Onkologie » Gynäkologische Tumoren » Mammakarzinom

»

Neue Ansätze zur Bekämpfung resistenter Brustkrebszellen

Niklas Gremke und Thorsten Stiewe im Labor. © Alina Stroh

Neue Ansätze zur Bekämpfung resistenter Brustkrebszellen

Aktuelles

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Die Studie von Dr. Niklas Gremke und Prof. Dr. Thorsten Stiewe zeigt neue Wege zur Bekämpfung resistenter Brustkrebszellen durch Stoffwechselhemmung. Durch die Identifikation von Biomarkern können personalisierte Therapien entwickelt werden, die gezielt die Schwachstellen der Tumorzellen ausnutzen. Diese Ansätze könnten die Behandlung von Brustkrebs revolutionieren.

Neue Wege in der Brustkrebsforschung: Resistente Tumorzellen gezielt angreifen

Tumore sind schwer zu fassen, da sie sich der Wirkung onkologischer Therapien entziehen können. So zum Beispiel HR-positiver, HER2-negativer Brustkrebs, der im Rahmen einer Therapie mit PI3K-Inhibitoren durch verstärkte Aktivierung des mTOR-Signalwegs das Zellwachstum und die -ausbreitung wieder hochfährt. Ein Forschungskonsortium um Dr. Niklas Gremke und Prof. Dr. Thorsten Stiewe von der Philipps-Universität Marburg hat vielversprechende Ansätze entwickelt, um resistente Brustkrebszellen zu bekämpfen. „Das ist ein heißes Forschungsfeld: Noch nie wurden so viele neue Medikamente in der Brustkrebstherapie zugelassen, doch erworbene Resistenzen begrenzen häufig den Therapieerfolg – genau hier setzt unser Forschungsprojekt an“, erklärt Dr. Gremke von der Universitätsfrauenklinik.

Resistente Tumorzellen durch Stoffwechselhemmung angreifbar

Das Team hat eine Schwachstelle der Tumoren entdeckt: Die resistenten Brustkrebszellen können durch spezifische Inhibitoren des Energiestoffwechsels zerstört werden. Die Forschenden berichten im Fachmagazin „Signal Transduction and Targeted Therapy“, dass der mTOR-Signalweg, der Zellwachstum und -ausbreitung fördert, die Autophagie hemmt. Diese ist ein lebensnotwendiger Recyclingprozess der Zelle. Tumorzellen, die keine Autophagie mehr aktivieren können, sind besonders empfindlich gegenüber Wirkstoffen wie Metformin, welches den Energiestoffwechsel stört. „Ein kritisches Defizit der Aminosäure Aspartat in den resistenten Brustkrebszellen ist für deren Zelltod unter Therapie mit Metformin verantwortlich“, fasst Prof. Dr. Stiewe zusammen.

Neue Biomarker für personalisierte Therapie

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Identifikation von zwei Biomarkern, die auf die gestörte Autophagie innerhalb der Zellen hinweisen. Die Analyse von über 1.100 Gewebeproben ergab, dass Patientinnen mit dieser Signatur eine schlechtere Prognose haben, aber von einer metabolischen Therapie profitieren könnten. „Unsere Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die personalisierte Krebstherapie“, sagt Dr. Gremke. „Wenn sich diese Biomarker in klinischen Studien bestätigen, könnten sie helfen, Patientinnen zu identifizieren, die besonders gut auf eine Stoffwechseltherapie ansprechen.“

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel

Das interdisziplinäre Team nutzte modernste Methoden wie CRISPR/Cas9-Knockout-Modelle und Stoffwechsel-Analysen. Die translationalen Erkenntnisse sollen langfristig zur Entwicklung neuer Therapiestrategien beitragen, die Resistenzen durch gezielte Beeinflussung des Zellstoffwechsels überwinden. „Unsere Forschung zeigt, dass Tumorzellen ihre erworbene Resistenz gegen PI3K-Inhibitoren teuer bezahlen – nämlich mit einer erhöhten metabolischen Verwundbarkeit“, so Gremke.

Dr. Niklas Gremke unternahm die Forschung als Clinician Scientist im Rahmen des SUCCESS-Programms (Supporting Careers of Clinicians Seeking Science), einem Förderprogramm der Philipps-Universität Marburg und des Universitätsklinikums Marburg sowie des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) Frankfurt-Marburg. Weitere finanzielle Unterstützung kam von der von Behring-Röntgen Stiftung, der UKGM Forschungsförderung, der Stiftung P.E. Kempkes sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Quellen: Gremke N et al. Targeting PI3K inhibitor resistance in breast cancer with metabolic drugs. Sig Transduct Target Ther 10, 92 (2025); Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg

Zur Publikation

Bilderquelle: © Alina Stroh

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustration des weiblichen Fortpflanzungssystems mit hervorgehobenen Tumorzellen, symbolisch für die Fortschritte in der Therapie des Ovarialkarzinoms.

Ovarialkarzinom: Genaktivitätsmuster verrät wer von einer Therapie profitiert

Aktuelles

Eierstockkrebs wird oft spät entdeckt und ist selten heilbar. Viele Patientinnen erhalten zusätzlich zur Chemotherapie Bevacizumab, das die Blutversorgung des Tumors blockiert – es hilft doch nicht allen und hat teils schwere Nebenwirkungen.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen
Schematische Darstellung von Uterus mit weissem und tuerkisem Band als Symbol fuer Zervixkarzinom und Leitlinien

S3-Leitlinie: neuer Therapiestandard bei metastasiertem Gebärmutterhalskrebs

Aktuelles

Aktualisiert im Leitlinienprogramm Onkologie: die S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom. Aufgrund neuer Studien wurden unter anderem die Empfehlungen zur Operation, zur Systemtherapie im fortgeschrittenen Stadium und zur Radiochemotherapie überarbeitet.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Zervixkarzinom

Beitrag lesen
Abstrakte 3D-Darstellung von metallischen Ringen, die von schwarzen Würfeln mit dünnen Drähten umgeben sind, auf dunkelblauem Hintergrund

Ionenstrahl misst sich selbst bei Krebstherapie

Aktuelles

Mixed Beams könnten die Krebstherapie präziser machen: Kohlenstoffionen zerstören den Tumor, Heliumionen durchqueren den Körper und liefern Informationen über die Anatomie. Dafür muss das Mischungsverhältnis im Strahl genau bekannt sein. Forschende der TU Wien und des MedAustron haben nun eine Methode entwickelt, die genau das misst, ohne den Strahl zu stoppen. Ein Fortschritt.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen