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Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren als unterschätztes Risiko

Person hält sich mit Schmerzen die Brust – Herzinsuffizienz durch Umweltbelastungen wie Feinstaub, Lärm und Hitze

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Herzinsuffizienz: Umweltfaktoren als unterschätztes Risiko

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Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: herzmedizin

Feinstaub, Lärm, Hitze und toxische Metalle – Umweltbelastungen beeinflussen Entstehung und Verlauf einer Herzinsuffizienz stärker als bisher angenommen. Eine internationale Übersichtsstudie der Universitätsmedizin Mainz fordert ein Umdenken in Prävention und Versorgung.

Weltweit leiden mehr als 64 Millionen Menschen an Herzinsuffizienz, allein in Deutschland sind es über vier Millionen Betroffene. Trotz moderner Therapien bleibt die Prognose ernst: Etwa die Hälfte der Erkrankten verstirbt innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose. Umso bedeutsamer ist die Prävention – und die muss künftig deutlich breiter gedacht werden als bisher.

Das Exposom: Die Summe aller Umwelteinflüsse

Forschende der Universitätsmedizin Mainz haben gemeinsam mit einer internationalen Forschungsgruppe – darunter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Harvard Medical School, der Yale School of Medicine und der Columbia University – eine systematische Übersichtsstudie durchgeführt. Im Fokus stand das sogenannte Exposom: die Gesamtheit aller Umwelt- und Lebensbedingungen, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist.

Das Ergebnis ist eindeutig: Externe Umweltfaktoren haben maßgeblichen Einfluss darauf, ob eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie verläuft. Die Studie „The environmental exposome in heart failure risk and progression“ wurde in Nature Reviews Cardiology veröffentlicht.

Feinstaub, Lärm, Hitze – gefährliche Kombination

Die Forschungsgruppe wertete zahlreiche Studien zum Einfluss einzelner Umweltbelastungen auf Herzinsuffizienz aus. Dazu zählen:

  • Luftverschmutzung durch Feinstaub
  • Verkehrs- und Fluglärm
  • Extreme Temperaturen – insbesondere Hitze
  • Künstliches Licht in der Nacht
  • Toxische Metalle wie Blei und Cadmium

Entscheidend ist dabei nicht das isolierte Auftreten einzelner Faktoren, sondern deren gleichzeitige, langfristige und oft bereits in frühen Lebensphasen einsetzende Wirkung. „Die kontinuierliche Interaktion des Menschen mit den Einflussfaktoren seiner Umwelt führt zu einer erheblichen kumulativen Belastung auf Bevölkerungsebene“, erklärt Dr. Omar Hahad, Wissenschaftler am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Erstautor der Studie.

Soziale Ungleichheit verstärkt das Risiko

Das Expositionsrisiko ist ungleich verteilt: Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status leben häufiger in Gebieten mit schlechter Luftqualität, höherer Lärmbelastung und geringem Zugang zu Grünflächen. Gleichzeitig haben sie oft eingeschränkten Zugang zu Präventions- und Therapiemaßnahmen – mit der Folge einer erhöhten Mortalität. Umweltbelastungen verstärken damit bestehende soziale Ungleichheiten im Gesundheitsbereich erheblich.

Prävention neu denken

Die Autorinnen und Autoren der Studie plädieren für einen ganzheitlicheren Ansatz in der Prävention und Versorgung von Herzinsuffizienz. Neben den bekannten individuellen Risikofaktoren – wie Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel – müssen demnach auch politische und gesellschaftliche Maßnahmen stärker in den Blick genommen werden: Schutz der Luftqualität, Lärmreduktion und Hitzeschutz sind keine rein umweltpolitischen Themen mehr, sondern explizit kardiovaskuläre Präventionsmaßnahmen.

Originalpublikation: Hahad O, Wass S, Rajagopalan S et al.: The environmental exposome in heart failure risk and progression. Nat Rev Cardiol 2026

Quelle: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

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