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Glioblastom: Zwei Signalwege stärken die Immunabwehr

Arzt analysiert MRT-Aufnahmen des Gehirns auf Tablet und Röntgenfilm

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Glioblastom: Zwei Signalwege stärken die Immunabwehr

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Glioblastome zählen zu den aggressivsten Hirntumoren und entziehen sich weitgehend dem Immunsystem. Forschende der Universität Basel um Claudio Giachino haben nun herausgefunden, dass der Notch-Signalweg bestimmte Glioblastom-Subtypen empfindlicher für den Immunbotenstoff Interferon-γ macht – ein vielversprechender Ansatz für neue Therapiestrategien. Gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung.

Glioblastom: Wenn das Immunsystem versagt

Glioblastome gehören zu den aggressivsten bösartigen Hirntumoren und sprechen weder auf Standardtherapien noch auf zielgerichtete Behandlungsansätze an. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Tumoren dem Immunsystem besonders effektiv entkommen – bedingt durch eine eingeschränkte Immunzellfunktion und eine verminderte Reaktionsfähigkeit auf Interferone. Dabei ist die Interferon-Signalübertragung entscheidend für die Kontrolle des Tumorwachstums und die Auslösung einer wirksamen Antitumorimmunität. Wie Interferon-Reaktionen bei Krebs reguliert werden, ist daher eine zentrale Frage der modernen Krebsforschung.

Ein Signalweg – zwei gegensätzliche Wirkungen

Im Mittelpunkt der Arbeit von Claudio Giachinos Forschungsgruppe steht der Notch-Signalweg – ein evolutionär hochkonserviertes Zellkommunikationssystem, das in nahezu allen vielzelligen Lebewesen vorkommt. Lange galt Notch im Kontext des Glioblastoms ausschließlich als Treiber, da er Tumorzellen stammzellartige Eigenschaften verleiht und ihre Therapieresistenz erhöht. Umso überraschender war die neue Erkenntnis: „Wir erkannten, dass der Notch-Signalweg das Wachstum bestimmter Hirntumor-Subtypen hemmen – statt fördern – kann.“ Ein und derselbe Signalweg entfaltet also je nach Glioblastomtyp gegensätzliche Wirkungen.

Analysen von Glioblastom-Mausmodellen und Sequenzierungsdaten menschlicher Hirntumoren lieferten Aufschluss über die molekularen Hintergründe: Eine verminderte Notch-Aktivität führt zu gesteigerter Krebszellproliferation, verändert die Zusammensetzung des Immuninfiltrats und unterdrückt die Immunzellaktivität. Ursache dafür sind gestörte Interferon-γ-Signalantworten in den Tumorzellen, die wiederum die Rekrutierung Interferon-γ-exprimierender Immunzellen beeinträchtigen. „Es wurde deutlich, dass der Notch-Signalweg das komplexe Ökosystem verändert, in dem Glioblastomzellen wachsen“, so Giachino.

Den Tumor für das Immunsystem angreifbar machen

Die Wechselwirkung zwischen Notch- und Interferon-Signalwegen eröffnet vielversprechende therapeutische Perspektiven. Aktuelle Laborbefunde deuten darauf hin, dass eine gesteigerte Notch-Aktivität die Interferon-Reaktionen in Glioblastomzellen verstärken kann – insbesondere die Interferon-γ-abhängige Produktion von Zytokinen, die die Immunzellfunktion fördern. In einem murinen Glioblastom-Modell führte eine erhöhte Notch-Aktivität zu einer verstärkten Einwanderung von Immunzellen in den Tumor und einer reduzierten Tumorzellproliferation. Da sowohl der Notch- als auch der Interferon-Signalweg bei vielen Krebsarten eine Rolle spielen, könnten die gewonnenen Erkenntnisse weit über das Glioblastom hinaus von Bedeutung sein.

Quelle: Pressemitteilung der Wilhelm Sander Stiftung vom 11.06.2026

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