Dermatologie » Autoimmunerkrankungen » Weitere Autoimmunerkrankungen

»

Rheumamedikamente könnten vor Autoimmun­erkrankungen der Schilddrüse schützen

Rheumamedikamente könnten vor Autoimmun­erkrankungen der Schilddrüse schützen

Aktuelles

Dermatologie

Autoimmunerkrankungen

Weitere Autoimmunerkrankungen

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Patienten mit rheumatoider Arthritis, die mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten, insbe­sondere mit TNF-Hemmern, behandelt werden, haben ein niedrigeres Risiko, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zu entwickeln. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie im Journal of Inter­nal Medicine (2023; DOI: 10.1111/joim.13743) heraus.

Die Schilddrüse ist von allen Organen am häufigsten von Autoimmunerkrankungen betroffen. Etwa 5 % der Bevölkerung erkranken im Verlauf des Lebens an einer Hashimoto-Thyreoiditis, einem Morbus Basedow oder anderen Erkrankungen, die zur Zerstörung der Schilddrüse führen. Die Diagnose wird meistens erst gestellt, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist. Eine krankheitsmodifizierende Behandlung wie bei der rheumatoiden Arthritis gibt es nicht.

Dort werden die Patienten nach der Diagnose frühzeitig mit Medikamenten behandelt, die eine Zerstörung der Gelenke verhindern sollen. Die Erstbehandlung erfolgt heute mit Methotrexat. Wenn sie nicht zum Ziel führt, erhalten die Patienten häufig zusätzlich ein Biologikum. Meist sind dies Antikörper, die durch Hemmung des Tumornekrosefaktors (TNF) Entzündungsprozesse in der Synovia der Gelenke gezielt stoppen.

Die frühzeitige Behandlung mit diesen „Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs“ (DMARD) hat zu einem deutlichen Rückgang der Patienten geführt, deren Gelenke wegen einer völligen Zerstörung ausgetauscht oder versteift werden müssen.

Die antientzündlichen Medikamente wirken nicht nur in den Gelenken, und es ist denkbar, dass Autoimmun­erkrankungen auch in anderen Organen, etwa in der Schilddrüse aufgehalten werden. Dies könnte Patienten mit beginnender Hashimoto-Thyreoiditis oder beginnendem Morbus Basedow vor einer Zerstörung der Schilddrüse bewahren.

Kristin Waldenlind vom Karolinska Institut in Stockholm hat diese Hypothese durch die Nachbeobachtung von 13.731 Patienten mit rheumatoider Arthritis überprüft, deren Daten sie aus einem landesweiten Patien­ten­register entnahm. Jedem Rheumapatienten ordnete sie fünf Personen gleichen Alters und Geschlechts aus derselben Region zu, die nicht an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt waren.

Ergebnis: Entgegen früherer Annahmen, nach denen Rheumapatienten häufiger eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse entwickeln (weil es für beide Krankheiten dieselben genetischen Prädispositionen gibt), war das Erkrankungsrisiko leicht vermindert. Waldenlind ermittelt eine Hazard Ratio von 0,81, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,72 bis 0,91 signifikant war. Dies könnte darauf hinweisen, dass die DMARD, die heute die meisten Patienten erhalten, einen gewissen Schutz vermitteln.

Dafür spricht eine Hazard Ratio von 0,54 (0,39-0,76) bei den Patienten, die mit Biologika behandelt wurden. Diese Rheumapatienten erkrankten demnach zu 46 % seltener an einer Autoimmunerkrankung der Schild­drüse. Unter den einzelnen Gruppen von Biologika war nur für die TNF-Hemmer eine signifikante Schutzwir­kung mit einer Hazard Ratio von 0,67 (0,47-0,96) nachweisbar, was laut Waldenlind aber daran liegen könnte, dass die anderen Mittel relativ selten eingesetzt wurden.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass Waldenlind keine genauen Informationen zu den Schild­drüsenerkrankungen zur Verfügung stand. Sie verwendetet die Verordnung von L-Thyroxin als Hinweis, was etwas vage ist, da das Präparat auch für andere Schilddrüsenerkrankungen verwendet wird. Zu den Stärken der Studie gehört die hohe Fallzahl und eine Nachbeobachtungszeit von bis zu 14 Jahren. 

Quelle: rme/aerzteblatt.de

Bilderquelle: © magicmine, stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aufgebrachter Mann packt einen Arzt am Kittel in der Praxis, symbolisch fuer eskalierende Patientensituationen

Tatort Praxis: Die Kontrolle behalten, wenn Patienten eskalieren

Fachbeitrag

Angriffe auf Menschen, die dem Gemeinwohl dienen, etwa Polizisten und Rettungskräfte, werden strafrechtlich stärker geahndet. Diesen besonderen Schutz sollen künftig auch Praxisteams erhalten. Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke erklärt, was Praxisteams tun können, um Eskalationen vorzubeugen und richtig zu reagieren.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Nahaufnahme von zwei geroeteten trockenen Haenden ueber einem Waschbecken

CHE: Multifaktorielle Pathologie und diagnostische Präzision

Aus der Industrie

Wie Dr. Katharina Kreutzer (Bielefeld) berichtete, fordert das chronische Handekzem Dermatologen durch hohe Krankheitslast und Schmerzen heraus. Als eigenständige Entität verlangt es gezielte Therapien, um die Lebensqualität Betroffener massiv zu verbessern. Was bedeutet das für die Praxis?

Dermatologie

Entzündliche Dermatosen

Ekzem und Urtikaria

Beitrag lesen
Hand haelt Lupe ueber weisse Spardose vor hellblauem Hintergrund als Symbol fuer Schnittstelle von Oekonomie und Medizin auf der DERM Alpin

Ökonomie trifft Medizin auf der DERM Alpin

Kongress

Im Zentrum der Tagung DERM Alpin in Salzburg (16.-18.10.26) stehen hochkarätige, praxisorientierte Fortbildungsangebote, die medizinische Innovationen gezielt mit ökonomischen Aspekten verknüpfen. Was erwartet uns im Bereich Praxismanagement?

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen