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Krebsrisiko durch Übergewicht deutlich unterschätzt

Person steht barfuß auf einer Personenwaage, im Vordergrund ein gelbes Maßband – Symbol für Gewichtskontrolle und Körpermaße

Quelle: © Vadym Huzhva - stocke.adobe.com

Krebsrisiko durch Übergewicht deutlich unterschätzt

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Übergewicht und Adipositas könnten für deutlich mehr Krebserkrankungen verantwortlich sein als bisher gedacht. Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigen: Werden präzisere Maße für Körperfett und methodische Verzerrungen berücksichtigt, sind über zehn Prozent aller Krebsfälle auf erhöhtes Körpergewicht zurückzuführen – fast doppelt so viele wie bisherige Schätzungen.

Übergewicht und Adipositas sind seit Langem als Krebsrisikofaktoren bekannt. Bisherige Studien schätzten den Anteil der darauf zurückzuführenden Krebserkrankungen auf zwei bis acht Prozent. Epidemiologe Hermann Brenner und sein Team am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) vermuteten jedoch, dass diese Zahlen systematisch unterschätzt werden – und gingen dem nun in einer groß angelegten Analyse nach. Ausgewertet wurden die Daten von über 458.000 Teilnehmenden der britischen UK Biobank, die im Median fast zwölf Jahre lang beobachtet wurden. In diesem Zeitraum traten mehr als 50.000 neue Krebserkrankungen auf.

BMI allein greift zu kurz

Die meisten bisherigen Studien stützten sich auf den Body-Mass-Index (BMI), der lediglich Gewicht und Körpergröße ins Verhältnis setzt. Er unterscheidet jedoch nicht zwischen Fett- und Muskelmasse und gibt keinen Aufschluss über die Fettverteilung im Körper. Gerade das viszerale Bauchfett gilt jedoch als besonders stoffwechselaktiv und steht in engem Zusammenhang mit Entzündungsprozessen, die Krebs begünstigen können. Die DKFZ-Forschenden bezogen daher zusätzlich Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis in ihre Analyse ein – Parameter, die sich als deutlich aussagekräftiger für das Krebsrisiko erwiesen.

Gewichtsverlust vor der Diagnose verzerrt die Statistik

Ein weiteres methodisches Problem: Viele Tumoren verursachen bereits Jahre vor ihrer klinischen Diagnose einen ungewollten Gewichtsverlust. Betroffene erscheinen dadurch zum Diagnosezeitpunkt schlanker, was den statistischen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs künstlich abschwächt. Um diesen Effekt zu korrigieren, schlossen die Forschenden schrittweise die ersten Beobachtungsjahre nach Studieneintritt aus – und der Zusammenhang zwischen Körperfett und Krebsrisiko wurde tatsächlich deutlich stärker.

Mehr als jede zehnte Krebserkrankung potenziell vermeidbar

Unter Berücksichtigung aller methodischen Verbesserungen stieg der ermittelte Anteil der durch Übergewicht verursachten Krebsfälle von rund 5,5 auf bis zu 11,5 Prozent. Frauen und jüngere Erwachsene unter 60 Jahren scheinen dabei besonders betroffen. Hermann Brenner betont die Dringlichkeit dieser Ergebnisse: Da Übergewicht weltweit zunimmt und die Bevölkerung gleichzeitig altert, dürfte die Zahl der dadurch bedingten Krebserkrankungen künftig weiter steigen. Effektive Präventions- und Behandlungsstrategien könnten damit einen weit größeren Beitrag zur Krebsvorbeugung leisten als bislang angenommen.

Originalpublikation: LK Adhikari et al.: Excess Weight May Account for More than Ten Percent of all Cancers: The Underestimated Impact of the Obesity Epidemic. Cancer Communications 2026; DOI: 10.34133/cancomm.0040

Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz.) vom 16.07.2026

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