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Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom bei Kopf-Hals-Tumoren?

Medizinische 3D-Illustration mit hervorgehobenem Kopf-Hals-Bereich zur Darstellung von Kopf-Hals-Tumoren

Quelle: © Spectral-Design – stock.adobe.com

Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom bei Kopf-Hals-Tumoren?

Journal Club

Onkologie

Kopf-Hals-Tumoren

Allgemeine Aspekte

mgb medizin Redaktion

Verlag

2 MIN

Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Das Darmmikrobiom gilt als Regulator von Inflammation, der systemischen Immunfunktion sowie der Karzino­genese. Immer mehr Daten deuten darauf hin, dass eine Dysbiose sowohl eine Rolle bei der Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren spielen könnte als auch beim mögliche Therapieansprechen.

Eine Dysbiose des Darmmikrobioms bei Kopf-Hals-Krebs ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Lebensstil-Risikofaktoren, tumorbedingten systemischen Entzündungen und krebsbezogenen Behandlungsansätzen. All diese Fakitoren tragen zu einem langfristigen Ungleichgewicht bei, das die Tumorentstehung und den Progress über die primäre anatomische Lokalisation hinaus beeinflussen kann [1].

Klinische und translationale Studien belegen zunehmend einen Zusammenhang zwischen Veränderungen des Darmmikrobioms und dem Behandlungserfolg bei Kopf-Hals-Tumoren, wie die Autorinnen und Autoren des Reviews beschreiben. Beobachtungsstudien zufolge unterscheiden sich die mikrobiellen Profile von Patient*innen mit Kopf-Hals-Tumoren von denen gesunder Kontrollpersonen. Dabei wurden bestimmte Taxa mit Überlebensraten, Behandlungsnebenwirkungen und dem Krankheitsstadium assoziiert. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms die therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit beeinflusst: Eine Dysbiose wurde mit einem verminderten Ansprechen auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren und vermehrten behandlungsbedingten Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, während eine Anreicherung nützlicher Kommensalen mit einer verstärkten immunologischen Aktivierung und besseren klinischen Ergebnissen korreliert. Diese Erkenntnisse unterstreichen das Potenzial von Darmmikrobiom-Mustern als prognostische Biomarker und therapeutische Zielstrukturen. Die Identifizierung mikrobiombasierter Biomarker, die mit den Behandlungsergebnissen korrelieren, könnte eine personalisierte Therapie ermöglichen. Darüber hinaus könnten mikrobielle Signaturen zur Überwachung von minimaler Resterkrankung oder eines Krankheitsrezidivs genutzt werden und somit einen nicht invasiven Ansatz zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs und der Wirksamkeit der Behandlung bieten.

Andere Studien heben die bidirektionale Wechselwirkung zwischen dem oralen und dem Darmmikrobiom bei Kopf-Hals-Tumoren hervor: Pathogene orale Bakterien wie Fusobacterium nucleatum können über Entzündungs- und Stoffwechselwege wandern oder systemische Wirkungen entfalten und dadurch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms sowie systemische Immunreaktionen beeinflussen.

Fazit

Das Darmmikrobiom ist ein wichtiger extra­tumoraler Modulator in der Pathophysiologie von Kopf-Hals-Tumoren. Trotz der anatomischen Entfernung des Primärtumors vom Darm gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Darmmikrobiota systemische Auswirkungen auf die Karzinogenese, das Tumorwachstum und das Ansprechen auf die Therapie haben können.

Martha-Luise Storre

Originalpublikation: Vijayakumar V, Rathinam T, Deenadhayalan SS, Edwin ER. Human microbiome influence on head and neck cancer. Cancer Treat Res Commun. 2026; 47: 101218

Weitere Literatur:

  1. Lloyd-Price J et al. Genome Med. 2016; 8(1): 51

Aus dem Heft ärztliches journal onkologie 05/2026

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