Dermatologie » Tumoren und Präkanzerosen » Nicht-melanotischer Hautkrebs

»

Weißer Hautkrebs: Laien unterschätzen Risiken und Symptome

Arzt untersucht die Hand eines Patienten während einer Beratung in einer hellen Praxis.

Weißer Hautkrebs: Laien unterschätzen Risiken und Symptome

News

Dermatologie

Tumoren und Präkanzerosen

Nicht-melanotischer Hautkrebs

mgo medizin

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Laut einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus 2025 ist das Bewusstsein für Keratinozytenkarzinome (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom) bei Laien weiterhin lückenhaft. Die meisten Menschen kennen typische Warnzeichen und Risikofaktoren kaum und unterschätzen die Gefährlichkeit des „weißen Hautkrebses“. Die Autoren fordern gezielte Aufklärungskampagnen und Präventionsmaßnahmen.

Weiße Hautkrebsarten – Basalzellkarzinom (BCC) und Plattenepithelkarzinom (SCC) – sind die häufigsten malignen Tumoren der Haut weltweit. Ihre Inzidenz nimmt durch die alternde Bevölkerung und veränderte Freizeitgewohnheiten stetig zu. Trotz der hohen Fallzahlen bleibt das öffentliche Bewusstsein für diese Tumoren gering, wie eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Brokmeier et al. (Healthcare, 2025) zeigt.

Die Autor:innen analysierten insgesamt 32 Publikationen mit über 25.000 befragten Laien aus Europa, Nordamerika und Australien. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur rund 40% der Befragten konnten überhaupt eine Form von Hautkrebs benennen, und weniger als ein Drittel erkannte typische Warnzeichen wie nicht heilende Wunden, knotige, schuppende oder blutende Hautveränderungen. Besonders gravierend: Viele verwechselten die Symptome von BCC und SCC mit harmlosen Hautirritationen oder Allergien.

Auch bei den Risikofaktoren herrscht große Unkenntnis. UV-Exposition – der wichtigste modifizierbare Risikofaktor – wurde nur von knapp der Hälfte der Befragten genannt. Heller Hauttyp, höheres Alter, Immunsuppression und genetische Prädisposition sind noch weniger bekannt. Die Risikowahrnehmung ist häufig verzerrt: Während das maligne Melanom als gefährlich gilt, werden Keratinozytenkarzinome oft als „weniger schlimm“ oder „leicht behandelbar“ eingestuft. Dabei können gerade SCCs metastasieren und zu schweren Komplikationen führen.

Die Studie zeigt zudem, dass Präventionsmaßnahmen wie Sonnenschutz, Meidung von Solarien und regelmäßige Hautkontrollen selten konsequent umgesetzt werden. Besonders jüngere Menschen und solche ohne persönlichen Kontakt zu Hautkrebsbetroffenen zeigen ein geringes Problembewusstsein. Die Autor:innen identifizieren hier einen klaren Ansatzpunkt für die dermatologische Praxis: Aufklärung muss frühzeitig und zielgruppenspezifisch erfolgen, zum Beispiel im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen, Informationskampagnen oder Schulprojekten.

Für Dermatolog:innen ergeben sich daraus konkrete Empfehlungen:
• Patient:innen aktiv über die Risiken und Warnzeichen von BCC und SCC informieren.
• Die Unterschiede zu anderen Hauterkrankungen klar herausstellen.
• Praktische Hinweise zu Selbstuntersuchung und Sonnenschutz geben.
• Bei Risikopatient:innen (z.B. Immunsuppression, heller Hauttyp) gezielt sensibilisieren und regelmäßige Kontrollen anbieten.

Die Autor:innen fordern zudem, dass Gesundheitskampagnen und Medienberichte den „weißen Hautkrebs“ stärker in den Fokus rücken sollten, um das Wissen und die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Nur so kann eine frühzeitige Diagnose und damit eine bessere Prognose für die Betroffenen erreicht werden.

Fazit:
Die Metaanalyse macht deutlich, dass die Lücke zwischen medizinischem Wissen und öffentlicher Wahrnehmung bei Keratinozytenkarzinomen weiterhin groß ist. Dermatolog:innen spielen eine Schlüsselrolle, um diese Lücke zu schließen und die Prävention sowie Früherkennung nachhaltig zu verbessern.

Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12346732/

Bildquelle: © LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person mit Kapuzenpulli hebt kraftvoll die Arme vor Sonnenaufgang als Symbol fuer Resilienz bei Stress Leistungsabfall und Hautentzuendungen

Stress, Leistungsabfall und Hautentzündungen

News

Sport ist ein starker „Schlafmacher“: Die DGSM betont zum Aktionstag „Erholsamer Schlaf“, dass regelmäßige Bewegung die Schlafqualität verbessert – und damit auch Regeneration und Leistungsfähigkeit. Schlafmangel erhöht Stress (u. a. Cortisol) und kann Entzündungsprozesse sowie chronische Dermatosen triggern. Wichtig ist das Timing: moderates Training ca. 1 h vor dem Schlafen, intensive Einheiten eher mit längerem Abstand.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Surreale Collage mit Mensch und Megafon Kopf aus dem mehrfach das Wort FAKE schallt als Symbol fuer digitale Desinformation zur Hautkrebspraevention

Hautkrebsprävention in Zeiten digitaler Desinformation

News

Hautkrebsprävention trifft Social‑Media‑Mythen: Eine Videoanalyse der ADP zeigt, wie Trends („Sonnencreme macht Krebs“, „kein Sonnenbrand = kein Schaden“, „Öle statt LSF“) im Hochsommer riskantes Verhalten fördern. Wichtig für die Praxis: evidenzbasiert, empathisch gegensteuern und den Dreiklang „Meiden, Kleiden, Cremen“ klar kommunizieren – UV‑Schutz als Alltagsroutine.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Prävention und Vorsorge

Beitrag lesen
Lupe vergroessert ein Dokument mit Checkliste auf blauem Hintergrund als Symbol fuer die Evidenzpruefung von Kochsalzinjektionen bei kortikosteroidinduzierter Hautatrophie

Kochsalzinjektionen bei kortikosteroidinduzierter Hautatrophie

News

Kochsalzinjektionen könnten kortikosteroidinduzierte Hautatrophie verbessern: Eine systematische Übersicht (16 Artikel, 41 Patient:innen, 48 Läsionen) berichtet nach intraläsionalen 0,9%-NaCl‑Injektionen in 83,3 % vollständige Resolution und bei Hypopigmentierung in 90,9 % Besserung. UAW waren selten. Die Methode gilt als minimalinvasiv und günstig, die Evidenz bleibt heterogen.

Dermatologie

Allgemeine Dermatologie

Versorgung, Forschung und Leitlinien

Beitrag lesen