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Geschlechtersensible Medizin rückt bei Darmkrebs in den Fokus

Person hält eine Papier-Illustration des menschlichen Darms vor den Bauch – Symbolbild für Darmkrebs und geschlechtersensible Medizin

Quelle: © Elena – stock.adobe.com

Geschlechtersensible Medizin rückt bei Darmkrebs in den Fokus

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Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Frauen und Männer erkranken an Darmkrebs unterschiedlich – Tumorlage, Diagnosezeitpunkt und Therapieverträglichkeit variieren teils erheblich. Ein neues, von der Deutschen Krebshilfe mit 306.700 Euro gefördertes Projekt am NCT/UCC Dresden geht nun den molekularen Ursachen dieser Unterschiede nach. Ziel: geschlechtersensible Therapien, die Patientinnen und Patienten gleichermaßen zugutekommen.

Rund 25.000 Frauen und 30.250 Männer erhalten in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Darmkrebs. Neben der Häufigkeit unterscheiden sich auch die Art der Erkrankung und die Nebenwirkungen der Therapie zwischen den Geschlechtern. So bekommen Frauen beispielsweise häufiger Tumoren auf der rechten Körperseite, die weniger auffällig und daher oft erst in späteren Stadien diagnostiziert werden als Tumoren auf der linken Seite. Außerdem bauen Frauen aufgrund ihres Stoffwechsels die Medikamente langsamer ab, wodurch sie beispielsweise eher an Müdigkeit, Durchfall und Übelkeit leiden als Männer. Doch welche molekularen Ursachen stecken hinter diesen klinischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern?

Darmkrebs: (K)Eine Frage des Geschlechts?

Dr. Alexander Wurm, Leiter des geförderten Forschungsprojekts CRC-EXPOSED (Exploring of Sex Disparities on the Molecular Level in Colorectal Cancer), konnte in vorangegangenen Studien bereits zeigen, dass Darmkrebszellen unterschiedliche molekulare Eigenschaften aufweisen, die das Wachstum des Tumors beeinflussen – je nachdem, ob die Zellen von einem Mann oder einer Frau stammten. Nun will sein Forschungsteam einen Schritt weitergehen: In speziellen Darmkrebsmodellen untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Gene für bestimmte Eigenschaften des Tumors wichtig sind. „Wir nutzen dafür einen Ansatz, mit dem wir einzelne Gene in den Zellen ausschalten können. Dann schauen wir uns an, ob sich die Zellen dadurch anders verhalten, als wenn das Gen aktiv ist – beispielsweise, ob die Krebszellen schneller oder langsamer wachsen. So können wir Rückschlüsse ziehen, welche Funktionen die einzelnen Gene haben“, erklärt Dr. Wurm. „Das Ziel ist, herauszufinden, ob es Gene gibt, die eben nur bei Frauen oder nur bei Männern die Eigenschaften des Tumors beeinflussen. Diese könnten als Angriffspunkte für geschlechtersensible Krebstherapien dienen.“

Der Projektleiter betont: „In medizinischen Studien und präklinischen Modellen sind Frauen häufig unterrepräsentiert. Dadurch eignen sich jedoch möglicherweise einige der in Therapiestudien geprüften Medikamente nicht gleichermaßen für beide Geschlechter. Unser Projekt soll insbesondere in Hinblick auf personalisierte Therapien bei Darmkrebs beleuchten, inwiefern dem biologischen Geschlecht in präklinischen und klinischen Studien in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden kann.“

„Mit CRC-EXPOSED fördert die Deutsche Krebshilfe ein hochrelevantes Forschungsvorhaben, das eine zentrale Frage der modernen Krebsmedizin adressiert: Wie können wir die Heilungschancen für Frauen und Männer gleichermaßen verbessern? Personalisierte Therapien können ihr volles Potenzial nur entfalten, wenn biologische Unterschiede systematisch berücksichtigt werden. Das Projekt legt dafür eine entscheidende wissenschaftliche Grundlage und trägt dazu bei, dass Fortschritte in der Darmkrebstherapie allen Patientinnen und Patienten zugutekommen – unabhängig vom Geschlecht.“

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe

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