Onkologie » Hämatoonkologie » Lymphome

»

COVID-19 und Acalabrutinib-Venetoclax: Auswirkungen auf CLL-Betroffene

COVID-19-Testproben in Laborröhrchen mit blauen Verschlüssen auf einem Labortisch

COVID-19 und Acalabrutinib-Venetoclax: Auswirkungen auf CLL-Betroffene

News

Onkologie

Hämatoonkologie

Lymphome

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Eine frühere Analyse der laufenden Phase-3-Studie AMPLIFY mit Patient*innen mit therapienaiver chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) deutete auf einen protektiven Effekt der COVID-19-Impfung zur Prävention von COVID-19-bedingten Todesfällen hin. Der Einfluss der spezifischen CLL-Therapie auf COVID-19-Infektionen und -Impfungen wurde jedoch nicht untersucht.

Eine Zwischenanalyse von AMPLIFY zeigte einen signifikanten Vorteil im progressionsfreien Überleben mit beiden Acalabrutinib-Venetoclax-Kombinationen mit fester Dauer (± Obinutuzumab; AV und AVO) gegenüber der vom Prüfarzt gewählten Kombination Fludarabin-Cyclophosphamid-Rituximab (FCR) oder Bendamustin-Rituximab (BR). Patient*innen mit TN CLL im Alter von ≥18 Jahren mit ECOG ≤2 und ohne del(17p) oder TP53-Mutation wurden im Verhältnis 1:1:1 randomisiert und erhielten AV (Acalabrutinib 100 mg oral zweimal täglich [Zyklen (C) 1–14]; Venetoclax oral einmal täglich [C3–14 mit 5-wöchiger Dosissteigerung]), AVO (AV-Dosierung wie oben, + Obinutuzumab 1000 mg intravenös C2 [Tage 1, 8 und 15] und 3–7 [Tag 1]) oder nach Wahl des Prüfarztes FCR oder BR (C1–6). Die Studienautor*innen berichten über die Inzidenz von COVID-19-Infektionen und Todesfällen (während der Behandlungsphase [frühestens 30 Tage nach der letzten Dosis oder dem Beginn der Folgetherapie] und bis zum Zeitpunkt der Zwischenanalyse [30. April 2024]), den COVID-19-Impfstatus und die COVID-19-Todesfälle nach Pandemiewellen.

Untersuchungen in den Jahren 2019 – 2021

Insgesamt wurden zwischen 2019 und 2021 867 Patient*innen randomisiert, darunter 291, 286 und 290 in den AV-, AVO- und FCR/BR-Armen. Von diesen erhielten 53,3 % (AV), 50,0 % (AVO) und 38,6 % (FCR/BR) mindestens eine COVID-19-Impfung, am häufigsten Tozinameran (Pfizer) bei 35,4 %, 31,5 % und 23,4 % der Patienten. Von den 867 randomisierten Teilnehmenden erlitten 321 während der Studie mindestens ein COVID-19-Ereignis, darunter 109 (37,5 %), 131 (45,8 %) und 81 (27,9 %) Teilnehmende in den AV-, AVO- und FCR/BR-Gruppen. Von diesen erlitten 58,7 %, 52,7 % und 12,3 % während der Behandlungsphase mindestens ein COVID-19-Ereignis. Das mediane Alter der Patient*innen mit mindestens einem COVID-19-Ereignis betrug 60 Jahre (23,1 % > 65 Jahre) gegenüber 61 Jahren (26,8 % > 65 Jahre) in der gesamten Studienpopulation. Unter den mit der Studie behandelten Patient*innen (≥ 1 Dosis erhalten) lagen COVID-19-Nebenwirkungen vom Grad ≥ 3 bei 29/291 (10,0 %), 65/284 (22,9 %) und 38/259 (14,7 %) Patient*innen in den AV-, AVO- und FCR/BR-Armen vor. COVID-19-Nebenwirkungen führten bei 2,4 % (AV), 8,1 % (AVO) und 1,2 % (FCR/BR) der Teilnehmenden zum dauerhaften Absetzen von ≥ 1 Studienbehandlung im Rahmen des Behandlungsplans; bei 13,1 %, 14,4 % und 0,4 % führten COVID-19-Nebenwirkungen zu einem Dosisentzug bei ≥ 1 Studienbehandlung im Rahmen des Behandlungsplans. Todesfälle aufgrund von COVID-19 traten während der Studie bei 10 (3,4 %), 25 (8,7 %) und 21 (7,2 %) Patienten in den AV-, AVO- und FCR/BR-Armen auf (davon 80,0 %, 60,0 % bzw. 33,3 % während der Behandlungsphase); 5/10, 9/25 bzw. 7/21 waren über 65 Jahre alt. Die Impfraten aller an COVID-19 Verstorbenen lagen bei 0 % (AV), 24,0 % (AVO) und 9,5 % (FCR/BR). Die COVID-19-Sterberaten waren während der zweiten Pandemiewelle am höchsten, mit den höchsten Raten in den AVO- und FCR/BR-Armen (Abbildung). Die meisten COVID-19-Todesfälle (69,6 %) ereigneten sich in Osteuropa.

Die Schlussfolgerung: In dieser Post-hoc-Analyse traten COVID-19-assoziierte Todesfälle am häufigsten in den AVO- und FCR/BR-Gruppen auf, gefolgt von der AV-Gruppe. Die Impfraten waren bei Patient*innen mit COVID-19-Todesfall niedriger als insgesamt. COVID-19-Todesfälle traten während der zweiten Pandemiewelle am häufigsten auf, insbesondere in den AVO- und FCR/BR-Gruppen.

Quelle: Brown JR et al.: Analysis of covid-19 infections with fixed duration acalabrutini-venetoclax combinations in treatment-naive chronic lymphocytic leukemia in the phase 3 amplify trial. Abstract release date: 05/14/25) EHA Library. Brown J. 06/14/2025; 4160649; PS1574

Bilderquelle: © Michaela Jílková – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Person mit Kopftuch steht draußen vor hellem Himmel und blickt entspannt zur Seite

Junge Erwachsene mit Krebs – 
Herausforderungen in der Palliativmedizin

Fachartikel

Die Diagnose einer unheilbaren Krebserkrankung bedeutet immer einen entscheidenden Einschnitt im Leben. Über die besonderen Belastungen und Bedürfnisse von jungen Krebspatienten haben wir mit Dr. Pia Heußner, leitende Oberärztin Psycho-Onkologie am Onkologischen Zentrum Oberland des Klinikums Garmisch-Partenkirchen und Murnau, gesprochen.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Medizinische Darstellung des menschlichen Darms mit digitalen Elementen und Arzt im Hintergrund

Expertise von interdisziplinären Tumorboards nutzen!

Fachartikel

Die Behandlungsstandards des kolorektalen Karzinoms (CRC) sind stark im Fluss, so wurde die S3-Leitlinie bereits nach wenigen Monaten erneut aktualisiert (Version 3.1, März 2026).

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Darmkrebs

Beitrag lesen
Gesunde Ernährung und Bewegung gegen das metabolische Syndrom

Ernährung und Biofaktoren bei 
tumorassoziierter Fatigue und Depression

Fachartikel

Aktuelle Daten lassen davon ausgehen, dass etwa 20 bis 40 % der Tumorpatienten bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung Zeichen einer Mangelernährung aufweisen – abhängig von Tumorentität und Stadium. Im Verlauf fortgeschrittener Erkrankungen steigt dieser Anteil deutlich an.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen