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Hirntumor-Impfung: Langzeitergebnisse stimmen optimistisch

3D-Illustration eines menschlichen Kopfes im Röntgenstil mit sichtbarem Hirntumor und einer Spritze als Symbol für die Impftherapie gegen Gliome

Quelle: © Rasi - stocke.adobe.com

Hirntumor-Impfung: Langzeitergebnisse stimmen optimistisch

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Ein Peptidimpfstoff, der das Immunsystem gezielt gegen eine häufige Genmutation bei Hirntumoren aktiviert, liefert nach bis zu acht Jahren Nachbeobachtung bemerkenswerte Ergebnisse: 66 Prozent der Studienteilnehmenden leben noch. Forschende aus Heidelberg, Mannheim und Tübingen sehen darin einen vielversprechenden neuen Weg in der Krebstherapie.

Gliome sind meist unheilbare Hirntumoren, die operativ nur schwer vollständig entfernt werden können. Chemo- und Strahlentherapie sind nur begrenzt wirksam. Viele dieser Tumoren teilen jedoch eine entscheidende Gemeinsamkeit: In der Mehrzahl der Fälle tragen die Krebszellen eine identische Genmutation – einen Schreibfehler im Erbgut, der dazu führt, dass im Enzym IDH1 ein bestimmter Eiweißbaustein ausgetauscht wird. Dadurch entsteht eine neuartige Proteinstruktur, ein sogenanntes Neoepitop. Das Besondere: Es treibt einerseits das Tumorwachstum an – und wird zugleich vom Immunsystem als fremd erkannt. Damit ist es eine ideale Zielstruktur für Immuntherapien.

Forschende aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der Universitätsmedizin Mannheim, dem Universitätsklinikum Heidelberg und zahlreichen Partnerinstitutionen haben einen Peptidimpfstoff entwickelt, der das Immunsystem gezielt darauf trainiert, Tumorzellen mit dieser Mutation zu erkennen und zu bekämpfen. In der klinischen Studie der Phase 1 (NOA-16) wurde der Impfstoff an 33 Patient*innen mit neu diagnostizierten hochgradigen Astrozytomen – der häufigsten Form der Gliome – auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft. Die Teilnehmenden erhielten die Vakzine zusätzlich zur Standardtherapie aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie.

Langzeitüberleben deutlich verbessert

Die Ergebnisse nach bis zu acht Jahren Nachbeobachtung sind bemerkenswert: 66 Prozent der Studienteilnehmenden waren nach acht Jahren noch am Leben, bei 42 Prozent war die Erkrankung während des Beobachtungszeitraums nicht fortgeschritten. Bei Patient*innen, deren Tumor vollständig operativ entfernt werden konnte, lagen die Überlebensraten sogar noch deutlich höher. Zum Vergleich: In früheren Studien lag die mittlere Überlebenszeit bei aggressiven Tumorformen oft nur bei etwa 2,5 bis 5 Jahren. Erstautor Lukas Bunse, Sektionsleiter Neuroonkologie an der Universitätsmedizin Mannheim und Wissenschaftler am DKFZ, erklärt den Schlüssel zum Erfolg: „Das mutierte IDH1 ist ein wichtiger Tumortreiber. Die Mutation taucht bereits früh bei der Tumorentstehung auf und bleibt auch im Zuge der Evolution der Tumorzellen stabil.“

Immunsystem als Schlüssel zum Therapieerfolg

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der enge Zusammenhang zwischen Immunantwort und Krankheitsverlauf: Patient*innen, deren Immunsystem besonders gut auf den Impfstoff reagierte, hatten deutlich bessere Langzeitprognosen. Der Impfstoff aktiviert zwei wichtige Komponenten des Immunsystems – T-Zellen, die Tumorzellen direkt angreifen, sowie B-Zellen, die Antikörper gegen den Tumor bilden. Besonders die langanhaltende Antikörperantwort war mit einem günstigen Krankheitsverlauf verbunden. Darüber hinaus wiesen die Forschenden nach, dass durch die Impfung aktivierte Immunzellen tatsächlich in den Tumor einwandern – ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Therapie nicht nur eine Immunreaktion im Blut auslöst, sondern direkt am Tumor wirkt.

Erste Beobachtungen deuten zudem darauf hin, dass Auffrischungsimpfungen die Immunantwort auch Jahre später wieder verstärken können – ohne zusätzliche Nebenwirkungen. Im Vergleich zu anderen Immuntherapien hat der Ansatz einen entscheidenden Vorteil: Er richtet sich gegen eine gemeinsame, tumorspezifische Mutation und könnte damit als standardisierte Therapie für eine größere Patientengruppe eingesetzt werden. „Wir zeigen hier erstmals, dass eine gezielte Impfstrategie gegen eine Tumormutation langfristige Überlebensvorteile bei Hirntumoren ermöglichen könnte“, resümiert Michael Platten, Direktor der Neurologischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim und Abteilungsleiter am DKFZ. Auf Basis der gewonnenen Daten planen die Forschenden nun eine multizentrische randomisierte Phase-2-Studie, um die Wirksamkeit des Impfstoffs eindeutig zu belegen.

Originalpublikation: Lukas Bunse et al.: Final analysis of patients with newly diagnosed astrocytoma after vaccination against mutant IDH1 from the NOA16 trial; Nature Cancer 2026; https://doi.org/10.1038/s43018-026-01199-y

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz.) vom 03.07.2026

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