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Tattoo und Melanom: Neue Daten widerlegen Risiko-Hypothese

Kunstvoll tätowierter Rücken mit detaillierten Motiven wie Rosen und Flügeln.

Tattoo und Melanom: Neue Daten widerlegen Risiko-Hypothese

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mgb medizin Redaktion

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In einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie aus Utah wurde der Zusammenhang zwischen Tätowierungen und Melanomrisiko untersucht. Die Ergebnisse widerlegen die bisherige Annahme eines erhöhten Risikos: Personen mit mehreren Tattoo-Sitzungen oder großen Tattoos hatten ein geringeres Melanomrisiko als Nicht-Tätowierte. Die Autoren sehen Erklärungsbedarf und fordern weitere Forschung.

Eine neue US-amerikanische Studie, veröffentlicht im JNCI und basierend auf Daten aus Utah, stellt die bisherige Hypothese infrage, dass Tätowierungen das Risiko für Hautkrebs erhöhen. Tätowierfarben enthalten zwar potenziell krebserregende Substanzen und lösen immunologische Reaktionen aus, doch der Zusammenhang mit dem Melanomrisiko war bislang ungeklärt.
Im Rahmen einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie wurden 1.167 Melanomfälle (davon 566 in situ, 601 invasiv) und 5.835 Kontrollen untersucht. Die Teilnehmenden wurden zu Anzahl und Größe der Tattoos sowie zum Alter bei der ersten Tätowierung befragt. Die statistische Analyse erfolgte unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Bildung, Raucherstatus, körperlicher Aktivität und BMI.

Das zentrale Ergebnis: Das generelle Vorhandensein einer Tätowierung war nicht mit einem erhöhten Melanomrisiko verbunden (OR = 0,92; 95% KI: 0,74–1,13). Besonders bemerkenswert: Personen mit vier oder mehr Tattoo-Sitzungen hatten ein deutlich vermindertes Risiko (OR = 0,44; 95% KI: 0,27–0,67), ebenso wie Menschen mit drei oder mehr großen Tattoos (OR = 0,26; 95% KI: 0,10–0,54). Wer sein erstes Tattoo vor dem 20. Lebensjahr erhielt, zeigte ebenfalls ein geringeres Risiko für invasive Melanome (OR = 0,48; 95% KI: 0,29–0,82).

Interessanterweise war das Risiko bei nur einer Tattoo-Sitzung sogar leicht erhöht (OR = 1,53; 95% KI: 1,16–2,00), was die Autoren als möglichen Hinweis auf Überdiagnosen interpretieren – etwa durch verstärkte Selbstbeobachtung der Haut bei frisch Tätowierten.

Die Studie diskutiert verschiedene mögliche Erklärungsansätze: Immunologische Effekte durch das Tattoo, UV-Schutz durch großflächige Pigmentierung oder unterschiedliche Sonnenexpositions- und Schutzverhalten bei Tätowierten. Gleichzeitig weisen die Autor:innen darauf hin, dass wichtige Risikofaktoren wie Sonnenexposition, Solariumnutzung und familiäre Melanomgeschichte bei den Kontrollen nicht vollständig erfasst wurden, sodass ein Einfluss durch unbekannte Störfaktoren nicht ausgeschlossen werden kann.

Fazit: Die neuen Daten widerlegen die bisherige Annahme eines erhöhten Melanomrisikos durch Tätowierungen. Vielmehr zeigen sie, dass bei hoher Tattoo-Exposition das Risiko sogar niedriger ist. Die Autor:innen fordern weitere Studien, um die Ursachen dieser Zusammenhänge zu klären.

Quelle: https://academic.oup.com/jnci/advance-article/doi/10.1093/jnci/djaf235/8239343?login=false

Bildquelle: © annebel146 – stock.adobe.com

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