Forschende aus Bielefeld liefern einen lesenswerten „Leitfaden“ zur Implementierung, um die geschlechtersensible Medizin (Sex- and Gender-Sensitive Medicine, SGSM) in die Curricula des Medizinstudiums zu integrieren.
Erforscht wurde das Ganze hier in Deutschland: an der Universität Bielefeld, im Arbeitsbereich für Geschlechtersensible Medizin an der Medical School (OWL).
Was steckt dahinter?
Die meisten Patient:innen gehen davon aus, dass ihre Ärztin bzw. ihr Arzt daraufhin ausgebildet wurde, alle Menschen gleich zu behandeln. Doch was ist, wenn die medizinische Ausbildung selbst übersieht, wie das biologische (Sex) und das soziale Geschlecht (Gender) Krankheiten prägen? Diese Lücke greift der benannte Artikel intensiv auf und bietet erste Lösungsansätze.
Ergebnisse im Überblick
Die Autor:innen argumentieren, dass SGSM kein Nischenthema, sondern eine klinische Kernkompetenz ist. Sie weisen darauf hin, dass sich Krankheiten wie Herzinfarkte, Depressionen und Parkinson je nach Geschlecht unterschiedlich äußern, die meisten Lehrpläne jedoch nach wie vor den männlichen Körper als Standard betrachten. Vor diesem Hintergrund wird das Edu-GRAS-Framework vorgestellt – ein praxisorientiertes Stufenmodell, das Fakultäten dabei unterstützt, ihren aktuellen Stand zu evaluieren und konkrete nächste Schritte zu planen.
Auch in der Dermatologie ist dieser Ansatz hochrelevant: Geschlechtsspezifische Unterschiede – etwa bei der Hautbeschaffenheit, der Prävalenz von Autoimmundermatosen oder dem klinischen Erscheinungsbild von Melanomen – unterstreichen, wie wichtig eine geschlechtersensible Lehre für eine präzise Diagnostik und Therapie ist.
Das steckt dahinter
Die Forschenden erprobten das Modell an ihrer eigenen Einrichtung (Universität Bielefeld, Arbeitsbereich für Geschlechtersensible Medizin/Medical School OWL), analysierten vier klinische Vorlesungen und identifizierten dabei deutliche Lücken in Bezug auf Sprache, Bildmaterial und Lernziele. Sie empfehlen, dass jedes medizinische Fach, von der Pharmakologie bis zur Chirurgie, geschlechtsspezifische Inhalte direkt in die Lehre, die Prüfungen und die institutionellen Richtlinien einbetten sollte.
(sma)
Quelle: Wortmann, L., & Oertelt-Prigione, S. (2026). Implementing sex- and gender-sensitive medical teaching: Applying a structural stage model for curriculum development. Sex Gender Biomed, 1(2), 115–125. https://doi.org/10.65400/SGBM.2026.1.2.115



