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Gender(n) in der Praxis, Teil 2: Praxis-Marketing

Post-it mit der Aufschrift „Gender*“ auf einem Schreibtisch, umgeben von bunten Notizzetteln und Büroartikeln.

Quelle: © Markus Mainka – stock.adobe.com

Gender(n) in der Praxis, Teil 2: Praxis-Marketing

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Allgemeine Dermatologie

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: DermaForum

In Teil 1 haben wir einfache Möglichkeiten vorgestellt, wie man auch in konservativen Umfeldern und ohne Sonderzeichen geschlechtergerecht formulieren kann. Diese Ausgabe befasst sich mit Spezial-Fragen im Praxismarketing.

Unsere Autorin erläutert zum Beispiel, wo ein Sonderzeichen hilfreich sein kann und worauf bei Formularen in der Arztpraxis zu achten ist.

Gendern bedeutet in den meisten Fällen Entgendern, also neutral und ohne Geschlechtsmarkierung zu formulieren. Manchmal passt das nicht. Dann muss sich die Praxis entscheiden: Gendern wir in „Beidnennung“ oder mit Genderstern? Was besser passt, hängt von persönlichen Vorlieben und den Zielgruppen der Praxis ab. Richtet sich eine Dermatologie an ein traditionelles Publikum, könnte der Genderstern zu Beschwerden führen. Sollen Menschen in einem hipp-progressiven Viertel erreicht werden oder möchte sich die Praxis besonders queer-offen zeigen, ist der Genderstern vermutlich die bessere Wahl.

Gendern und Barrierefreiheit

Aus der Sicht einer möglichst verständlichen und barrierefreien Sprache ist der Genderstern dem Gender-Doppelpunkt vorzuziehen. Das empfiehlt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband seit 2021. Auch bei einer Studie der Uni Graz in Kooperation mit einer Agentur für Leichte Sprache 2023 wurde der Genderstern verständlicher bewertet als der Genderdoppelpunkt. Allerdings sollte er sparsam eingesetzt werden. Bei Artikeln und Pronomen sollte auf Genderzeichen verzichtet werden. Vorsicht ist auch bei neuen und ungewohnten Partizipien geboten. Während Begriffe wie Studierende, Auszubildende oder Vorgesetzte allgemein verständlich sind, erzeugen Formen wie Arbeitnehmende eher Stirnrunzeln.

Stellenausschreibungen

Es ist auch denkbar, in der allgemeinen Kommunikation mit Patientinnen und Patienten die „Beidnennung“ zu bevorzugen, aber bei Stellenausschreibungen oder auf Social Media mit Genderstern zu formulieren. Beispiel: Wird nach einer Arzthelfer*in gesucht, ist der Genderstern nützlich. Denn so braucht es keinen Klammerzusatz. Der Genderstern gilt bereits als „alle Geschlechter und Gender einschließend“.

Wenn ein Arzt oder eine Ärztin gesucht wird, ist aus SEO-Gründen die Beidnennung zu empfehlen. Dann ist ein Klammerzusatz nötig, da eine Stellenausschreibung alle möglichen Geschlechtseinträge adressieren muss.

Der Zusatz (m/w/d) wirkt dabei weder besonders freundlich noch gut verständlich, noch ist er vollständig (kein Eintrag fehlt). Verständlicher und freundlicher ist ein Klammerzusatz wie (alle Gender).

Achtung bei Formularen

Wie nachlässig manche das Werkzeug Sprache einsetzen, zeigt sich bei vielen Formularen und der aus ihnen abgeleiteten Anrede – mit absurden Pannen wie „Hallo Divers Name“ oder „Sehr geehrte*r weiblich Name“. Divers ist ein rechtlicher Geschlechtseintrag, aber keine Anrede. Soll die Anrede abgefragt werden, passen folgende Auswahlmöglichkeiten: Frau, Herr, keine.

Mögliche Anreden im Folgeprozess sind:

Sehr geehrter Herr Nachname,
Sehr geehrte Frau Nachname,
Sehr geehrt*er Vorname Nachname,
Guten Tag, Vorname Nachname,

Soll der Geschlechtseintrag abgefragt werden, müssen alle rechtlichen Geschlechtseinträge auswählbar sein. In Deutschland sind das: männlich, weiblich, divers, kein Eintrag. In Österreich zusätzlich: inter und offen.

In der medizinischen Versorgung allerdings zählt am Ende das biologische Geschlecht. Die Gendermedizin erforscht als relativ junge Disziplin Unterschiede etwa bei Hauterkrankungen und der Wirksamkeit von Medikamenten. Und die orientieren sich an biologischen Gegebenheiten. In jedem Fall lohnt es sich, etwas genauer und differenzierter darauf zu achten, wie Geschlecht, Gender und Sprache miteinander verbunden sind.

Geschlechterstereotype in der KI

Achtung bei Geschlechtsbezeichnungen durch KI-Modelle: KI ist Mathe und berechnet Wahrscheinlichkeiten aufgrund von Mustern. Deshalb reproduziert KI Geschlechterstereotype, denn das sind Muster. Einfach darstellbar ist das mit Übersetzungsprogrammen wie Google Translate oder Deepl. Während im Deutschen mit Ärztin und Assistent klar das Geschlecht benannt wird, entfällt diese Klarheit bei der Übersetzung ins Englische. Bei der Rückübersetzung werden dann Geschlechter stereotyp zugewiesen. Das geschieht auch, wenn etwa vom Spanischen ins Deutsche übersetzt wird, da Englisch als Mittlersprache fungiert, die Übersetzung also vom Spanischen ins Englische ins Deutsche übersetzt. Es ist Aufgabe von Menschen, diese KI-Fehler zu erkennen und zu korrigieren.

Google Translate

In den Screenshots vom 16. Dezember 2025 wurde jeweils auf Google Translate und auf DeepL der Satz „Die Ärztin erklärt dem Assistenten den Ablauf in der Praxis“ ins Englische und wieder zurück übersetzt.
In den Screenshots vom 16. Dezember 2025 wurde jeweils auf Google Translate und auf DeepL der Satz „Die Ärztin erklärt dem Assistenten den Ablauf in der Praxis“ ins Englische und wieder zurück übersetzt.

DeepL

In den Screenshots vom 16. Dezember 2025 wurde jeweils auf Google Translate und auf DeepL der Satz „Die Ärztin erklärt dem Assistenten den Ablauf in der Praxis“ ins Englische und wieder zurück übersetzt.
In den Screenshots vom 16. Dezember 2025 wurde jeweils auf Google Translate und auf DeepL der Satz „Die Ärztin erklärt dem Assistenten den Ablauf in der Praxis“ ins Englische und wieder zurück übersetzt.
In den Screenshots vom 16. Dezember 2025 wurde jeweils auf Google Translate und auf DeepL der Satz „Die Ärztin erklärt dem Assistenten den Ablauf in der Praxis“ ins Englische und wieder zurück übersetzt.

Der Genderstern und die Rechtschreibung

Nach aktuellen Rechtschreibregeln ist der Genderstern weder richtig noch falsch. Er ist nicht geregelt. Der Rechtschreibrat hat den Genderstern Ende 2023 in die Gruppe der Sonderzeichen verwiesen, wozu auch Zeichen wie §,%, &, @ oder # gehören. Also Zeichen, die wir in der Schriftsprache verwenden, die aber nicht in der amtlichen Rechtschreibung geregelt werden. Gleiches gilt für die anderen Wortbinnenzeichen. Der Rechtschreibrat beobachtet weiter den Sprachgebrauch.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband. (2021, März). Empfehlung Gendern:
    https://www.dbsv.org/gendern.html
  2. Ebner, C. (2023). Leicht verständliche Sprache – gender-fair! Capito: https://www.capito.eu/genderstudie/
  3. Rat für deutsche Rechtschreibung. (o. J.). Ergänzungspassus Sonderzeichen: https://www.rechtschreibrat.com/amtliches-regelwerk-der-deutschen-rechtschreibung-ergaenzungspassus-sonderzeichen/
  4. Rat für deutsche Rechtschreibung. (2023, 15. Dezember). Geschlechtergerechte Schreibung: Erläuterungen, Begründung und Kriterien: https://www.rechtschreibrat.com/geschlechtergerechte-schreibung-erlaeuterungen-begruendung-und-kriterien-vom-15-12-2023/
  5. Lieb, S. (2023). Alle(s) Gender. Wie kommt das Geschlecht in den Kopf? Querverlag.
  6. Lieb, S. (2025, 11. September). Gendern oder nicht gendern? Antworten auf häufige Fragen. Gesprächswert: https://www.gespraechswert.de/gendern-oder-nicht-gendern-antworten/
  7. Lieb, S. (2025). Geschlechtergerechte Sprache (Kapitel 8). In D. Scholz (Hrsg.), Transidentität und geschlechtliche Vielfalt im Arbeitsumfeld. Ein Praxisbuch für Unternehmen und den öffentlichen Dienst (S. [Seitenbereich einfügen]). SpringerGabler.

Lesen Sie auch Teil 1 zum Thema Gendern: „Gendern oder nicht gendern? Das ist die falsche Frage.“

Lesetipp

Sigi Lieb

Über die Autorin

Sigi Lieb ist Diplom-Sozialwirtin und Inhaberin von „geprächswert“. Sie arbeitet als Beraterin, Trainerin und Autorin in Sachen Kommunikation und Konfliktmanagement. Ihr Schwerpunkt ist das Zusammenspiel von Einstellungen, Sprachgebrauch und dem Gelingen eines Kommunikationsprozesses, der daraus entsteht.

Website: www.gespraechswert.de

E-Mail: mail@gespraechswert.de

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