Vom 11. bis 13. Juni fand im Internationalen Congress Center München (ICM) der 45. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie e. V. statt. Dafür trafen sich Vertretende verschiedener Fachdisziplinen zum Wissensaustausch zu Innovationen und aktuellen Entwicklungen rund um Brusterkrankungen, vor allem das Mammakarzinom, um Patientinnen die bestmögliche personalisierte Beratung, Behandlung und Betreuung zu gewährleisten.
Unter der Leitung vom DGS-Vorsitzenden Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Heidelberg, Kongresspräsidenten Prof. Dr. Walter Heindel, Münster, Co-Kongresspräsidentin Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Lübeck, und Kongresskoordinator Prof. Dr. Andreas Hartkopf, Tübingen, wurde ein facettenreiches Programm präsentiert, das die interdisziplinäre Vielfalt des Fachs widerspiegelte.
Neuigkeiten aus der Pathologie
Dass sich die Pathologie des Mammakarzinoms derzeit mit hoher Dynamik weiterentwickelt – insbesondere durch Fortschritte in der Molekularpathologie, digitalen Bildanalyse und translationalen Tumorforschung, machte Prof. Annette Lebeau, Hamburg, deutlich. Für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Brustkrebs ergäben sich daraus unmittelbar neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, so die Expertin.
Ein zentrales Thema sei weiterhin die präzisere molekulare Charakterisierung von HER2-veränderten Tumoren. Mit der klinischen Etablierung neuer Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) wie Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) habe die exakte Unterscheidung zwischen HER2-positiven, HER2-low- und HER2-ultralow-Tumoren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Pathologie stehe damit vor der Herausforderung, sehr geringe HER2-Expressionsniveaus reproduzierbar zu erfassen. Digitale und computergestützte Auswertungsverfahren könnten dazu beitragen, diesen Anforderungen gerecht zu werden, doch muss ihre Messvariabilität bewertet werden, um Erkenntnisse für die Forschung und die klinische Anwendung zu gewinnen.
Komplexe molekulare Subgruppen
Auch molekularpathologisch gebe es Lebau zufolge wichtige neue Erkenntnisse. Genomische Analysen zeigten zunehmend, dass Brustkrebs nicht nur durch klassische Marker wie ER, PR und HER2 definiert werde, sondern durch komplexe molekulare Subgruppen mit unterschiedlichem Therapieansprechen.
Besonders relevant seien neue Daten zu ESR1-Mutationen bei hormonrezeptorpositivem metastasiertem Mammakarzinom. Diese Mutationen gelten inzwischen als wichtiger Resistenzmechanismus gegenüber endokrinen Therapien und gewinnen durch den Einsatz neuer selektiver Östrogenrezeptor-Degrader (SERDs) therapeutische Bedeutung. Molekulare Testungen auf ESR1-Mutationen in der Liquid Biopsy würden daher zunehmend Bestandteil moderner Therapiestrategien. Darüber hinaus rücke die Analyse homologer Rekombinationsdefekte (HRD) stärker in den Fokus, so Lebau. Neben klassischen BRCA1/2-Mutationen würden weitere Defekte der DNA-Reparatur identifiziert, die ein Ansprechen auf PARP-Inhibitoren oder platinbasierte Therapien vorhersagen könnten. Die molekulare Diagnostik erweitere sich damit von einzelnen Genveränderungen hin zu komplexeren genomischen Signaturen.
Hormonrezeptor-positives metastasiertes Mammakarzinom
Dr. Manfred Welslau, Aschaffenburg, erläuterte Wissenswertes zu verschiedenen Mammakarzinom-Typen. So empfählen internationale und nationale Leitlinien beim metastasierten HR-positiven Mammakarzinom weiterhin eine endokrin-basierte Therapie, möglichst in Kombination mit Inhibitoren der Cyclin-abhängigen Kinasen (CDK4/6-Inhibitoren).
Die Patientinnen, die eine Mutation des Östrogenrezeptors (ESR1-Mutation) entwickelten, bekämen früher oder später einen Progress der Erkrankung. Die nächste Generation der selektiven Östrogenrezeptor-Degradatoren habe bereits mit dem Medikament Elacestrant eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens gezeigt. In der SERENA-6-Studie werde Camizestrant, ein vollständiger Östrogenrezeptor-Antagonist und Degradator, bereits vor dem Auftreten einer klinischen Progression unter der Erstlinientherapie bei den Frauen eingesetzt, die nachweislich eine ESR1-Mutation entwickelt hatten, so Welslau. Dies habe zu einer erheblichen Verbesserung des PFS und zu einer Verbesserung der Zeit bis zur Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt. Die Ergebnisse hinsichtlich des Überlebens stünden noch aus. Dies sei die erste Studie, die mittels flüssiger Biopsie und Nachweis einer molekularen Mutation eine zielgerichtete Therapie schon vor dem Auftreten einer klinischen Verschlechterung detektiere.
