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Molekularer Schalter für Behandlung nach Herzinfarkt entdeckt

Prof. Dr. Dr. Thomas Thum hält im Labor ein Herzschnitt-Analysegerät in den Händen und forscht an einer neuen RNA-Therapie nach Herzinfarkt an lebenden Herzschnitten.

Quelle: © Karin Kaiser/MHH

Molekularer Schalter für Behandlung nach Herzinfarkt entdeckt

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Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

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Erschienen in: herzmedizin

Ein Forschungsteam aus Hannover hat eine zirkuläre RNA identifiziert, die Entzündungen und Vernarbung des Herzmuskels nach einem Herzinfarkt steuert – und damit einen völlig neuen Therapieansatz eröffnen könnte.

Wenn das Herz nach dem Infarkt kämpft

Mehr als 300.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt. Der Herzmuskel wird dabei nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, ein Teil des Gewebes stirbt ab und vernarbt. Anders als die Leber kann sich das Herz eines erwachsenen Menschen kaum selbst regenerieren – dennoch ist es in der Lage, begrenzte Reparaturvorgänge in Gang zu setzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Makrophagen, sogenannte Riesenfresszellen des angeborenen Immunsystems, die abgestorbenes Gewebe beseitigen und Heilungsprozesse einleiten. Doch dieselben Immunzellen können auch chronische Entzündungen und Herzinsuffizienz begünstigen.

Molekularer Schalter mit zwei Seiten

Entscheidend ist die sogenannte Polarisierung der Makrophagen: Je nach Zustand wirken sie entweder entzündungsfördernd (M1) oder entzündungshemmend und gewebereparierend (M2). Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Dr. Thomas Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat nun einen wichtigen molekularen Schalter dieses Prozesses entdeckt. Die Ergebnisse wurden im renommierten European Heart Journal veröffentlicht.

circHIPK2: Die entscheidende zirkuläre RNA

Im Mittelpunkt der Studie steht circHIPK2, eine neuartige zirkuläre RNA (circRNA), die nach einem Herzinfarkt in entzündlichen M1-Makrophagen verstärkt auftritt. Zirkuläre RNAs gehören zu den nicht codierenden RNAs und produzieren keine Proteine – sie regulieren stattdessen Prozesse innerhalb der Zellen. Da sie besonders stabil und im Laufe der Evolution weitgehend unverändert geblieben sind, gelten sie als ideale Zielstrukturen für neue Medikamente
„Wir haben circHIPK2 als einen wichtigen Regulator der Makrophagen-Polarisierung nach einem Herzinfarkt identifiziert”, erklärt Professor Thum. „Als molekularer Schalter fördert circHIPK2 die Bildung sogenannter Stressgranula in den Makrophagen.” Die Folge ist eine Entzündungskaskade, die zur Vernarbung des Herzmuskelgewebes und damit zur Herzinsuffizienz führen kann.

Ausschaltung von circHIPK2 verbessert die Herzleistung

Die Forschenden testeten ihre Erkenntnisse in verschiedenen Systemen, darunter auch direkt in menschlichem Herzgewebe. Mithilfe von Herz-Ultraschall und Positronen-Emissions-Tomografie (PET) bewerteten sie die Herzfunktion nach gezielter Hemmung von circHIPK2. Das Ergebnis war eindeutig: „Die gezielte Ausschaltung von circHIPK2 in Makrophagen reduzierte die Entzündungsreaktionen, bremste die Vernarbung des Herzmuskels und verbesserte die Herzleistung deutlich”, so Professor Thum.

„Lebende Herzschnitte” als einzigartige Testplattform

Besonders innovativ ist die Methode der sogenannten lebenden Herzschnitte. Dabei werden Gewebeproben aus nicht mehr funktionierenden, transplantierten Herzen entnommen und in Nährlösung am Leben erhalten – die Scheiben schlagen dort noch viele Tage bis Wochen weiter. In diesem menschlichen Gewebe testeten die Forschenden Makrophagen, die aus genetisch umprogrammierten Stammzellen (induzierten pluripotenten Stammzellen, IPSC) gewonnen und bei denen circHIPK2 deaktiviert worden war.

„Diese einzigartige Plattform ermöglichte es uns, die molekularen Erkenntnisse in einen klinisch bedeutsamen Zusammenhang zu übertragen – und zu zeigen, dass die Stilllegung von circHIPK2 die Heilung des Herzens fördert und entzündliche Schäden reduziert”, betont Professor Thum.

Ein neuer Weg in der Herztherapie

Die Ergebnisse eröffnen einen vielversprechenden neuen therapeutischen Ansatz: Gezielte RNA-basierte Therapien, die direkt an Immunzellen wie Makrophagen ansetzen, könnten künftig die Behandlung von Herzinfarkt und Herzinsuffizienz grundlegend verändern. Die Studie entstand in enger Kooperation mehrerer MHH-Kliniken und -Institute, darunter die Kliniken für Kardiologie und Angiologie, Nuklearmedizin sowie das Zentrum für Translationale Regenerative Medizin.

Originalpublikation: Jung M et al. Eur Heart J 2026 Feb 11:ehaf1116

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

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