Der erste Deutschland-Atlas zu Humanen Papillomviren zeigt: Die Impfung dagegen ist ein hochwirksames Instrument der Krebsprävention, wird aber bisher nicht ausreichend genutzt. Nur 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der Jungen sind komplett geimpft. Sechs Strategien sollen es ändern – von einer nationalen Präventionsstrategie bis zu einem digitalen Impfregister.
HPV gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Erregern. Fast alle sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit. Meist heilt die Infektion folgenlos aus. Bleibt sie jedoch mit bestimmten Hochrisiko-Typen längere Zeit bestehen, kann Krebs entstehen. HPV verursachen Gebärmutterhalskrebs, aber auch Krebs im Mund-Rachen-Raum, am After, am Penis, an der Vulva und in der Scheide. „HPV-bedingter Krebs gehört zu den Erkrankungen, bei denen wir durch Prävention besonders viel erreichen können“, sagt Nobila Ouédraogo von der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ.
Rund 11.000 HPV-bedingte Krebsfälle pro Jahr
Für 2021 schätzt das Robert Koch-Institut rund 11.000 HPV-bedingte Krebsneuerkrankungen in Deutschland, etwa 7.600 bei Frauen und 3.000 bei Männern. Bei Frauen ist Gebärmutterhalskrebs die häufigste Form, bei Männern Mundrachenkrebs mit rund 1.900 Fällen. Die Zahl der HPV-bedingten Diagnosen bei Mund- und Rachenkrebs ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.
Die Impfung wirkt, doch die Impflücken sind groß
Die Evidenz für die HPV-Impfung ist umfassend. Studien mit mehr als 15 Jahren Nachbeobachtung zeigen, dass HPV-Infektionen, Krebsvorstufen und Gebärmutterhalskrebs bei Geimpften deutlich zurückgehen. Deutschland nutzt dieses Potenzial jedoch nur unzureichend. 2024 waren 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 36 Prozent der Jungen vollständig geimpft. Zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede von teilweise mehr als 20 Prozentpunkten. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt, während Portugal bei 15-jährigen Mädchen und Jungen Quoten von über 90 Prozent erreicht.
Der Atlas formuliert sechs Strategien für Deutschland, darunter eine bundesweite, evidenzbasierte HPV-Kommunikation, ein digitales Einladungs- und Erinnerungssystem, die Verknüpfung der Impfung mit den Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1 sowie niedrigschwellige Angebote wie schulische Impfprogramme und mobile Impfteams. Die Autor*innen empfehlen außerdem eine politisch verbindliche nationale HPV-Präventionsstrategie und ein bundesweites digitales Impfregister mit elektronischem Impfpass.
Der HPV-Atlas Deutschland 2026 wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebshilfe herausgegeben und richtet sich an Politik, Gesundheitswesen, Medien und Öffentlichkeit. Er ist Harald zur Hausens gewidmet, dessen Entdeckung des Zusammenhangs zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs die Grundlage der HPV-Impfstoffe legte und ihm 2008 den Nobelpreis für Medizin einbrachte.
Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz.) und der Deutschen Krebshilfe vom 15.10.2026





