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CAR-T-Zellen in der Dermatologischen Onkologie

Reihe von Mikrofonen als Symbol fuer Expertenstimmen zu CAR-T-Zellen in der dermatologischen Onkologie

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CAR-T-Zellen in der Dermatologischen Onkologie

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mgb medizin Redaktion

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6 MIN

Erschienen in: derma aktuell

In Würzburg leitet Prof. Dr. Uğur Uslu eine translational ausgerichtete Forschungsgruppe, die ein klares Ziel verfolgt: zelluläre Immuntherapien für Hautkrebs so weiterzuentwickeln, dass aus biologischer Innovation konkrete klinische Perspektiven werden.

Für derma aktuell beschreibt er, wie sein Team die Grenzen der bisherigen Immuntherapie verschieben will und warum CAR-T-Zellen der Schlüssel zu einer neuen Ära in der Dermatoonkologie sein könnten. Wenn zugelassene Therapien an ihre Grenzen stoßen, beginnt für uns die eigentliche Herausforderung: Wie können wir Patienten mit aggressiven Hauttumoren neue, wirksame und zugleich präzise Behandlungsoptionen eröffnen? Zwar hat die Immuntherapie die Dermatoonkologie in den vergangenen Jahren grundlegend verändert, insbesondere durch die Einführung von Immuncheckpoint-Inhibitoren. Dennoch zeigt der klinische Alltag, dass ein Teil der Patienten nicht ausreichend anspricht oder im Verlauf Resistenzen entwickelt. Genau hier setzt unsere Arbeitsgruppe an der Hautklinik des Universitätsklinikums Würzburg an – an der Schnittstelle zwischen klinischem Bedarf, technologischer Innovation und dem Anspruch, neue Therapiestrategien möglichst rasch in die klinische Anwendung zu überführen.

Schematische Darstellung des klassischen Herstellungsprozesses von CAR-T-Zellen: Nach Gewinnung patienteneigener T-Zellen mittels Apherese werden diese im Labor gentechnisch mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet, vermehrt und anschließend dem Patienten reinfundiert. Die Abbildung veranschaulicht das Grundprinzip einer zellulären Immuntherapie, die auch für Hauttumoren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Abbildung modifiziert nach (1); ©Hermann UKW
Abb. 1: Schematische Darstellung des klassischen Herstellungsprozesses von CAR-T-Zellen: Nach Gewinnung patienteneigener T-Zellen mittels Apherese werden diese im Labor gentechnisch mit einem chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet, vermehrt und anschließend dem Patienten reinfundiert. Die Abbildung veranschaulicht das Grundprinzip einer zellulären Immuntherapie, die auch für Hauttumoren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Abbildung modifiziert nach (1); © Hermann UKW

Von der Idee zur personalisierten Zelltherapie

Ein besonders vielversprechender Ansatz ist die CAR-T-Zelltherapie. Dabei werden körpereigene T-Zellen so verändert, dass sie Tumorzellen gezielt erkennen und angreifen können. Bei hämatologischen Malignomen ist diese Technologie bereits zugelassene Standardtherapie und hat deren Behandlung nachhaltig verändert. Bei soliden Tumoren, darunter auch Hautkrebs, eröffnet die CAR-T-Zelltherapie ebenfalls ein besonders spannendes Feld: Sie wird bereits klinisch geprüft, ihr therapeutisches Potenzial ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft.

Unser Ziel ist klar: Wir möchten CAR-T-Zelltherapien speziell für Hauttumoren entwickeln und ihre Translation in frühe klinische Studien aktiv vorbereiten. Im Fokus stehen vor allem das fortgeschrittene Melanom und das Merkelzellkarzinom – zwei Tumorentitäten mit hoher biologischer Komplexität und weiterhin großem therapeutischem Bedarf. In unserem Labor untersuchen wir neue CAR-Konstrukte gegen tumorassoziierte Zielstrukturen und testen diese systematisch in präklinischen Modellen. Gleichzeitig arbeiten wir an Strategien, um die Aktivität und Persistenz der CAR-T-Zellen im immunsuppressiven Tumormikromilieu zu verbessern. Denn gerade solide Tumoren schaffen häufig eine Umgebung, in der Immunzellen ausgebremst werden, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können. Ein effektiver Ansatz könnte daher in der Kombination zellulärer Immuntherapien mit anderen immunonkologischen Ansätzen liegen. Uns interessiert dabei nicht nur, ob CAR-T-Zellen dadurch Tumoren besser erkennen, sondern auch, wie sie im komplexen biologischen Kontext eines Hauttumors dauerhaft funktionsfähig bleiben können. Die Zukunft wird aus unserer Sicht nicht in einer einzelnen Technologie liegen, sondern in durchdachten, biologisch begründeten Therapiekonzepten, die mehrere Mechanismen gleichzeitig adressieren.

Gemeinsam für Innovation in der Dermatoonkologie

Was unsere Forschung besonders prägt, ist die enge Verzahnung von Klinik und Labor. Als ärztlich tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erleben wir täglich, wo bestehende Therapien erfolgreich sind – und wo ihre Grenzen liegen. Diese unmittelbaren klinischen Erfahrungen fließen direkt in die Konzeption unserer Projekte ein. Umgekehrt ist es unser Anspruch, Erkenntnisse aus dem Labor nicht im Experiment enden zu lassen, sondern sie mit translationaler Konsequenz weiterzuentwickeln. Würzburg bietet hierfür ein ideales Umfeld: mit ausgewiesener Expertise in zellulären Immuntherapien, starker interdisziplinärer Vernetzung und der Perspektive, neue akademische Studien aus der eigenen Forschungslandschaft heraus zu initiieren.

Die AG Uslu mit (v.l.n.r.) Elias Pekarski (Med.-Doktorand), Dr. Max-Augustus Kleiß (Clinician Scientist), Claudia Siedel (Labormanagerin), Prof. Dr. Uğur Uslu (Arbeitsgruppenleiter), Dr. Ebrahem Hamed (Postdoktorand), Thamer Al Hamad (PhD-Doktorand), Marcel Hanika (Masterand); © Hermann Mareth/UKW
Abb. 2: Die AG Uslu mit (v.l.n.r.) Elias Pekarski (Med.-Doktorand), Dr. Max-Augustus Kleiß (Clinician Scientist), Claudia Siedel (Labormanagerin), Prof. Dr. Uğur Uslu (Arbeitsgruppenleiter), Dr. Ebrahem Hamed (Postdoktorand), Thamer Al Hamad (PhD-Doktorand), Marcel Hanika (Masterand); © Hermann Mareth/UKW

Unser langfristiges Ziel ist es, dazu beizutragen, dass innovative CAR-T-Zellstrategien künftig auch in der Dermatoonkologie einen festen Platz finden. Wenn es gelingt, den Weg von der experimentellen Forschung zur klinischen Anwendung zu verkürzen, dann bedeutet das nicht nur wissenschaftlichen Fortschritt. Es bedeutet vor allem neue Hoffnung für Patienten mit Hautkrebs.

CAR-T-Zell-Therapie: neue Perspektiven für die Dermatologie

Die adoptive Zelltherapie mittels CAR-T-Zellen gilt als Paradigmenwechsel der personalisierten Medizin. Während CAR-T-Zellen in der Hämatoonkologie bereits zugelassene Standardtherapie sind, rückt ihr Potenzial für Hauttumore zunehmend in den Fokus. In der dermatologischen Onkologie laufen erste klinische Studien insbesondere beim malignen Melanom, z. B. NCT04119024 und NCT07193966, sowie bei kutanen T-Zell-Lymphomen, z. B. NCT03602157 und NCT06534060. Am Standort Würzburg werden solche Konzepte bereits in akademischen CAR-T-Zell-IITs in der soliden und hämatologischen Onkologie klinisch umgesetzt, unter anderem mit ROR1-CAR-T-Zellen in der LION-1-Studie, EudraCT: 2022-003728-41, sowie mit SLAMF7-CAR-T-Zellen in CARAMBA-1, NCT04499339. Diese klinische Infrastruktur am Standort Würzburg bildet eine wichtige Grundlage, um neue zelltherapeutische Konzepte aus präklinischen Modellen zügig in frühe Studien zu überführen. Für solide Hauttumoren bleiben geeignete Zielantigene, Tumorinfiltration, Erhalt der T-Zell-Funktion im immunsuppressiven Tumormikromilieu, Persistenz und Sicherheit zentrale Herausforderungen. Genau an diesen Schnittstellen setzt die Würzburger Forschung an: Die AG Uslu entwickelt und prüft CAR-T-Zell-Konzepte für das Melanom und Merkelzellkarzinom in präklinischen Modellen – mit Fokus auf Zielantigenselektion, CAR-Design, Tumormikromilieu und Resistenzmechanismen. Ziel ist es, CAR-T-Zell-Strategien zu identifizieren, die Tumorzellen nicht nur erkennen, sondern im Tumorgewebe wirksam bleiben und funktionell bestehen können. Damit sollen präklinische Befunde in klinisch prüfbare Ansätze für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Hauttumoren überführt werden.

„Unser Anspruch ist es, Erkenntnisse aus dem Labor nicht im Experiment enden zu lassen, sondern in echte klinische Perspektiven für Patienten zu überführen”

Prof. Dr. med. Uğur Uslu

© Hermann Mareth/UKW
© Hermann Mareth/UKW

Prof. Dr. med. Uğur Uslu
Professor für Dermatologische Onkologie, Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Dermatologie,
Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum Würzburg
E-Mail: uslu_u@ukw.de
JMU Würzburg: https://www.uni-wuerzburg.de

Literatur: Uslu, U., & June, C. H. (2025). Beyond the blood: Expanding CAR T cell therapy to solid tumors. Nature Biotechnology, 43(4), 506–515. 10.1038/s41587-024-02446-2.

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