenzadresse
Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach
Website: www.gf-biofaktoren.de
E-Mail: daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de





