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Herausforderungen in Diagnostik, Therapie und Forschung seltener Malignitäten

Medizinische Illustration eines Urethrakarzinoms – anatomische Darstellung von Harnblase und Harnröhre mit Tumorwachstum in der Urethra

Quelle: © Anna –stock.adobe.com

Herausforderungen in Diagnostik, Therapie und Forschung seltener Malignitäten

Fachbeitrag

Onkologie

Urogenitale Tumoren

Urothel- und Blasenkarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

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Erschienen in: onkologie heute

Primäre Tumoren der Urethra stellen eine Rarität im urologisch-onkologischen Alltag dar und machen weniger als 1 % aller malignen Neoplasien des Urogenitaltraktes aus [1]. Die geringe Inzidenz spiegelt sich in der begrenzten Zahl prospektiver Studien wider und führt dazu, dass viele Fragen zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge weiterhin unbeantwortet sind. Die klinische Vielfalt, die teils unspezifische Symptomatik, sowie die Überlappung mit anderen benignen und malignen urologischen Pathologien machen die urethralen Tumoren zu einem Paradebeispiel für die Herausforderungen in der evidenzbasierten Uro-Onkologie.

Klassifikation und Tumorentitäten

Urethrale Tumoren werden grundsätzlich in primäre und sekundäre Tumoren unterteilt. Primäre urethrale Tumoren entstehen direkt aus dem Epithel der Harnröhre. Sekundäre Formen sind meist Rezidive oder Metastasen nach anderen urothelialen Tumoren, insbesondere nach radikaler Zystektomie [2]. Histologisch dominieren bei den primären Malignomen das Urothelkarzinom (bis 65 %), das Plattenepithelkarzinom (bis 22 %) und das Adenokarzinom (bis 16 %). Seltener finden sich maligne Melanome, Rhabdomyosarkome, Leiomyosarkome sowie Lymphome und Plasmazelltumoren [2]. Benigne Tumoren wie Harnröhrenkarunkel, Schleimhauthyperplasien und Condylomata acuminata treten insbesondere bei älteren Frauen bzw. im Rahmen von HPV-assoziierten Veränderungen auf. Die exakte histologische Differenzierung, insbesondere zwischen benignen und niedrigmalignen Läsionen, ist oft schwierig und erfordert eine erfahrene uropathologische Beurteilung [3, 4].

 Epidemiologie und Risikofaktoren

 Die Inzidenz urethraler Tumoren liegt in Europa bei etwa 1,3 pro Million Einwohner und Jahr; in den USA werden für Männer Inzidenzraten von 4,3 pro Million und für Frauen 1,5 pro Million genannt. Männer sind etwa drei- bis viermal häufiger betroffen als Frauen, wobei das Erkrankungsalter typischerweise über 65 Jahren liegt [5, 6].

Zu den relevanten Risikofaktoren zählen chronische Harnröhrenreizungen (z. B. durch Strikturen, Katheterismus, chronische Entzündungen), wiederholte urologische Manipulationen, Urethradivertikel bei Frauen, sowie HPV-Infektionen, insbesondere mit Hochrisikotypen 16 und 18. Der Anteil der HPV-assoziierten Urethrakarzinome variiert je nach Studie zwischen 20 und 40 % [7]. Ein Zusammenhang zwischen Urethrakarzinom und Lichen sclerosus ist insbesondere beim Mann beschrieben. Ob benigne Läsionen wie Karunkel oder Divertikel tatsächlich als Präkanzerosen gelten, ist bislang ungeklärt [2].

Symptomatik und klinische Präsentation

Das klinische Bild urethraler Tumoren ist heterogen. Häufig präsentieren sich Patienten mit unspezifischen Beschwerden des unteren Harntraktes: Dysurie, Pollakisurie, Harnstrahlabschwächung oder Harnverhalt. Schmerzen in Becken- oder Dammregion, perineale Schwellungen, Makrohämaturie, sowie ein blutiger oder eitriger Ausfluss aus der Harnröhre können Hinweise auf eine fortgeschrittene Tumorerkrankung liefern. Früherkennungsuntersuchungen existieren nicht und Zufallsbefunde sind ausgesprochen selten. Besonders bei Frauen kann ein urethraler Tumor als tastbare Raumforderung am Meatus oder im vorderen Scheidendrittel imponieren. Bei Männern treten Tumoren häufig im Bereich der bulbären oder prostatischen Urethra auf. Etwa die Hälfte der Fälle wird erst im lokal fortgeschrittenen Stadium (T3/T4) diagnostiziert, was die Prognose erheblich verschlechtert [8].

Differenzialdiagnostisch müssen entzündliche, benigne und andere maligne Erkrankungen des unteren Harntraktes abgegrenzt werden. Die Abgrenzung zwischen chronischer Urethritis, Urethradivertikel, Karunkel, benignen Tumoren und Karzinom gelingt nicht selten erst nach histopathologischer Untersuchung [8, 9].

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