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Aktualisierte S3-Leitlinie für Brustkrebs bringt Fortschritt

Notizbuch mit der Aufschrift „Clinical Guidelines“, Stethoskop, Brille und Medikamentenpackung – Symbolbild für medizinische Leitlinien und Therapieempfehlungen

Quelle: © Andrii – stock.adobe.com

Aktualisierte S3-Leitlinie für Brustkrebs bringt Fortschritt

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Die neue S3-Leitlinie für Brustkrebs bietet mehr Präzision und setzt auf personalisierte Behandlungswege. Innovative Medikamente, individuell zugeschnittene Therapien und schonendere operative Maßnahmen verbessern die Versorgung. Auch Beratung und Versorgung spezifischer Patient*innengruppen werden gestärkt und neue Empfehlungen zu Screening und Diagnostik eingeführt.
Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich rund 74.000 Menschen an dieser Tumorart. Etwa ein Prozent der Neuerkrankungen betrifft Männer. Da die Tumore, auch dank der Früherkennungsangebote, häufig in frühen Stadien erkannt werden, haben die meisten Patient*innen eine gute Prognose. Auch Verbesserungen in der Versorgung haben dazu geführt, dass die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist.Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom trägt dazu bei, die Versorgung der Patient*innen weiterhin zu verbessern, indem sie auf gezieltere Behandlungswege, schonendere Verfahren und ein breites Spektrum neuer, innovativer Medikamente verweist.

Screening und genetische Beratung weiterentwickelt

Etwa 30 Prozent aller Brustkrebserkrankten in Deutschland weisen eine familiäre Belastung auf und erfüllen die Einschlusskriterien für eine genetische Untersuchung. Für diese Patient*innengruppe gibt es in der Leitlinie neue Kriterien für genetische Tests und angepasste Beratungs- und Therapiepfade.

Weniger ist manchmal mehr: Deeskalation operativer Maßnahmen

Neu in der Leitlinie ist, dass für bestimmte Patient*innengruppen auf die Sentinel-Lymphknotenbiopsie (Sentinel-Node-Biopsie, SLNE) verzichtet werden soll. „Die Methode erfolgte bislang als Routineeingriff beim Mammakarzinom“, so Professor Achim Wöckel, Universitätsklinikum Würzburg. Gemeinsam mit Professorin Ute-Susann Albert, ebenfalls vom Universitätsklinikum Würzburg und Professor Wolfgang Janni, Universitätsklinikum Ulm, koordiniert er die Aktualisierung der Leitlinie. „Mit der Methode wird überprüft, ob sich Zellen des Tumors im lokal angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. Studien zeigen aber, dass sie bei bestimmten Tumor-Eigenschaften keinen Vorteil bringt.“

Auch die Notwendigkeit axillärer Lymphknotenentfernung – die etwa zu Lymphödemen und Bewegungseinschränkungen im Arm führen kann – wurde neu bewertet: In der Adjuvanz soll bei ausschließlicher Mikrometastasierung auf eine weitere gezielte Therapie der Lymphabflussgebiete verzichtet werden. Wie bereits bei brusterhaltender Therapie bekannt, sollte nun auch bei Patient*innen mit Mastektomie und anschließender Bestrahlung bei pT1-pT3/cN0-Tumoren und einem oder zwei positiven Sentinel-Lymphknoten auf eine Axilladissektion verzichtet werden.

„Das ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung unnötiger operativer Eingriffe – ganz im Sinne der Deeskalation bei niedrigem Risiko“, sagt Wöckel.

Mehr Präzision dank molekularer Marker

Neu aufgenommen wurde die Empfehlung, im Rahmen der Diagnostik eine ganze Reihe von Biomarkern zu bestimmen. Darüber hinaus wurde in der Leitlinie eine umfangreiche Bewertung neuer medikamentöser Therapien vorgenommen.
Basierend auf den im Rahmen der Diagnostik bestimmten Tumormarkern können die Therapien gezielt für das jeweilige molekulargenetische Profil des Tumors gewählt werden – etwa mit CDK4/6-Inhibitoren beim HR-positiven, HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom, oder PARP-Inhibitoren bei BRCA1/2-Mutationen. Auch die Therapiewahl im metastasierten Stadium richtet sich künftig konsequenter nach molekulargenetischem Profil: HER2-low, PIK3CA-mutiert, BRCA-defizient – für all diese Subgruppen gibt es neue, auf das Tumorprofil zugeschnittene, Therapiepfade, die in der aktualisierten Leitlinie aufgeführt sind.

„Die neue S3-Leitlinie bringt eine klarere Ausrichtung auf personalisierte Behandlungsstrategien, reduziert überflüssige Eingriffe und integriert gezielt neue Wirkstoffe für definierte Patient*innengruppen“, so Wöckel. „Darüber hinaus haben wir ganze Themenbereiche aufgenommen, die es bislang noch nicht in der Leitlinie gab: Brustkrebs bei Transpersonen, Brustrekonstruktion und Brustkrebs bei speziellen Tumorentitäten. Nun gibt es auch für diese Fragestellungen in der Behandlung des Mammakarzinoms eine evidenzbasierte Orientierungshilfe.“

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Krebsgesellschaft e. V.


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