Onkologie » Sonstiges

»

Neue S3-Leitlinie warnt vor Krebsdiäten und Fastenkuren

Gabel mit Maßband umwickelt als Symbol für Krebsdiäten und Ernährungstherapie in der Onkologie

Quelle: © thanksforbuying – stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie warnt vor Krebsdiäten und Fastenkuren

Aktuelles

Onkologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Die aktualisierte S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ rät von restriktiven Krebsdiäten und Fastenprogrammen ab. Studien belegen keinen Nutzen, aber ein hohes Risiko für Mangelernährung, die bei Krebspatient*innen lebensbedrohlich sein kann. Neu sind Empfehlungen zur Ernährung bei operativer Tumortherapie und zur empathischen Kommunikation in der Palliativsituation.

Durch eine Krebserkrankung oder -therapie verlieren viele Menschen Gewicht. Dann ist es besonders wichtig, einer Mangelernährung vorzubeugen. Denn der Ernährungszustand hat einen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf und auf die Therapie: „Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod durch Mangelernährung“, sagt Professorin Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena. Gemeinsam mit Dr. Jann Arends, Universitätsklinikum Freiburg, und Professorin Diana Rubin, Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin, koordinierte sie die Aktualisierung der Leitlinie.

Krebsdiäten und Fasten sind gefährlich

Krebsbetroffene bekommen von Laien viele Ratschläge zu ihrer Ernährung. Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie besondere Ernährungsformen wie vegane, ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß nun kritisch ein.

„Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patient*innen eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden“, so Hübner. „Was sogenannte ‚Krebsdiäten‘ angeht: In der Leitlinie wird von strikten Diätvorschriften abgeraten. Sie schränken die Ernährung ein und bergen damit das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust. Dazu zählen Fasten, ketogene Diäten sowie die Diäten nach Budwig und Breuß.“

Bislang belegten Studien für diese Ernährungsformen keinen positiven Nutzen – durch die Nahrungsrestriktionen kann es vielmehr zu Mangelernährung kommen.

Neu: Ernährungstherapie bei operativer Tumortherapie

Im Zuge der Überarbeitung wurde ein neues Kapitel zur Ernährung bei operativer Tumortherapie aufgenommen. Die zwölf neuen Empfehlungen sehen unter anderem vor, dass der Ernährungsstatus vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben wird. Patientinnen, die voraussichtlich über mehrere Tage nach der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen können, sollen umgehend künstlich ernährt werden. Für die präoperative Phase empfiehlt die Leitlinie unter anderem, dass Patientinnen mit hohem Risiko – etwa bei starkem Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit – zunächst eine Ernährungstherapie erhalten sollten, auch wenn sich dadurch der Operationstermin verschiebt.

Empathische Kommunikation: Ernährung in der Palliativsituation

In der Palliativversorgung soll die Lebensqualität von Patient*innen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen verbessert oder erhalten werden – eine differenzierte Ernährungstherapie kann hierzu beitragen. Neu ist die Empfehlung, wiederholt zu prüfen, ob eine enterale oder parenterale Ernährung noch dem Therapieziel entspricht. Diese Entscheidung soll regelmäßig gemeinsam mit den Betroffenen und Betreuenden evaluiert und bei Bedarf neu getroffen werden.

„Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Person, die Ernährung einzustellen, kann das zu Konflikten mit den Angehörigen führen. Es ist eine schwierige Situation“, so Hübner. „Um diese psychischen und physischen Belastungen durch die unterschiedlichen Wünsche zu vermeiden, empfehlen wir in der Leitlinie, dass das zuständige Fachpersonal proaktiv, klar und empathisch mit den Beteiligten kommuniziert.“

In den Phasen der Palliativversorgung sollten bei Ernährungsstörungen stets qualifizierte Ernährungsfachkräfte hinzugezogen werden, so die Empfehlung aus der Leitlinie.

Ausblick: nächster Aktualisierungsschritt anstehend

Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ wurde nach zehn Jahren aktualisiert – und in diesem Prozess erstmalig ins onkologische Leitlinienprogramm der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) überführt. Die Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) sowie der DKG, vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie und unter Mitwirkung von 43 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Erstellung der Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

Im nächsten Aktualisierungsschritt sollen weitere Themen wie die Ernährung bei Radio- und systemischer Tumortherapie, allgemeine Ernährungsthemen oder das Screening auf Mangelernährung erneut aufgegriffen und umfassend überarbeitet werden.

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Krebsgesellschaft

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Aerztin in Schutzkleidung und FFP2-Maske verabreicht einem jungen Patienten im Krankenhausbett eine Infusion mit genveraenderten Stammzellen

Erstmals erfolgreiche Behandlung mit CRISPR-Therapeutikum

Aktuelles

Der 19-jährige Mohammad ist der erste Patient mit Beta-Thalassämie, der im Zuge der Standardtherapie das auf der Genschere CRISPR basierende Medikament Exagamglogene Autotemcel erhalten hat. Das Medikament ist das erste zugelassene CRISPR-Therapeutikum.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
Nahaufnahme eines schwarzen T-Shirts mit einer rosa Schleife auf der Brust einer Frau.

Brustkrebsmonat 2026: Bessere Behandlung und Versorgung

Aktuelles

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Die Versorgungsforschung wandelt sich durch neue Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten dabei stetig.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Forschungsteam aus sechs Personen steht im Freien vor einem Klinikgebaeude und laechelt in die Kamera, Symbolbild fuer eine Studie zum Einfluss des Darmmikrobioms auf die CAR-T-Zelltherapie

Darmbakterien beeinflussen die Krebstherapie mit CAR-T-Zellen

Aktuelles

Nicht alle Tumore sprechen gleich auf die CAR-T-Zelltherapie an. Eine Studie zeigt jetzt, dass vor allem die Stoffwechselprodukte des Darmmikobioms die Krebstherapie fördern oder hemmen können.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen