Onkologie » Gastrointestinale Tumoren » Leberkarzinom

»

Entdeckung mit Potenzial: Wächtermolekül in Leberzellen

Fällt das Wächtermolekül aus, entstehen anstatt Leberzellen (grau) auch Muskel- (rot) oder Nervenzellen (grün).

Entdeckung mit Potenzial: Wächtermolekül in Leberzellen

Aktuelles

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Leberkarzinom

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

In der Leber gibt es ein Wächtermolekül, das hochpotente Krebstreiber ausbremsen und bösartige Lebertumore am Tiermodell zur Rückbildung bringen kann. Diese wichtige Entdeckung haben Heidelberger gemacht, die am Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), dem Hector Institut für Translationale Hirnforschung (HITBR) bzw. dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) tätig sind.

In der Regel wird die Identität von Zellen während der Embryonalentwicklung festgelegt. Sie differenzieren sich zu spezialisierten Zellen wie Nerven- oder Leberzellen, und damit ist ihr Schicksal besiegelt. Spätere Identitätswechsel sind „nicht erwünscht“ und werden als ungewollte oder abnorme Plastizität bezeichnet. Nur Stammzellen bleiben pluripotent. Und Krebszellen haben ebenfalls die Fähigkeit, sich zu verwandeln und einen neuen Phänotyp anzunehmen.

Die Reaktivierung embryonaler Programme gilt als ein wichtiger Mechanismus der Krebsentstehung. Die Fähigkeit, den Phänotyp zu wechseln, versetzt Tumorzellen unter anderem in die Lage, sich aus dem Zellverbund zu lösen und durch den Körper zu wandern. Im Zielorgan angekommen, differenzieren sich die Zellen erneut um, werden wieder sesshaft und bilden Metastasen.

Yin und Yan der Genregulation

„Es ist noch gar nicht lange her, dass man die Bedeutung der Plastizität als grundlegendes Phänomen bei Krebs erkannt hat“, erklärt der Molekularbiologe Moritz Mall vom DKFZ. Sein Team verfolgt das Ziel, die Plastizität von Krebszellen zu vermindern und so die Entstehung bzw. Ausbreitung bösartiger Tumoren zu unterbinden.

Zellen verfügen über ein ausgeklügeltes Kontrollsystem. Dabei sind laut Moritz Mall – ähnlich wie Yin und Yang – komplementäre Kräfte wirksam. Diese sorgen dafür, dass je nach Zelltyp nur bestimmte Gene angeschaltet sind, während andere auf Dauer stillgelegt werden. Auf diese Weise können sich – trotz identischem Genom – ganz unterschiedliche, hochspezialisierte Zelltypen entwickeln.

Eine zentrale Rolle spielen Masterregulatoren, die Gene anschalten, unter deren Einfluss spezialisierte Zellen ihren Typ verändern und sogar Stammzelleigenschaften erlangen können. Wenig bekannt ist dagegen bislang über die Gegenspieler, die eine ungewollte Verwandlung ausdifferenzierter Zellen verhindern. Nach solchen Wächtermolekülen fahndeten Moritz Mall und Judith Zaugg vom EMBL mit einem speziell für diesen Zweck entwickelten Computerprogramm. Die Profile von mehr als 1.000 Genschaltern hat das Forscherduo durch den Rechner geschickt, wie Judith Zaugg berichtet.

Wächter bietet potenten Krebstreibern Paroli

Die Ausbeute belief sich auf knapp 30 verschiedene Wächterkandidaten. Einer davon – PROX1 (Prospero homeobox protein 1) – war der Favorit von Mall und Zaugg. Und tatsächlich stellte sich heraus: „PROX1 ist ein sehr einflussreicher Wächter in Leberzellen. Fehlt der Wächter, verändern die Leberzellen ihren Phänotyp.“ Die Forscher waren selbst waren überrascht, wie mächtig der Einfluss von PROX1 ist: „Wir haben das Wächtermolekül an Mäusen getestet, die hochpotente Krebsmutationen in den Genen p53 und Myc aufwiesen. PROX1 war in der Lage, den Einfluss derart starker Krebstreiber auszuhebeln und trotz deren Anwesenheit die Bildung von Tumoren zu unterdrücken.“ Unklar ist, ob es in anderen Organen ähnliche Wächter gibt. Moritz Mall und Judith Zaugg sind davon überzeugt und wollen ihre erfolgreiche Forschungsallianz fortsetzen.

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums vom 13. Februar 2025

Lim B et al: Active repression of cell fate plasticity by PROX1 safeguards hepatocyte identity and prevents liver tumorigenesis. Nat Gene 2025.

Bilderquelle: © Deutsches Krebsforschungszentrum)

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustration des weiblichen Fortpflanzungssystems mit hervorgehobenen Tumorzellen, symbolisch für die Fortschritte in der Therapie des Ovarialkarzinoms.

Ovarialkarzinom: Genaktivitätsmuster verrät wer von einer Therapie profitiert

Aktuelles

Eierstockkrebs wird oft spät entdeckt und ist selten heilbar. Viele Patientinnen erhalten zusätzlich zur Chemotherapie Bevacizumab, das die Blutversorgung des Tumors blockiert – es hilft doch nicht allen und hat teils schwere Nebenwirkungen.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen
Schematische Darstellung von Uterus mit weissem und tuerkisem Band als Symbol fuer Zervixkarzinom und Leitlinien

S3-Leitlinie: neuer Therapiestandard bei metastasiertem Gebärmutterhalskrebs

Aktuelles

Aktualisiert im Leitlinienprogramm Onkologie: die S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom. Aufgrund neuer Studien wurden unter anderem die Empfehlungen zur Operation, zur Systemtherapie im fortgeschrittenen Stadium und zur Radiochemotherapie überarbeitet.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Zervixkarzinom

Beitrag lesen
Abstrakte 3D-Darstellung von metallischen Ringen, die von schwarzen Würfeln mit dünnen Drähten umgeben sind, auf dunkelblauem Hintergrund

Ionenstrahl misst sich selbst bei Krebstherapie

Aktuelles

Mixed Beams könnten die Krebstherapie präziser machen: Kohlenstoffionen zerstören den Tumor, Heliumionen durchqueren den Körper und liefern Informationen über die Anatomie. Dafür muss das Mischungsverhältnis im Strahl genau bekannt sein. Forschende der TU Wien und des MedAustron haben nun eine Methode entwickelt, die genau das misst, ohne den Strahl zu stoppen. Ein Fortschritt.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen