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„Ein Suizid kann häufig verhindert werden“

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Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Die Diagnose einer Krebserkrankung ist ein gravierender Einschnitt in das bisherige Leben und kann bei den betroffenen Patienten zu Zukunftsängsten, psychischer Erschöpfung und depressiven Symptomen führen.

Ein interdisziplinäres Team unter Leitung von PD Dr. Dr. Corinna Seliger-Behme, Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Regensburg hat nun in einer Analyse gezeigt, dass Suizide bei Krebspatienten fast doppelt so häufig wie in der Allgemeinbevölkerung vorkommen. Das Suizidrisiko steht dabei in engem Zusammenhang mit verschiedenen Risikofaktoren wie der Prognose der Krebserkrankung, dem Krankheitsstadium, der Zeit seit Bekanntwerden der Krebsdiagnose, dem Familienstand oder dem Wohnort.

Bis zu 3,5-fach erhöhtes Risiko

„Patientinnen und Patienten mit einer prognostisch besonders ungünstigen Krebserkrankung und solche, deren Krebsdiagnose weniger als ein Jahr zurücklag, zeigten in unserer Studie ein 3,5 bzw. 3-fach erhöhtes Suizidrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Ein auffällig hohes Suizidrisiko war zudem bei Krebspatienten in den USA im Vergleich zu europäischen Krebspatienten zu beobachten“, berichtet Seliger-Behme.

„Eine mögliche Erklärung kann in der nicht flächendeckend vorhandenen gesetzlichen Krankenversicherung in den USA gesehen werden. Eine Krebserkrankung ist für amerikanische Patienten daher besonders häufig mit hohen finanziellen Belastungen verbunden und einem erschwerten Zugang zu Hilfsangeboten wie einer psychologischen Beratung“, ergänzt Professor Dr. Dr. Michael F. Leitzmann, Universität Regensburg. Und auch der Familienstand hat Auswirkungen: Verheiratete Krebspatienten wiesen eine niedrigere Suizidsterblichkeit auf als unverheiratete alleinlebende Krebspatienten. Aus Studien ist bereits bekannt, dass verheiratet zu sein suizidpräventiv wirkt, was vermutlich darauf beruht, dass der Partner eine Stütze bei der Bewältigung einer Krebsdiagnose sein kann. Aufgrund fehlender Daten war es allerdings nicht möglich, das Suizidrisiko von Krebspatienten zu bewerten, die in einer Beziehung leben, aber nicht verheiratet sind. Die Ergebnisse der Studie lassen sich zudem nicht auf alle Länder weltweit übertragen, da für die Auswertung primär Daten aus Industrie-nationen verfügbar waren.

Zugang zu professioneller Betreuung und Nachsorge wichtig

Eine Krebserkrankung stellt immer eine Ausnahmesituation dar, die große Herausforderungen mit sich bringt. Behandlungsbedürftige psychische Belastungen können sich entwickeln, bis hin zur Suizidalität. Eine psycho-onkologische Begleitung kann Wege aufzeigen, mit Ängsten und Belastungen umzugehen, ein Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen und neue Perspektiven zu entwickeln. „Ein Suizid kann häufig verhindert werden, wenn entsprechende Gedanken offen angesprochen werden und frühzeitig eine psychoonkologische oder sogar psychotherapeutische Betreuung eingeleitet wird. Der Zugang zu professioneller psychoonkologischer Begleitung und Nachsorge sollte daher ein integraler Bestandteil jeder Krebstherapie sein“, sagt Dr. Till Johannes Bugaj, Leiter des psychoonkologischen Beratungsdienstes am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Suizidprävention bei Krebspatienten bildet die Palliativmedizin. „Viele Menschen mit Krebs sind nicht depressiv im psychiatrischen oder psychotherapeutischen Sinne, sondern haben ganz konkrete Angst vor Siechtum oder anderem schlimmem Leiden“, sagt Professor Dr. Bernd Alt-Epping, Klinik für Palliativmedizin des UKHD. „Um das zu umgehen, entwickeln manche Patienten und Patientinnen Gedanken, das Leben vorzeitig enden zu lassen.“ Diesen Gedanken setzt die Palliativmedizin breite Unterstützung und Symptomlinderung entgegen.

Ausblick

Zukünftige Studien sollen auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse die Entstehung von Angst und Depression bei Krebspatienten genauer untersuchen. Ziel ist es, daraus Strategien und Maßnahmen für die Suizidprävention abzuleiten.

idw/mls

Nach Informationen des Universitätsklinikums Heidelberg
Literatur: Heinrich M, Hofmann L, Baurecht H, Kreuzer P, Knüttel H, Leitzmann F and Seliger C. Suicide risk and mortality among patients with cancer;  Nature Medicine; 2022. DOI 10.1038/s41591-022-01745-y

Bildquelle: © David Pereiras – stock.adobe.com

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