Onkologie » Sonstiges

»

Warum zeigen Wirkstoffe im Labor größere Effekte als in der Therapie?

Zwei Forschende stehen vor einer Praesentationsfolie in einem Seminarraum und laecheln in die Kamera, Symbolbild fuer translationale Genomik beim uvealen Melanom

Quelle: © privat

Warum zeigen Wirkstoffe im Labor größere Effekte als in der Therapie?

Aktuelles

Onkologie

Sonstiges

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Das uveale Melanom ist ein seltener, aggressiver Tumor des Auges. Besonders problematisch wird die Erkrankung, wenn sich Metastasen bilden. Forschende haben jetzt zwei Proteine und deren Wirkung untersucht.

Starker Effekt im Labor – begrenzte Wirkung bei Patient*innen

Ausgangspunkt waren Experimente in der Zellkultur: Dort reagierten Tumorzellen stark auf den Wirkstoff Panobinostat, der mehrere HDACs gleichzeitig hemmt. Bei Patient:innen haben solche breit wirkende HDAC-Hemmer dagegen bislang nur eine begrenzte Wirkung gezeigt.

Das Team um Dr. Samuel Peña-Llopis, Leiter der Arbeitsgruppe für Translationale Genomik an der Klinik für Augenheilkunde, wollte deshalb herausfinden, welche Rolle HDAC4 und HDAC5 im Tumorgewebe der Patient:innen spielen. Wurden die beiden Proteine gezielt gehemmt oder ihre Bildung in den Tumorzellen reduziert, hatte dies jedoch nur geringe Auswirkungen auf das Überleben und Wachstum der Zellen. Auch gegenüber anderen untersuchten Wirkstoffen wurden die Tumorzellen dadurch nicht deutlich empfindlicher.

HDAC4 und HDAC5 sind nicht austauschbar

Die nun in im Fachjournal „Molecular Medicine“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass HDAC4 und HDAC5 unterschiedliche molekulare Funktionen haben. Ihre gezielte Hemmung veränderte jeweils bestimmte Gene und krebsrelevante Signalwege. „Besonders auffällig waren Veränderungen im NF-kB-Signalweg, der unter anderem das Zellüberleben und Entzündungsprozesse beeinflusst“, erklärt Dr. Samuel Peña-Llopis. „Diese Veränderungen zeigten sich insbesondere bei Tumorzellen bei denen eine Kopie des Chromosom 3 verloren gegangen ist und Zellen, die Veränderungen im Gen BAP1 aufwiesen.“

Ansatzpunkte für weitere Forschung

Die Studie hilft den Forschenden zu verstehen, warum ein Wirkstoff in der Zellkultur starke Effekte zeigen kann, die sich bei Patient*innen nicht in gleicher Weise beobachten lassen. Sie sprechen zugleich dafür, bei der Entwicklung neuer Therapien genauer zwischen einzelnen HDAC-Proteinen und ihren Funktionen zu unterscheiden.

HDAC4 und HDAC5 eignen sich nach diesen Ergebnissen nicht als alleinige Therapieziele, so die Autor:innen. Ihre Funktion in bestimmten krebsrelevanten Signalwegen könnte jedoch Ansatzpunkte für zukünftige, gezieltere Kombinationstherapien liefern.

Originalpublikation: Henning S, Kutzner TJ, Schneider M et al. Proteogenomic Analysis of HDAC4 and HDAC5 in Uveal Melanoma. Mol Med. 2026; 32: 156

Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Essen

Bildunterschrift: Dr. Samuel Peña-Llopis, Leiter der Arbeitsgruppe für Translationale Genomik an der Klinik für Augenheilkunde und Dr. Svenja Henning, Erstautorin der Studie

Weitere Beiträge zu diesem Thema

3D Illustration des weiblichen Reproduktionstrakts mit hervorgehobener Tumorregion als Symbol fuer platinresistentes Ovarialkarzinom und PD1 Inhibition

Eierstockkrebs: Eigene Immunzellen überwinden die Chemoresistenz

Aktuelles

Forschende haben gezeigt, dass die Kombination aus Wirkstoff Birinapant und Standard-Chemotherapie deutlich mehr Krebszellen abtötet als die Chemotherapie allein. Dieser verstärkte Effekt wird durch Immunzellen im Tumor ausgelöst.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Ovarialkarzinom

Beitrag lesen
ki-modell-blutkrebsdiagnostik-cytovi-forschungsteam-labor

Vereinfachter Blutkrebs-Diagnose durch KI-Modell

Aktuelles

Neues open-sources KI-Modell soll die standardisierte Analyse klinischer Routinedaten erleichtern. Das Modell erkennt Krebszellen automatisch und reduziert die händische Auswertung.

Onkologie

Hämatoonkologie

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen
Tablet mit der leuchtenden Aufschrift RHABDOMYOSARCOMA und daneben ein Stethoskop auf dunkler Tischoberflaeche

Neuer Therapieansatz beim embryonalen Rhabdomyosarkom

Aktuelles

Rhabdomyosarkome sind mesenchymalen Ursprungs und ähneln Skelettmuskelzellen. Sie gehören zu den häufigsten Weichteilsarkome bei Kindern.

Onkologie

Sarkome

Weichteilsarkome

Beitrag lesen