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Antikörper-Wirkstoff-Konjugate boomen

Symbolbild Antikörper-Wirkstoff-Konjugat

Quelle: © Love Employee – stock.adobe.com

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate boomen

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) sollen tumortoxische Wirkstoffe zum Tumor navigieren, damit sie dort gezielt ihre Wirkung entfalten können. In die ADCs werden große Hoffnungen gesetzt. ABER: Wichtige Fragen müssen noch geklärt werden.

Die Idee ist nicht neu: Seit langem wurde daran gearbeitet, zytotoxische Wirkstoffe mit einem Vehikel zum Tumor zu transportieren, um so gesundes Gewebe zu schonen. Die Idee geht zurück auf den Medizin-Nobelpreisträger Paul Ehrlich, daran wurde bei der ASCO-Session “Advancing Antibody-Drug Conjugates: From Bispecific Innovation to First-Line Therapy” erinnert. Aber erst jetzt – rund 100 Jahre später – wird diese Idee zur Realität.

Einsatz first line wird bereits erprobt

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) enthalten einen Antikörper, der Oberflächenepitope des Tumors erkennt und ansteuert. An der Antikörper ist – per Linker – ein zytotoxischen Wirkstoff angekoppelt, der laut Konzept erst nach Kontakt mit dem Tumor freigesetzt wird und dann vor Ort selektiv seine zerstörerische Wirkung entfaltet. Die angestrebte zielgenaue Freisetzung der toxischen Fracht (Payload) eröffnet theoretisch die Möglichkeit, hochtoxische Wirkstoffe einzusetzen und so die Antitumor-Wirksamkeit zu steigern, ohne dass es zu gravierenden Schäden am gesunden Gewebe kommt.

Die Entwicklung auf dem Gebiet der ADCs boomt und es wird spekuliert, dass die innovativen Medikamente die herkömmliche Chemotherapie auf kurz oder lang ersetzen könnten. Die Anwendung als first-line-Therapie bzw. in kurativen Settings wird aktuell bereits erprobt. Aber – so betonte Charirman Giuseppe Curigliano, Mailand – die berechtigte Euphorie angesichts positiver Studiendaten sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viele Fragen offen sind. Potenzial und Stellenwert dieser innovativen Medikamente müssen erst noch auf eine solide Evidenzbasis gestellt werden. Hunderte von klinischen Studien sind derzeit unterwegs oder befinden sich in Planung.

ADCs sind nicht ohne!

Die Tatsche, dass ADCs entwickelt wurden, um eine Schädigung gesunder Gewebe zu vermeiden, bedeutet nicht etwa, dass diese Medikamente kaum durch Nebenwirkungen belastet sind. ADCs besitzen eine nicht zu unterschätzende Toxizität. Unter anderem hämatologische, neurologische und okuläre Nebenwirkungen sind ein Problem. Ein Grund für diese Nebenwirkungen kann eine Instabilität des Linkers sein, die zu einer vorzeitigen Freisetzung des Wirkstoffs führt. Aber auch andere Mechanismus können den off-target-Effekten zugrundliegen. Die Erforschung ADC-typischer Toxizitäten und die Entwicklung eines geeigneten Nebenwirkungsmanagements sind eine noch anstehende wichtige Aufgabe, bevor sich ADCs auf breiter Front werden etablieren können.

ASCO 2026 Session: Advancing Antibody-Drug Conjugates: From Bispecific Innovation to First-Line Therapy

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