HER2-positives Mammakarzinom
Trastuzumab-Deruxtecan setzt seinen Siegeszug durch die Behandlung des HER2-positiven metastasierten Mammakarzinoms fort. In der DESTINY-Breast09-Studie konnte die Überlegenheit gegenüber dem Standardarm mit einer Chemotherapie in Kombination mit der Doppelblockade mit Trastuzumab und Pertuzumab belegt werden. Die viel diskutierte Frage, die sich Welslau zufolge letztlich daraus ergebe, sei noch die, ob die Patientinnen wirklich bis zum Progress mit der Substanz behandelt werden sollten, oder ob es nicht sinnvoller sei, bei stabiler Krankheitssituation eine Erhaltungstherapie mit der Doppelblockade zu empfehlen.
Eine Erhaltungstherapie beim triple-positiven Mammakarzinom in der metastasierten Situation in Kombination mit einem Aromataseinhibitor und Palbociclib mache auf jeden Fall Sinn, wie in der PATINA-Studie gezeigt werden konnte.
Triple-negatives Mammakarzinom
Die Gruppe der triple-negativen Mammakarzinome ist eine molekular-heterogene Gruppe von aggressiven Brustkrebserkrankungen. Die Einführung der Immunonkologie habe zu einer erheblichen Verbesserung metastasierter Tumorerkrankungen geführt, betonte Welslau. Für die Frauen, die allerdings keine Expression des PD-L1-Rezeptors auf den Brustkrebszellen hätten, habe in der ersten Linie lediglich die Chemotherapie, eventuell in Kombination mit Bevacizumab, angeboten werden können.
Sowohl das ADC Sacituzumab-Govitecan als auch Datopotamab-Deruxtecan adressierten laut Experte TROP2 auf der Zelloberfläche und agierten somit PDL-unabhängig. Beide Substanzen hätten in den entsprechenden Studien (ASCENT-04 und ASCENT-03/TROPION-Breast02) Daten für die metastasierte Behandlungssituation gezeigt, die hoffnungsvoll seien.
Frühes Mammakarzinom
Beim frühen Mammakarzinom gehe es um einen kurativen Therapieansatz, betonte Welslau. Dennoch könne eine individualisierte, an das Risikoprofil und die Biologie des Tumors angepasste Therapie die Lebensqualität verbessern, ohne dass die Wirksamkeit hinsichtlich des kurativen Ziels verloren gehe.
Die Einführung von Multi-Gentests und einer neoadjuvanten antihormonellen Therapie mit anschließender Messung des Proliferationsmarkers Ki-67 habe bei der hormonrezeptor-positiven HER2neu-negativen Erkrankung zu einer besseren Einschätzung der Prognose und zu einer zielgerichteten Entscheidung über die Intensität der notwendigen medikamentösen Therapie geführt.
Für Patientinnen mit einem HER2-neu positiven frühen Mammakarzinom, die durch die neoadjuvante Therapie nicht in eine komplette Remission gekommen seien, ergebe sich nach den Daten der DESTINY-Breast05-Studie ein Vorteil hinsichtlich des Rückfallrisikos, sodass hier der alte Standard Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) durch den neuen Standard T-DXd ersetzt würde, so Welslaus zusammenfassend.
Die Zukunft
Seinen Zukunftsaussichten zufolge rückten die neuen Substanzen in den Therapielinien nach vorne und stellen die Behandler weiterhin vor die Herausforderung des Toxizitätsmanagements ihrer Patientinnen. Neue SERDs zeigten Erfolge bei Patientinnen, die unter einer antihormonellen Therapie Mutationen des Östrogenrezeptors entwickelten.
Und: Die Chronifizierung der metastasierten Brustkrebserkrankung führten zu einer Verbesserung des Überlebens, aber auch zur Herausforderung einer kontinuierlichen qualifizierten Betreuung der Patientinnen. Beim frühen Mammakarzinom komme es Weslaus Fazit zufolge darauf an, eine maßgeschneiderte Therapie anhand des Risikoprofils anzubieten und die Patientinnen zum Durchhalten zu motivieren.
Anne Göttenauer
Aus dem Heft ärtzliches journal onkologie 04/2026





