Immer mehr Krebspatient*innen im reproduktiven Alter überleben ihre Erkrankung, doch viele müssen danach mit Infertilität rechnen. Bei der DGHO-Jahrestagung stellte Dr. Uzair Mukhamedaliev von der Universitätsmedizin Mainz den aktuellen Stand zu Infertilitätsrisiken und Methoden des Fertilitätserhalts vor.
Nach seinen Angaben ist die Infertilität bei Krebspatient*innen überwiegend therapiebedingt. Besonders hoch ist das Risiko bei alkylierenden Substanzen wie Cyclophosphamid, Procarbazin und Busulfan, die in über 80 Prozent der Fälle mit Infertilität assoziiert sind. Antimetabolite und Anthrazykline gehen mit einem niedrigeren Risiko einher (unter 20 %). Auch das bestrahlte Feld bei einer Strahlentherapie und das Alter der Patient*innen zum Behandlungszeitpunkt spielen eine Rolle.
Als etablierte Verfahren nannte der Referent die Kryokonservierung von Gameten, Embryonen oder Gonadengewebe, bei Frauen außerdem gynäkologische Organerhaltung und chirurgischen Keimschutz während der Bestrahlung. GnRH-Agonisten können die Gonadotoxizität verringern. In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung den Fertilitätserhalt in bestimmten klinischen Situationen.
Der Vortrag betonte, dass die Beratung vor Therapiebeginn entscheidend ist und gegebenenfalls ein Therapieaufschub erwogen werden sollte. Eine frühe, interdisziplinäre Beratung sowie die Einbindung spezialisierter Zentren wurden als essenziell bewertet.
Quelle: Mukhamedaliev U. Infertility Risk and Fertility Preservation in Cancer Patients [V625]. DGHO-Jahrestagung 2026; 9.–12. Oktober. Wien, Österreich.




