Onkologie » Hirntumoren » Medulloblastom

»

Neuer Angriffspunkt bei aggressivem kindlichem Hirntumor

MRT-Aufnahme eines kindlichen Schaedels in Frontalansicht mit grossem Tumor in der hinteren Schaedelfossa, Symbolbild fuer ein Medulloblastom

Quelle: © D.Ghasemi/KiTZ

Neuer Angriffspunkt bei aggressivem kindlichem Hirntumor

Aktuelles

Onkologie

Hirntumoren

Medulloblastom

mgb medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Der häufigste aggressive Hirntumor im Kindesalter ist das Medulloblastomen. Forschende haben herausgefunden, dass sich das Tumorwachstum verlangsamt, wenn ein bestimmtes Protein ausgeschaltet wird.

Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der vor allem bei Kindern auftritt. Heute weiß man, dass es verschiedene Formen dieser Erkrankung gibt. Sie unterscheiden sich unter anderem darin, welche Veränderungen in den Tumorzellen auftreten und wie die Erkrankung verläuft.

Das internationale Forschungsteam untersuchte nun genauer, wie die Erbinformation in den Tumorzellen gesteuert wird. Denn nicht nur Veränderungen im Erbgut selbst können für die Entstehung von Krebs wichtig sein. Entscheidend ist auch, welche Gene eine Zelle an- oder ausschaltet.

Dabei entdeckten die Forschenden bei zwei häufigen Formen des Medulloblastoms eine Besonderheit: Gene, die normalerweise dabei helfen, dass unreife Zellen zu spezialisierten Nervenzellen heranreifen, waren in den Tumorzellen auffällig wenig aktiv.

Bei der Suche nach der Ursache stieß das Team auf ein Protein mit der Bezeichnung KDM2B. Dieses Protein war vor allem in sogenannten Gruppe-4-Medulloblastomen besonders aktiv. Diese Gruppe gehört zu den häufigsten Formen des Medulloblastoms.

Die Forschenden vermuten, dass KDM2B dazu beiträgt, dass die Tumorzellen in einem unreifen Zustand bleiben. Entfernten sie das Protein, wurden Gene für die normale Reifung der Zellen wieder aktiver.

Besonders wichtig war die Frage, was passiert, wenn die Tumorzellen ohne KDM2B auskommen müssen. In verschiedenen Versuchen schalteten die Forschenden das Protein gezielt aus. Daraufhin wuchsen die untersuchten Tumorzellen deutlich langsamer. Auch bei Mäusen verlangsamte sich das Tumorwachstum und die Tiere lebten länger.

„Für Medulloblastome der Gruppen 3 und 4 gibt es bislang keine wirksamen zielgerichteten Therapien“, sagt Stefan Pfister, Direktor am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ), Leiter der Abteilung Pädiatrische Neuroonkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Kinderonkologe am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und Professor an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Die neuen Ergebnisse machen KDM2B und die von ihm gesteuerten molekularen Prozesse deshalb zu interessanten Kandidaten, um Kindern und Jugendlichen mit diesen Hirntumoren zukünftig neue Behandlungsoptionen anbieten zu können.“

In Zukunft könnte deshalb untersucht werden, ob sich KDM2B gezielt angreifen oder aus Tumorzellen entfernen lässt. Bis daraus eine Behandlung für Patientinnen und Patienten entstehen kann, ist jedoch noch weitere Forschung notwendig.

„Die intensive Zusammenarbeit mit Stefan Pfister startete bereits vor zehn Jahren“, sagt Paul Northcott, ebenfalls Leiter der Studie und Direktor des St. Jude Center of Excellence in Neuro-Oncology Sciences in Memphis, USA. „Jetzt haben wir nicht nur ein besseres Verständnis davon, was bei der Steuerung der Gene in bestimmten Untergruppen des Medulloblastoms schiefläuft, sondern auch eine neue mögliche Zielstruktur für künftige Therapien entdeckt.“

Stefan Pfister betont, dass die Ergebnisse zunächst ein wichtiger Schritt in der Grundlagenforschung sind: „Die bisherigen Untersuchungen wurden an Tumorzellen und Mäusen durchgeführt. Sie zeigen einen möglichen therapeutischen Angriffspunkt. Die Wirksamkeit einer KDM2B-gerichteten Therapie bei Kindern mit Medulloblastom muss aber erst noch belegt werden.“

Originalpublikation: Tao R, Erkek-Ozhan S, Xu B. et al. Divergent medulloblastoma chromatin states disclose KDM2B as a selective dependency. Nat Genet. 2026

Quelle: Pressmitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum

Bildunterschrift: MRT-Aufnahme eine Medulloblastoms im Kleinhirn eines Kindes.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Lächelnder Mediziner in blauer OP-Kleidung vor heller Wand

Stoffwechselspuren sollen Darmkrebsrisiko früher sichtbar machen

Aktuelles

Forschende untersuchen frühe, möglicherweise noch umkehrbare Veränderungen der Darmschleimhaut – Bundesforschungsministerium fördert Verbundprojekt NAD-MAGIC mit knapp zwei Millionen Euro.

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Darmkrebs

Beitrag lesen
Forscherin entnimmt Probenbox aus der Biobank für Organoide

Gastrointestinale Organoide: Ein Schatz in der Gefriertruhe

Aktuelles

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den schicksalhaftesten Krebserkrankungen. Oft wird er spät erkannt, und er breitet sich schnell aus. Jeder Tumor ist so einzigartig wie der Patient oder die Patientin. Welches Medikament wirken wird? Kaum vorherzusagen.

Onkologie

Gastrointestinale Tumoren

Pankreaskarzinom

Beitrag lesen
Forscher im Labor am Mikroskop vor einer grün gefärbten Gewebeaufnahme

Möglicher neuer therapeutischer Ansatz für Muskelschwund bei Krebs

Aktuelles

Muskelschwund betrifft bis zu 80 Prozent der Krebspatientinnen und -patienten. Ausgelöst wird diese durch Krebs induzierte Kachexie (Cancer-Induced Cachexia, CIC) von Botenstoffen, welche die Tumorzellen selbst aussenden.

Onkologie

Sonstiges

Beitrag lesen