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Krebstherapie: EU-Projekt bringt Pharmakogenomik ins Tumorboard

Wissenschaftler im weißen Kittel arbeitet nachdenklich am Laptop vor einem Mikroskop in einem modernen Labor mit Kolben, Reagenzgläsern und weiteren Forschenden im Hintergrund

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Krebstherapie: EU-Projekt bringt Pharmakogenomik ins Tumorboard

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Das Institut für Klinische Pharmakologie (IKP) am Bosch Health Campus Stuttgart leitet das erste EU-Projekt, das Pharmakogenomik in molekulare Tumorboards integriert. PGxMTB zielt darauf ab, genetische Faktoren in Therapieentscheidungen einzubeziehen – für sicherere und wirksamere Krebstherapien. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg bringt Expertise ein.

Wenn Therapien trotz guter Planung nicht wirken

In der aktuellen Krebstherapie werden Medikamente gezielt auf Tumorveränderungen zugeschnitten. Doch selbst bei gut passenden Therapien treten häufig starke Nebenwirkungen auf oder Medikamente wirken nicht wie erwartet – weil genetische Unterschiede der Patient*innen bislang kaum systematisch berücksichtigt werden. Auch tumorspezifische Eigenschaften können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Genau diese Lücke schließt das internationale Projekt PGxMTB unter Leitung des Dr. Margarete Fischer-Bosch Instituts für Klinische Pharmakologie (IKP), das Teil des Bosch Health Campus und eines der Trägerinstitute des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) SüdWest ist. Deutscher Projektpartner ist das NCT Heidelberg, das klinische Expertise, diagnostische Erfahrung, bioinformatische Kompetenz und eine umfangreiche Datenbasis einbringt. Das internationale Konsortium umfasst insgesamt fünf wissenschaftliche Teams: neben den beiden deutschen Partnern das Institut Gustave Roussy in Villejuif (Frankreich), das Karolinska Institut in Stockholm (Schweden) sowie das Institut für Public Health, Versorgungsforschung und Health Technology Assessment in Hall in Tirol (Österreich). Ein Alleinstellungsmerkmal ist die aktive Patient*innenbeteiligung durch die Deutsche Sarkom-Stiftung als weiteren Konsortiumspartner.

Über 300 Gene, erstmals auch das individuelle Erbgut der Patient*innen

Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, pharmakogenomische Daten künftig systematisch in molekularen Tumorboards – interdisziplinären Fallkonferenzen, in denen komplexe Krebserkrankungen gemeinsam beraten werden – zu berücksichtigen. Analysiert werden dabei über 300 Gene, die für die Wirkung und Verträglichkeit von Krebsmedikamenten sowie unterstützenden Therapien relevant sind. Erstmals wird neben dem Genom des Tumors auch das individuelle Erbgut der Patient*innen einbezogen.

„Mit der koordinierten Integration pharmakogenomischer Daten in die klinische Praxis betreten wir Neuland – bislang existiert in Europa keine ähnliche Initiative. Dies ist ein bedeutender Schritt, um Krebstherapien weiter zu optimieren, schwere Nebenwirkungen zu reduzieren und Behandlungen effektiver zu machen. Durch die aktive Einbindung von Patient*innen als Forschungspartner können wir deren Erfahrungswissen optimal nutzen“, sagt Prof. Dr. Matthias Schwab, Projektkoordinator und Leiter des IKP sowie Geschäftsführender Direktor des NCT SüdWest.

Am NCT Heidelberg verantworten Stefan Fröhling, Geschäftsführender Direktor des NCT Heidelberg und Leiter der Abteilung Translationale Medizinische Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), sowie Daniel Hübschmann, Leiter der Computational Oncology Group am NCT Heidelberg und der Innovation and Service Unit for Bioinformatics and Precision Medicine am DKFZ, das Projekt. PGxMTB nutzt unter anderem Daten aus dem DKFZ/NCT/DKTK MASTER-Programm und entwickelt darauf aufbauend eine bioinformatische Prozesskette.

„Wir wollen die Behandlung von Krebspatient*innen verbessern, indem wir eine bisher weitgehend ignorierte, aber ausgesprochen wichtige biologische Ebene erschließen. Unser Ziel ist eine individualisierte und risikoadaptierte Pharmakotherapie“, so Daniel Hübschmann. Obwohl pharmakogenomische Tests in einzelnen Indikationen bereits etabliert sind, werden sie bislang nicht in Tumorboards einbezogen. PGxMTB setzt hier neue Standards und sieht die Implementierung IT-basierter Tools exemplarisch in den molekularen Tumorboards in Heidelberg und am Institut Gustave Roussy in Villejuif vor.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Bosch Health Campus und des NCT Heidelberg vom 17.03.2026

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