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Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom: PMOS statt PCOS

Illustration mit den Buchstaben P M O S und stilisiertem Uterus als Symbol fuer das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom PMOS statt PCOS

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Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom: PMOS statt PCOS

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Erschienen in: gyne

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt jetzt polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Die Umbenennung basiert auf 14 Jahren internationaler Forschung unter Leitung der Monash University. Der alte Name führte zu Missverständnissen, verzögerten Diagnosen und unzureichender Behandlung. PMOS betrifft weltweit 170 Millionen Frauen und ist durch hormonelle Schwankungen mit Auswirkungen auf Stoffwechsel, Gewicht, psychische Gesundheit und Fortpflanzung gekennzeichnet. Der neue Name soll bis 2028 vollständig implementiert werden.

Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom

Die Arbeit eines globalen Forschungsteam unter Leitung der Monash University hat zur Namensänderung einer bedeutenden endokrinen Erkrankung geführt, von der weltweit mehr als 170 Millionen Frauen betroffen sind. Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) heißt jetzt Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS).

PMOS ist durch hormonelle Schwankungen gekennzeichnet und wirkt sich auf Gewicht, Stoffwechsel, psychische Gesundheit, Haut und Fortpflanzungssystem aus. Der alte Name reduzierte die komplexe, langfristige hormonelle Störung auf ein Missverständnis über Zysten und fokussierte einseitig auf die Eierstöcke. Dies führte zu verzögerten Diagnosen und unzureichender Behandlung.

14 Jahre internationale Zusammenarbeit

Professorin Helena Teede, Direktorin des Monash Centre for Health Research & Implementation und Endokrinologin am Monash Health, leitete den Prozess der Namensänderung. Sie erforscht die Erkrankung seit Jahrzehnten und erlebte die Auswirkungen auf Patientinnen aus erster Hand.

„Wir wissen heute, dass es tatsächlich keine Zunahme abnormaler Zysten am Eierstock gibt und die vielfältigen Merkmale der Erkrankung oft nicht erkannt wurden. Es war herzzerreißend, die verzögerte Diagnose, das begrenzte Bewusstsein und die unzureichende Versorgung der Betroffenen zu sehen.”


Prof. Helena Teede, Monash Centre for Health Research & Implementation

Der Prozess der Namensänderung, der im Fachjournal The Lancet veröffentlicht wurde, dauerte 14 Jahre. Professorin Teede arbeitete dabei mit Professorin Terhi Piltonen von der Oulu University und dem Oulu University Hospital in Finnland, Anuja Dokras aus den USA und Rachel Morman von Verity (PCOS UK) zusammen. Insgesamt waren an der Aktualisierung der Namensgebung 56 Patientinnen- und Fachorganisationen beteiligt.

Prinzipien der Namensgebung für das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom

Die patientinnenzentrierte Initiative umfasste mehr als 22.000 Umfrageantworten und mehrere internationale Workshops mit Patientinnen und multidisziplinären Fachkräften. Die Prinzipien für den neuen Namen wurden durch globale Delphi-Umfragen und Workshops. Die nachfolgenden Kriterien mussten für den neuen Namen erfüllt werden:

  • Unterstützung klinischer Versorgung und Forschung (Diagnose erleichtern, Awareness schaffen, Versorgung verbessern, themenbezogene Forschung ankurbeln)
  • Wissenschaftliche und medizinische Genauigkeit: Der Name muss die endokrine und metabolische Pathophysiologie widerspiegeln
  • Klarheit und Kommunikation: Die Terminologie soll für alle Beteiligten verständlich sein
  • Vermeidung von Stigmatisierung (kein direkter Bezug zu Reproduktion oder Fertilität)
  • Kulturelle und sprachliche Angemessenheit (Name muss in verschiedenen kulturellen und regionalen Kontexten akzeptabel sein)
  • Umsetzbarkeit (Name muss einen praktischen Übergang in klinischen, Forschungs- und politischen Umgebungen ermöglichen)

Die dreijährige Übergangsphase von PCOS zu PMOS wird durch eine internationale Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne unterstützt. Der neue Name wird vollständig in die internationale Leitlinien-Aktualisierung 2028 implementiert.

Deutsche Fachgesellschaften unterstützen Namenswechsel

In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßen die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische und adoleszente Endokrinologie und Diabetologie (DGPAED) die Umbenennung. Der neue Begriff soll deutlich machen, dass PMOS nicht nur Zyklus und Kinderwunsch betrifft, sondern eine hormonelle und stoffwechselbezogene Erkrankung mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

„Stoffwechsel und weiblicher Zyklus lassen sich nicht getrennt betrachten. Sie beeinflussen sich gegenseitig: Diabetes, Gewicht und Insulinresistenz können den Zyklus verändern, zugleich muss die Diabetologie hormonelle Rhythmen stärker berücksichtigen. PMOS ist deshalb kein reines Zyklus- oder Fruchtbarkeitsthema, sondern ein oft übersehenes kardiometabolisches Risiko von Frauen.”


Professorin Dr. med. Susanne Reger-Tan, Universität Bielefeld

Die Diagnoselücke ist groß: Bis zu 70 Prozent der Betroffenen bleiben in Deutschland unerkannt. Der neue Name könne nun dabei helfen, früher hinzusehen und die Erkrankung nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt, so Reger-Tan.

Eine neue Leitlinie greift die Nomenklatur bereits auf. Sie macht deutlich: PMOS sollte nicht allein gynäkologisch betrachtet werden. Wichtig ist eine Betreuung, die Hormonmedizin, Diabetologie und Gynäkologie zusammenführt. Bei Frauen mit polyendokrinem metabolischem Ovarialsyndrom sollte der Glukosestoffwechsel überprüft werden. Umgekehrt sollten Frauen vor den Wechseljahren mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes bei Zyklusstörungen, Akne, Haarausfall oder vermehrter Körperbehaarung gezielt auf PMOS untersucht werden.

Quellen:

  1. Pressemitteilung der Monash University vom 13.05.2026: Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome: New name to improve diagnosis and care of condition affecting 170 million women worldwide
  2. Teede HJ, Khomami MB, Morman R et al. Polyendocrine metabolic ovarian syndrome, the new name for polycystic ovary syndrome: a multistep global consensus process. Lancet 2026; 407: 2329–2339
  3. Pressemittteilung der DDG vom 26.06.2026: Aus PCOS wird PMOS: warum Zyklusstörungen auch ein Stoffwechselrisiko anzeigen können

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