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Zwischen Wissensgewinn und „Morbus Google“?

Frau lugt aengstlich ueber Schreibtischrand auf Computermonitor als Symbol fuer Morbus Google und Cyberchondri

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Zwischen Wissensgewinn und „Morbus Google“?

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Erschienen in: DermaForum

Die Online-Recherche zu Symptomen ist für 91 Prozent der Menschen Alltag. Während sie in Vorbereitung auf einen Arzttermin die Gesundheitskompetenz des Einzelnen fördern kann, birgt eine übertriebene Online-Eigendiagnose auch Risiken, z. B. für die Entstehung einer Cyberchondrie.  

Das Internet ist für fast alle Bürgerinnen und Bürger eine zentrale Informationsquelle in Gesundheitsfragen. Laut einer forsa-Umfrage im Auftrag der KKH haben 91 Prozent der Befragten bereits online nach Krankheiten oder Symptomen gesucht. Dabei nutzen 77 Prozent klassische Suchmaschinen, während bereits 38 Prozent auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen.  

Teils problematische Motive für die digitale Suche

Ein Drittel der 16- bis 70-Jährigen forscht im Netz, um einen Arztbesuch zu vermeiden – etwa wegen voller Praxen oder langer Wartezeiten. Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit eines Gesundheitssystems, in dem Fachärztinnen und Fachärzte wieder die nötige Zeit finden, sich umfassend und individuell um ihre Patientinnen und Patienten zu kümmern. Wenn medizinisches Handeln zunehmend durch Suchmaschinen ersetzt wird, droht zudem eine gefährliche Verlagerung von Fachkompetenzen: Die fundierte ärztliche Diagnose darf nicht durch laienhafte Selbstinterpretation digitaler Inhalte verdrängt werden.

Positiv bewertet KKH-Psychologin Isabelle Wenck die Recherche zur Vorbereitung auf ein Fachgespräch: Rund 53 Prozent informieren sich vorab, um mit Ärztinnen und Ärzten auf Augenhöhe zu kommunizieren. Dies könne die Gesundheitskompetenz stärken, sofern die genutzten Online-Informationen seriös und aktuell sind.  

Risiken der Informationsflut

Die digitale Suche birgt jedoch Gefahren. Jeder siebte Befragte (15 Prozent) fühlt sich durch die Ergebnisse verunsichert. Bei unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen stoßen Laien neben harmlosen Ursachen schnell auf beängstigende Diagnosen wie Hirntumore.  

Besonders für Menschen mit bestehenden Ängsten wirkt die Onlinesuche oft als „Brandbeschleuniger“. Es kann eine Cyberchondrie (auch „Morbus Google“) entstehen – eine zwanghafte Sucht nach Internetdiagnosen. Betroffene überdramatisieren Symptome und stellen dramatische Eigendiagnosen, was die Lebensqualität massiv einschränkt. In schweren Fällen meiden sie Arztpraxen aus Furcht vor einer Bestätigung ihrer Sorgen.  

Das Hauptproblem liege in der fehlenden fachlichen Einordnung durch medizinische Laien. Ähnliche Symptome können viele verschiedene Ursachen haben. Zudem ersetzt kein Algorithmus klinische Untersuchungen wie Bluttests. „Nur Expertinnen und Experten können die Vielzahl an Ergebnissen fachgerecht deuten und richtig einordnen“, betont Wenck.   Wer sich z. B. in Vorbereitung auf seinen Arztbesuch vorab im Netz über Symptomatiken und Behandlungsmöglichkeiten informieren will, sollte u. a. auf das Impressum der jeweiligen Internetseiten achten. Stammen die Informationen von seriösen Absendern, etwa einem wissenschaftlichen Institut, oder aus fragwürdigen Quellen wie Anbietern mit kommerziellen Interessen? Außerdem: Jeder Krankheitsverlauf ist anders. „Der Austausch mit anderen Nutzerinnen und Nutzern kann hilfreich sein, man sollte aber nie von Krankheitsschilderungen und -verläufen anderer auf sich selbst schließen“, betont Isabelle Wenck.

Redaktion (sma)

Quelle: KKH-Pressemeldung, 22.01.2026

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