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Palliativversorgung: Prävention vor Übertherapie

Multiprofessionelles Ärzteteam bei der gemeinsamen Fallbesprechung am Konferenztisch – Vogelperspektive

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Palliativversorgung: Prävention vor Übertherapie

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Übertherapie am Lebensende ist ein drängendes medizinisches, ethisches und politisches Problem. Bei einem Fachgespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung forderte die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin flächendeckende Palliativdienste in Krankenhäusern und palliativmedizinische Expertise in der Notfallreform – zum Schutz schwerkranker Patient*innen.

Studien belegen: Über ein Drittel der Patient*innen in den letzten Lebensmonaten wird übertherapiert. Vor diesem Hintergrund diskutierten hochrangige Expert*innen aus Medizin, Ethik und Politik bei einem Fachgespräch der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin die fachlichen und politischen Konsequenzen der kürzlich veröffentlichten KAS-Publikation „Übertherapie am Lebensende – Handlungsempfehlungen für die Bereiche Notfallmedizin, Intensivmedizin und Onkologie“. Hermann Gröhe, stellvertretender Vorsitzender der KAS, bezeichnete die Veranstaltung als Auftakt zur Diskussion eines „gesellschaftlich überaus bedeutsamen Themas“.

Prof. Dr. Claudia Bausewein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), unterstrich die Dringlichkeit: Eine Auswertung von 38 internationalen Studien zeigt, dass 33 bis 38 Prozent von 1,2 Millionen Patient*innen mit fortgeschrittenen Erkrankungen in den letzten sechs Lebensmonaten übertherapiert wurden. Für sie ist das Berliner Fachgespräch der Auftakt zu einer breiteren Initiative gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, um das Thema in Medizin, Gesellschaft und Politik zu tragen.

Palliativdienste flächendeckend etablieren – Notfallreform mitgestalten

DGP-Vorstandsmitglied Dr. Alexandra Scherg betonte, dass Übertherapie Patient*innen und Angehörige gleichermaßen schädigt. Sie forderte konkrete Strukturmaßnahmen: ad hoc verfügbare Palliativteams für Krisensituationen im ambulanten Setting sowie Palliativdienste auf allen Normal- und Intensivstationen. Derzeit sind diese jedoch nur in rund zehn Prozent der deutschen Kliniken etabliert – und durch aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen akut gefährdet. Die frühzeitige Integration der Palliativmedizin, so die KAS in ihrer Publikation, könne präventiv wirken: Sie unterstütze die Klärung realistischer Therapieziele, die Berücksichtigung des Patientenwillens und eine angemessene Entscheidungsfindung.

Einheitliche Notfallausweise statt gescheiterter Patientenverfügungen

Prof. Dr. Martin Neukirchen, ebenfalls DGP-Vorstandsmitglied, konstatierte provokant: „Das Modell der klassischen Patient*innenverfügung ist in Deutschland hinreichend gescheitert.“ Er plädierte für deutschlandweit einheitliche Notfallausweise. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, hob die wichtige präventive Rolle der Allgemeinmedizin hervor. Den ethischen Rahmen setzte Prof. Dr. Alena Buyx, Professorin für Ethik der Medizin an der TU München: „Übertherapie ist immer unethisch.“ Ein Satz, der den dringenden Handlungsbedarf auf den Punkt bringt.

Quelle: Pressemitteilung von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin vom 06.07.2026

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