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HPV-Impfung: Ein Eckpfeiler der Krebsprävention

HPV-Impfung mit Pflaster am Oberarm

Quelle: © kanruthai - stock.adobe.com

HPV-Impfung: Ein Eckpfeiler der Krebsprävention

Fachbeitrag

Dermatologie

Infektionen

mgb medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: derma aktuell

Humane Papillomviren (HPV) sind in Europa jedes Jahr für rund 100.000 neue Krebsfälle verantwortlich, vor allem für Gebärmutterhalskrebs (1, 2). In Deutschland werden jährlich etwa 7.850 HPV-assoziierte Krebserkrankungen diagnostiziert, die Gebärmutterhals, Oropharynx, Anus, Vulva, Vagina und Penis betreffen; der Gebärmutterhalskrebs macht dabei den größten Anteil aus (3).

Das humane Papillomavirus umfasst über 200 Genotypen, von denen Hochrisikotypen, insbesondere HPV16 und HPV18, für die Mehrheit der HPV-assoziierten Malignome verantwortlich sind, darunter Karzinome des Gebärmutterhalses, Anus, Vulva, der Vagina, des Penis und des Oropharynx. HPV16 und HPV18 zusammen sind weltweit für etwa 70% der Gebärmutterhalskarzinome verantwortlich, während HPV für etwa 90% der Gebärmutterhals- und Analkarzinome, rund 70% der Vaginal- und Vulvakarzinome, mehr als 60% der Peniskarzinome und 70–90% der Oropharynxkarzinome verantwortlich ist. Zusätzliche onkogene Typen (31, 33, 45, 52 und 58) tragen ebenfalls zur Karzinogenese bei (4, 5, 6, 7).

Klinische Manifestationen

Aus klinischer Sicht, die für die Primärversorgung relevant ist, präsentiert sich eine genitale HPV-Infektion am häufigsten als:

  • Anogenitale Warzen, unter Einbeziehung der vulvären, vaginalen, zervikalen, penilen, skrotalen und perianalen Regionen. Diese Läsionen sind typischerweise multipel, papulös, flach oder filiform, mit hyperkeratotischem Aspekt auf keratinisierter Haut oder mazeriertem Erscheinungsbild auf Schleimhautoberflächen. Sie sind häufig asymptomatisch, können aber Juckreiz oder Beschwerden verursachen.
  • Präkanzeröse Läsionen, zusammengefasst unter anogenitaler intraepithelialer Neoplasie
  • Anogenital- und Gebärmutterhalskrebs. Eine persistierende Infektion mit Hochrisiko-HPV-Typen kann zu intraepithelialer Neoplasie führen, die in ein invasives Karzinom übergehen kann.

Oropharynxkarzinome infolge einer persistierenden Hochrisiko-HPV-Infektion werden zunehmend bei jüngeren Patienten beobachtet und stellen inzwischen einen wichtigen ätiologischen Faktor dar, unabhängig von traditionellen Risiken wie Tabak- und Alkoholkonsum (8).

Verfügbare Impfstoffe und Herausforderungen bei der Durchimpfung

Es stehen 4 HPV-Impfstoffe zur Verfügung: Cervarix (HPV 18, 16), Gardasil 4 (6, 11, 16, 18) und Gardasil 9 (6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58).

Trotz der Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe bleibt die HPV-Impfquote unzureichend. In Deutschland hatten im Jahr 2021 nur 54% der 15-jährigen Mädchen und 27% der 15-jährigen Jungen die HPV-Impfung abgeschlossen, womit Deutschland zu den EU-/EWR-Ländern mit vergleichsweise niedriger HPV-Impfquote gehört (9, 10).

Der erste HPV-Impfstoff wurde 2006 in der Europäischen Union zugelassen, in Deutschland wird er seit 2007 empfohlen (11).

Impfempfehlungen und Umsetzung

Die aktuellen Leitlinien empfehlen die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9–14 Jahren, idealerweise vor Beginn der sexuellen Aktivität. Eine Nachholimpfung wird in Deutschland ebenfalls bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen (12, 13, 14).

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) wird die HPV-Impfung für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9–14 Jahren empfohlen. Im Jahr 2018 wurde die Empfehlung auf Jungen ausgeweitet (geschlechtsneutrale Empfehlung). Empfohlen wird ein Zwei-Dosen-Schema mit einem Intervall von mindestens 5 Monaten zwischen den Dosen (13, 14, 15).

Für Jugendliche im Alter von 15–17 Jahren wird eine Nachholimpfung im Drei-Dosen-Schema empfohlen. Über das 17. Lebensjahr hinaus besteht keine allgemeine STIKO-Empfehlung, die Impfung kann jedoch nach individueller ärztlicher Beratung weiterhin durchgeführt werden (12, 15).

In Deutschland erfolgt die HPV-Impfung vor allem über niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, insbesondere Kinderärztinnen und Kinderärzte. Das Fehlen organisierter schulbasierter Impfprogramme und systematischer Erinnerungssysteme wurde jedoch als wesentlicher Faktor für die vergleichsweise niedrige HPV-Impfquote identifiziert (16, 17).

Länder mit schulbasierten Impfprogrammen erreichen deutlich höhere Impfquoten, was ein mögliches Modell für Verbesserungen nahelegt (18, 19).

Wirksamkeit und Auswirkungen in der Praxis

HPV-Impfstoffe sind hochwirksam, insbesondere wenn sie in jüngerem Alter vor dem ersten sexuellen Kontakt verabreicht werden. Studien haben eine Reduktion HPV-assoziierter Erkrankungen um bis zu 90%, deutliche Rückgänge bei Gebärmutterhalskrebs und präkanzerösen zervikalen Läsionen sowie starke Herdimmunitätseffekte in hoch durchgeimpften Populationen gezeigt (20, 21, 22, 23).

Australien steht kurz davor, das erste Land zu werden, das die Eliminierung des Gebärmutterhalskrebses erreicht, da dort eine umfassende HPV-Impfung, eine HPV-basierte Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung und eine hochwertige Behandlung präkanzeröser Läsionen vollständig umgesetzt wurden (24, 25, 26). Mehrere Studien haben substanzielle Verbesserungen der gesundheitlichen Ergebnisse dokumentiert: Die Prävalenz impfstoffzielgerichteter HPV-Infektionen bei jungen Frauen ist um etwa 90% gesunken, einschließlich Rückgängen bei ungeimpften Frauen aufgrund von Herdimmunität; die Prävalenz anogenitaler Warzen ist bei Frauen und heterosexuellen Männern deutlich zurückgegangen; hochgradige zervikale Präkanzerosen (CIN2/3) sind bei Frauen im Alter von 20–24 Jahren um etwa 41% zurückgegangen; und auch die Rate exzisioneller Behandlungen wegen zervikaler Auffälligkeiten hat bei jungen Frauen abgenommen (27, 28, 29, 30).

Sicherheitsprofil und Schlussfolgerung

Da Sicherheit ein wichtiger Aspekt ist, haben HPV-Impfstoffe ein ausgezeichnetes Sicherheitsprofil gezeigt. Die meisten unerwünschten Ereignisse sind mild und lokal begrenzt, etwa Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Injektionsstelle (31, 32). Schwere unerwünschte Ereignisse sind äußerst selten, und groß angelegte epidemiologische Studien sowie systematische Übersichtsarbeiten haben keinen Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und autoimmunen, neurologischen oder anderen chronischen Erkrankungen gefunden (33, 34, 35).

HPV-Impfstoffe gehören weiterhin zu den wirksamsten Instrumenten der Infektionsprävention in der modernen Medizin; fortlaufende Evidenz bestätigt ihre langfristige Wirksamkeit unter Realbedingungen.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Carmen Salavastru
Carol Davila University of Medicine and Pharmacy
Colentina Clinical Hospital
Bukarest, Rumänien
Website: https://umfcd.ro

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