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Suizidsterblichkeit bei Krebspatient*innen in Palliativversorgung

Pflegeperson zeigt einer Krebspatientin Informationen auf einem Tablet in einem hellen Behandlungszimmer

Quelle: © Halfpoint - stocke.adobe.com

Suizidsterblichkeit bei Krebspatient*innen in Palliativversorgung

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mgb medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt: Krebspatient*innen in spezialisierter Palliativversorgung weisen keine höhere Suizidsterblichkeit auf als eine onkologische Vergleichsgruppe. Dies deutet darauf hin, dass interdisziplinäre palliativmedizinische Betreuung psychosoziale und existenzielle Belastungen wirksam abfedern kann.

Krebserkrankungen gelten in der Fachliteratur als wesentlicher Risikofaktor für Suizid. Besonders belastend können fortgeschrittene Krankheitsstadien, krankheitsassoziierte Symptome sowie die Auseinandersetzung mit dem Lebensende sein. Die spezialisierte Palliativversorgung setzt genau bei dieser Hochrisikogruppe an: Palliative Care begleitet Menschen mit schweren Erkrankungen ganzheitlich, indem sie neben der medizinischen Behandlung auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patient*innen trotz krankheitsbedingter Einschränkungen bestmöglich zu erhalten und zu fördern. Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, wie sich die Suizidsterblichkeit von onkologischen Patient*innen in spezialisierter Palliativversorgung im Vergleich zu einer onkologischen Vergleichskohorte aus Österreich darstellt.

„Unsere Auswertung zeigt, dass Patient*innen mit weit fortgeschrittener Erkrankung in spezialisierter Palliativversorgung keine höhere Suizidsterblichkeit aufweisen als die allgemeine onkologische Vergleichskohorte. Das unterstreicht, wie wichtig eine Versorgung ist, die neben körperlichen Symptomen auch psychosoziale Belastungen gezielt mitberücksichtigt“, sagt Erstautor Stephan Listabarth von der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien.

Vergleich mit nationaler Kohorte

Für die Analyse wurden Patient*innendaten der Palliativstation der MedUni Wien und des AKH Wien aus dem Zeitraum von November 2012 bis März 2022 mit Daten des österreichischen Krebsregisters und des nationalen Sterberegisters verglichen. In der Gesamtauswertung zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied in der Suizidsterblichkeit zwischen der Palliativkohorte und der onkologischen Vergleichsgruppe – obwohl dieser bei schwerkranken Patient*innen in Palliativbehandlung zu erwarten wäre.

Auch in den Auswertungen nach einzelnen Krebsarten zeigte sich in den meisten Gruppen kein signifikanter Unterschied. Eine Ausnahme stellten Patient*innen mit Pankreaskarzinom dar: In dieser Subgruppe wurde in der Palliativkohorte eine höhere kumulative Suizidinzidenz beobachtet. Die Autor*innen betonen jedoch, dass dieser Befund vorsichtig interpretiert werden muss – etwa weil besonders stark belastete Patient*innen häufiger in eine spezialisierte palliativmedizinische Betreuung aufgenommen werden.

„Bei Patient*innen mit Pankreaskarzinom hat sich eine Besonderheit gezeigt, die weiter untersucht werden muss. Es geht vor allem darum, mögliche Risikokonstellationen besser zu verstehen und Unterstützungsangebote für besonders belastete Patient*innen gezielt weiterzuentwickeln“, sagt Studienleiter Daniel König-Castillo von der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien.

Ganzheitliche Betreuung am Lebensende

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der interdisziplinäre und ganzheitliche Ansatz der Palliativmedizin einen wichtigen Beitrag leisten kann. Diese umfasst nicht nur die Behandlung körperlicher Symptome, sondern auch psychosoziale und spirituelle Unterstützung. Das kann helfen, Belastungen wie Schmerz, Kontrollverlust, das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, oder existenzielle Not besser aufzufangen“, sagt Eva Masel von der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin.

Die Autor*innen betonen zugleich, dass aus der retrospektiven Analyse keine kausalen Schlüsse abgeleitet werden können. Die Studie zeigt zudem, wie wichtig es ist, dass der Zugang zu spezialisierter Palliativversorgung in Österreich weiter ausgebaut wird. Aus Sicht der Autor*innen ist eine bedarfsdeckende Stärkung entsprechender Versorgungsangebote notwendig. Die Studie entstand an der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Klinischen Abteilung für Palliativmedizin der Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Wien.

Originalpublikation: Journal of Clinical Medicine; Suicide Rates Among Patients Receiving Palliative Care—Descriptive Results of a National Cohort Study; Listabarth S et al. Med. 2026; 15(6): 2149  https://doi.org/10.3390/jcm15062149

Quelle: Pressemitteilung der Medizinischen Universität Wien vom 19.03.2026

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