Dermatologie » Infektionen » Bakterielle Infektionen

»

Hautdiphterie: Mehr als 170 Fälle in Deutschland

Frau untersucht Migranten

Hautdiphterie: Mehr als 170 Fälle in Deutschland

News

Dermatologie

Infektionen

Bakterielle Infektionen

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Seit vergangenem Sommer beobachtet das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland eine Häufung von Hautdiphtheriefällen mit Corynebacterium (C.) diphtheriae. Betroffene sind vor allem Migranten aus Afghanistan und Syrien. Gleiches gilt für andere europäische Länder, darunter auch Großbritannien und Österreich. Das geht aus einem Kongressabstract des RKI für den European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases (ECCMID) hervor, der heute in Kopenhagen endet.

Zwischen dem 1. Januar und 6. September 2022 wurden dem RKI 32 Diphtheriefälle übermittelt, berichtete das Epidemiologischen Bulletin 36/2022. 30 Fälle manifestierten sich als Hautdiphterie und zwei als respiratorische Diphtherie. Damit war die Fallzahl im vergangenen Jahr deutlich höher ist als in den Vorjahren. Seitdem sind 171 Diphtherie-Nachweise in Deutschland (Stand 12. April) gemeldet worden, die zu einem Ausbruch unter Geflüchteten gehörten, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) jüngst berichtete.

Mehrere Diphtheriefälle wurden entdeckt, nachdem zunächst ursprünglich Mpox vermutet, aber ausgeschlossen worden waren, berichtet die Arbeitsgruppe um Franziska Badenschier von der Abteilung für Infektionsepidemiologie des RKI. Eine Verzerrung bei der Entdeckung aufgrund einer häufigeren Diagnose von Hautläsionen im Frühjahr 2022 könnte dazu beigetragen haben, dass frühe Ausbruchsfälle entdeckt wurden.

Ansteckung während der Migration

Laut RKI-Abstract gab es keine Anzeichen dafür, dass sich die Häufigkeit der Diphtherie in den Hauptherkunftsländern verändert haben könnte. Vielmehr lassen die Sequenzierung des gesamten Genoms und die phylogenetische Analyse am Nationalen Konsiliarlabor für Diphtherie sowie die Analyse der Migrationsrouten darauf schließen, dass die Migranten das toxigene Corynebacterium diphtheriae weder in ihrem Heimatland noch in Deutschland erworben haben, sondern sich dazwischen während ihrer Migration entlang der Balkanroute angesteckt haben. Auf der Migrationsroute liegen unter anderem die Länder Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Slowenien.

Empfehlungen bei Diphterie-Verdacht

Aufgrund der beobachteten Häufungen möchte das RKI für die Erkrankung der Hautdiphtherie sensibilisieren. Medizinischem Personal und Mitarbeitenden im öffentlichen Gesundheitsdienst wird empfohlen bei auffälligen Hautläsionen vor Beginn einer antibiotischen Therapie eine allgemeine Erregerdiagnostik zu veranlassen. Bei klinischem Verdacht auf Hautdiphtherie sollte außerdem zeitgleich zum Hautabstrich Nasen- und Rachenabstriche abgenommen werden. Hautläsionen sollten mit einem Verband oder Pflaster abgedeckt werden und der Impfstatus überprüft und Impflücken geschlossen werden.

Quelle: univadis.de

Bilderquelle: ©pressmaster, stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person mit Kapuzenpulli hebt kraftvoll die Arme vor Sonnenaufgang als Symbol fuer Resilienz bei Stress Leistungsabfall und Hautentzuendungen

Stress, Leistungsabfall und Hautentzündungen

News

Sport ist ein starker „Schlafmacher“: Die DGSM betont zum Aktionstag „Erholsamer Schlaf“, dass regelmäßige Bewegung die Schlafqualität verbessert – und damit auch Regeneration und Leistungsfähigkeit. Schlafmangel erhöht Stress (u. a. Cortisol) und kann Entzündungsprozesse sowie chronische Dermatosen triggern. Wichtig ist das Timing: moderates Training ca. 1 h vor dem Schlafen, intensive Einheiten eher mit längerem Abstand.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Surreale Collage mit Mensch und Megafon Kopf aus dem mehrfach das Wort FAKE schallt als Symbol fuer digitale Desinformation zur Hautkrebspraevention

Hautkrebsprävention in Zeiten digitaler Desinformation

News

Hautkrebsprävention trifft Social‑Media‑Mythen: Eine Videoanalyse der ADP zeigt, wie Trends („Sonnencreme macht Krebs“, „kein Sonnenbrand = kein Schaden“, „Öle statt LSF“) im Hochsommer riskantes Verhalten fördern. Wichtig für die Praxis: evidenzbasiert, empathisch gegensteuern und den Dreiklang „Meiden, Kleiden, Cremen“ klar kommunizieren – UV‑Schutz als Alltagsroutine.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Lupe vergroessert ein Dokument mit Checkliste auf blauem Hintergrund als Symbol fuer die Evidenzpruefung von Kochsalzinjektionen bei kortikosteroidinduzierter Hautatrophie

Kochsalzinjektionen bei kortikosteroidinduzierter Hautatrophie

News

Kochsalzinjektionen könnten kortikosteroidinduzierte Hautatrophie verbessern: Eine systematische Übersicht (16 Artikel, 41 Patient:innen, 48 Läsionen) berichtet nach intraläsionalen 0,9%-NaCl‑Injektionen in 83,3 % vollständige Resolution und bei Hypopigmentierung in 90,9 % Besserung. UAW waren selten. Die Methode gilt als minimalinvasiv und günstig, die Evidenz bleibt heterogen.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen