Die DGIM rät älteren und chronisch kranken Menschen, vor der Erkältungszeit ihren Impfstatus überprüfen zu lassen, denn die Grippeimpfung schützt nicht nur vor schweren Infektionen, sondern kann auch das Risiko für erneute Herzinfarkte senken.
Vor Beginn der Erkältungszeit rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) älteren und chronisch kranken Menschen, ihren Impfstatus überprüfen zu lassen. Die Grippeimpfung kann Infektionen verhindern und schwere Krankheitsverläufe vermeiden. Eine Influenza kommt oft plötzlich mit hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl und kann den gesamten Körper belasten. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat die Impfung zudem einen positiven Zusatzeffekt: Eine randomisierte Studie zeigt, dass sie das Risiko für erneute Herzinfarkte und Todesfälle deutlich senkt [1]. Die DGIM empfiehlt, den Impfpass zum nächsten Arzttermin mitzubringen und Impflücken gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt zu schließen.
Mehr als eine Erkältung
Oft beginnt es innerhalb weniger Stunden: Plötzlich steigen Fieber und Krankheitsgefühl, Kopf und Glieder schmerzen. Dahinter kann eine Influenza stecken, eine akute, durch Viren verursachte Erkrankung der Atemwege. Anders als eine normale Erkältung kann sie den gesamten Körper stark belasten.
Besonders gefährdet sind Menschen im höheren Alter oder mit chronischen Erkrankungen. Die Virusinfektion löst Entzündungsreaktionen aus, die Herz, Lunge und Kreislauf zusätzlich beanspruchen und bestehende Erkrankungen innerer Organe verschärfen können [2].
„Gerade für ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen ist es daher wichtig, sich durch Impfungen zu schützen“, sagt Prof. Dr. med. Ursula Müller-Werdan, Vorsitzende der DGIM. „Impfungen sind ein fester Bestandteil guter internistischer Vorsorge.“ Müller-Werdan ist Direktorin der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Influenzaimpfung als Herzschutz
Die Grippeschutzimpfung wirkt auch auf das Herz-Kreislauf-System. In der randomisierten, placebokontrollierten IAMI-Studie (Influenza Vaccination After Myocardial Infarction) erhielten Patientinnen und Patienten kurz nach einem Herzinfarkt oder mit einer schweren Erkrankung der Herzkranzgefäße entweder eine Influenzaimpfung oder ein Placebo [1].
Das Ergebnis: Innerhalb eines Jahres kam es in der Impfgruppe seltener zu Todesfällen, erneuten Herzinfarkten oder Gefäßverschlüssen am eingesetzten Stent. Das relative Sterberisiko war um 41 % geringer.
„Die Grippeimpfung ist für Menschen nach einem Herzinfarkt nicht nur Infektionsschutz, sondern neben den etablierten Therapien ein wichtiger Baustein, um weiteren Herz-Kreislauf-Ereignissen vorzubeugen“.
Prof. Dr. med. Georg Ertl
Internist und Kardiologe aus Würzburg sowie Generalsekretär der DGIM
Große Lücken im Impfschutz älterer Menschen
Die Impfquoten in Deutschland bleiben niedrig. Nach Daten des Robert Koch-Instituts waren in der Saison 2024/2025 nur 34 % der Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft [3]. Als Gründe nennt die Forschung ein geringes Risikobewusstsein und Vorbehalte gegenüber Impfungen.
Ärztinnen und Ärzte können hier einen wichtigen Beitrag leisten. „Viele Patientinnen und Patienten entscheiden sich für eine Impfung, wenn Ärztinnen und Ärzte ihnen verständlich erklären, warum dieser Schutz mit Blick auf ihre Vorerkrankung wichtig ist“, so Ertl. „Deshalb gehört das Thema der Impfungen in jede internistische Behandlung: in die hausärztliche Praxis, die fachärztliche Sprechstunde und in den Entlassbrief nach einem Krankenhausaufenthalt.“
Welche Impfungen jetzt geprüft werden sollten
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Influenzaimpfung unter anderem für:
- Menschen ab 60 Jahren
- Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen
- Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel
- medizinisches Personal
Ob darüber hinaus Impfungen gegen Pneumokokken, COVID-19, Herpes zoster oder das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sinnvoll sind, hängt unter anderem vom Alter, von Vorerkrankungen, der Stärke des Immunsystems und dem persönlichen Erkrankungsrisiko ab.
Tipps für den nächsten Arztbesuch
- Impfpass mitbringen: So lassen sich fehlende Impfungen schnell erkennen.
- Impflücken ansprechen: Fragen Sie gezielt nach, welche Impfungen für Sie infrage kommen.
- Regelmäßig prüfen: Ärztinnen und Ärzte sollten den Impfstatus in regelmäßigen Abständen kontrollieren, fehlende Impfungen empfehlen und möglichst direkt anbieten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer persönlichen Impfsituation wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Referenzen:
- Fröbert O, Götberg M, Erlinge D, et al. Clinical impact of influenza vaccination after ST- and non-ST-segment elevation myocardial infarction – insights from the IAMI trial. Am Heart J, 2023; 255: 82–89. https://doi.org/10.1016/j.ahj.2022.10.005
- Laufs U, Blankenberg S, Schunkert H, Thiele H, Frey N, Baldus S. Prävention und Vorsorge in der Kardiologie. Die Innere Medizin, 2026. https://doi.org/10.1007/s00108-026-02067-8
- Badenschier F, Feig M, Rau C. Impfquoten in Deutschland. Epidemiologisches Bulletin 50/2025. Robert Koch-Institut, 11. Dezember 2025. https://doi.org/10.25646/13589.2
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Oktober 2026





