Onkologie » Urogenitale Tumoren » Prostatakarzinom

»

Ist die pelvine Lymphadenektomie im Zeitalter der PSMA/PET noch indiziert?

Medizinische Illustration zur Ausbreitung von Prostatakrebs und Lymphknotenmetastasen – moderne Diagnostik mit PSMA/PET und Sentinel-Lymphadenektomie

Quelle: © Axel Kock – stock.adobe.com

Ist die pelvine Lymphadenektomie im Zeitalter der PSMA/PET noch indiziert?

Fachbeitrag

Onkologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Inzwischen wird beim Prostatakarzinom (PCa) risikoadjustiert zum primären Staging die Prostataspezifisches- Membranantigen-Positronenemissionstomographie (PSMA/PET) empfohlen. Diese ist jedoch dem histologischen Nachweis eines Befalls der Lymphknoten (LK) weiterhin unterlegen, weshalb die pelvine Lymphadenektomie (LA) immer noch als Goldstandard zur Detektion von LKMetastasen im Rahmen der radikalen Prostatektomie (RP) angesehen wird. Unter Abwägung von zusätzlichem Aufwand und Morbidität des Eingriffs und noch nicht eindeutig belegtem onkologischen Nutzen wurden die Empfehlungen der Leitlinien (LL) zur LA zuletzt deutlich modifiziert. Hinzukommt, dass der Mehraufwand der pelvine LA bei der RP, der neben der eigentlichen Operation u. a. auch die histopathologische Aufarbeitung umfasst, seit 2025 in Deutschland nicht mehr gesondert vergütet wird. Ein bildgestützter gezielter Ansatz – wie ihn die komplikationsarme sentinelgesteuerte LA bietet – könnte das Dilemma lösen. Neben der hohen Sensitivität im Metastasennachweis sprechen aktuelle Daten auch für einen onkologischen Nutzen des Verfahrens, das sich gut in die minimalinvasive robotische Operationstechnik integrieren lässt

Aktualisierung der Leitlinienempfehlungen zur LA beim PCa

Ein präzises LK-Staging hat beim PCa nicht nur prognostische, sondern auch therapeutische Konsequenz. Je nach Vorhandensein und Ausdehnung der lymphogenen Metastasierung kann die adjuvante Therapie optimal angepasst werden [1]. Während der diagnostische Wert der pelvinen LA beim PCa unbestritten bleibt, werden ihre therapeutische Rolle und onkologischen Vorteile angesichts ihrer potenziellen Morbidität und der außerdem zur Verfügung stehenden PSMA-Bildgebung jedoch zunehmend in Frage gestellt. Dies spiegelt sich auch in angepassten Empfehlungen der deutschen S3-LL und der LL der European Association of Urology (EAU) zum PCa wider. Bereits bei der Aktualisierung der EAU-LL im Jahr 2024 wurden die Empfehlungen zur pelvinen LA deutlich modifiziert [1]. Bisher wurde für alle Patienten mit einem nach multivariaten Nomogrammen ermittelten individuellen Risiko für eine LK-Metastasierung von > 5–7 % eine ausgedehnte LA empfohlen. Die LA findet hier seitdem bei Patienten mit mittlerem Risiko keine Erwähnung mehr. Für die Hochrisikogruppe und lokal fortgeschrittene Stadien wird im Falle einer LA ein extendiertes Vorgehen empfohlen. Auch bei der Aktualisierung der deutschen LL (2025) wurden die Empfehlungen zur LA deutlich modifiziert und abgeschwächt [2]. Bisher sollte über das Risiko einer LK-Metastasierung und über Vor- und Nachteile einer LA aufgeklärt werden. Bei niedrigem Risiko (cT1c und PSA < 10 ng/ml und Gleason- Score ≤ 6) konnte auf eine LA verzichtet werden. Zudem fand Erwähnung, dass die Rate an nodalpositiven Befunden abhängig von der Ausdehnung der LA steigt und dies ein exaktes Staging sowie die frühe Einleitung einer adjuvanten Therapie bei nachgewiesenen LKMetastasen ermöglicht. Ein Überlebensvorteil durch die LA ohne adjuvante Maßnahme wurde nicht gesehen, jedoch Hinweise für einen Einfluss auf das progressionsfreie Überleben. Jetzt wurden diese Empfehlungen auf eine „Kann- Empfehlung“ für Patienten mit intermediärem PCa reduziert. Bei hohem und sehr hohem Risiko bzw. lokal fortgeschrittenem Stadium solle eine ausgedehnte LA erfolgen.

Zum E-Paper

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aerztin in Schutzkleidung und FFP2-Maske verabreicht einem jungen Patienten im Krankenhausbett eine Infusion mit genveraenderten Stammzellen

Erstmals erfolgreiche Behandlung mit CRISPR-Therapeutikum

Aktuelles

Der 19-jährige Mohammad ist der erste Patient mit Beta-Thalassämie, der im Zuge der Standardtherapie das auf der Genschere CRISPR basierende Medikament Exagamglogene Autotemcel erhalten hat. Das Medikament ist das erste zugelassene CRISPR-Therapeutikum.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
Nahaufnahme eines schwarzen T-Shirts mit einer rosa Schleife auf der Brust einer Frau.

Brustkrebsmonat 2026: Bessere Behandlung und Versorgung

Aktuelles

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die Versorgungsforschung wandelt sich durch neue Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten dabei stetig.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Forschungsteam aus sechs Personen steht im Freien vor einem Klinikgebaeude und laechelt in die Kamera, Symbolbild fuer eine Studie zum Einfluss des Darmmikrobioms auf die CAR-T-Zelltherapie

Darmbakterien beeinflussen die Krebstherapie mit CAR-T-Zellen

Aktuelles

Nicht alle Tumore sprechen gleich auf die CAR-T-Zelltherapie an. Eine Studie zeigt jetzt, dass vor allem die Stoffwechselprodukte des Darmmikobioms die Krebstherapie fördern oder hemmen können.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen