Onkologie » Gesundheitspolitik

»

Zukunft der Krebsversorgung: Sechs entscheidende Forderungen der Deutschen Krebsgesellschaft zur Bundestagswahl 2025

Zukunft der Krebsversorgung: Sechs entscheidende Forderungen der Deutschen Krebsgesellschaft zur Bundestagswahl 2025

Aktuelles

Onkologie

Gesundheitspolitik

3 MIN

Erschienen in: ärztliches journal onkologie

Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat ein umfassendes Positionspapier veröffentlicht, das sechs zentrale Forderungen zur Bundestagswahl 2025 enthält. Diese Forderungen zielen darauf ab, die onkologische Versorgung in Deutschland zu verbessern und die Prävention sowie Früherkennung von Krebserkrankungen zu stärken.

1. Krankenhausreform weiterentwickeln

Die DKG betont die Notwendigkeit, das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz weiterzuentwickeln. Der Fokus liegt auf der Integration spezialisierter onkologischer Leistungsgruppen, um eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Die aktuelle Reform weist Schwächen auf, insbesondere bei der Mindestmengenregelung für onkochirurgische Eingriffe, die dringend adressiert werden müssen.

2. Arzneimittelverfügbarkeit erhöhen

Wiederholte Lieferengpässe bei lebenswichtigen Krebsmedikamenten, wie dem Brustkrebsmedikament Tamoxifen, haben die Notwendigkeit einer stärkeren Arzneimittelsouveränität verdeutlicht. Die DKG fordert Investitionen in die lokale und europäische Produktion von Medikamenten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Preisschwankungen zu minimieren.

3. Prävention und Krebsfrüherkennung fördern

Prävention ist ein Schlüssel zur Reduzierung der Krebsinzidenz. Die DKG fordert verstärkte politische Maßnahmen, um gesundheitsschädlichem Verhalten entgegenzuwirken, beispielsweise durch höhere Konsumsteuern auf Tabak und Alkohol. Zudem sollen Früherkennungsprogramme ausgeweitet und risikoadaptierte Screeningverfahren eingeführt werden, um Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen und effektiver zu behandeln.

4. Forschungsstandort Deutschland stärken

Die Innovationskraft Deutschlands im Gesundheitssektor ist entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg und das Wohlergehen der Bevölkerung. Die DKG fordert eine konsequente Digitalisierung und den verbesserten Zugang zu Forschungsdaten, um die Forschung zu beschleunigen und bürokratische Hürden abzubauen. Eine engere Verzahnung von Forschung und Versorgung könnte die Effizienz und Effektivität der onkologischen Forschung weiter steigern.

5. Nationale Dekade gegen Krebs fortführen

Die bisherigen Erfolge der nationalen Initiativen, wie der Nationale Krebsplan, sollen durch ein Nachfolgeprogramm gesichert und weiterentwickelt werden. Dies ist entscheidend, um nachhaltige Verbesserungen für Krebsbetroffene zu erzielen und Unsicherheiten für alle Beteiligten zu minimieren.

6. Onkologie auf europäischer Ebene stärken

Angesichts der veränderten geopolitischen Lage und der neuen politischen Prioritäten in der EU betont die DKG die Notwendigkeit, ausreichende Fördermittel für die Onkologie sicherzustellen. Die Fortführung und Stärkung europäischer Programme wie Horizon Europe sind von entscheidender Bedeutung, um die Fortschritte in der Krebsbekämpfung zu sichern.

Fazit

Die gesundheitspolitischen Forderungen der Deutschen Krebsgesellschaft zur Bundestagswahl 2025 sind nicht nur ein Appell an die Politik, sondern ein dringender Weckruf, die Weichen für eine zukunftsfähige onkologische Versorgung in Deutschland zu stellen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, systemische Schwächen zu beheben und die Qualität der Krebsbehandlung entscheidend zu verbessern. Eine erfolgreiche Umsetzung dieser Forderungen könnte nicht nur die Versorgung von Betroffenen revolutionieren, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, indem Prävention und Früherkennung langfristig Kosten senken.
Die DKG betont die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes, der sowohl nationale als auch europäische Ebenen einbezieht. Die Herausforderungen der Arzneimittelverfügbarkeit und der Forschungsförderung sind nicht isoliert zu betrachten, sondern erfordern eine koordinierte, grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Die DKG fordert daher von der neuen Bundesregierung, diese Themen mit höchster Priorität anzugehen und dabei die Stimme der Betroffenen und der Fachwelt in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft kann es gelingen, die Herausforderungen der Krebsbekämpfung effektiv zu meistern und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Dies stellt nicht nur eine Verpflichtung gegenüber den Betroffenen dar, sondern auch eine Chance, Deutschland als Vorreiter in der globalen Gesundheitslandschaft zu positionieren.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (2025). Gesundheitspolitische Forderungen zur Bundestagswahl 2025. Positionspapier der Deutschen Krebsgesellschaft e. V., Stand: 18. Februar 2025. [Pressemitteilung]

Bilderquelle: © Christian Schwier_stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Illustration erhobener Haende mit pinken Schleifen als Symbolbild fuer Brustkrebs und endokrine Therapie

(Neo-)Adjuvante ­endokrine Therapie des primären ­Mammakarzinoms

Fachbeitrag

Das Hormonrezeptor-positive Mammakarzinom ist die häufigste Brustkrebserkrankung. Moderne adjuvante endokrine Therapien wie Tamoxifen und Aromatasehemmer senken Rückfall- und Sterblichkeitsrisiken deutlich – dennoch fordert das Nebenwirkungsmanagement und die Therapiewahl viel Individualität.

Onkologie

Gynäkologische Tumoren

Mammakarzinom

Beitrag lesen
Viele Messebesucher laufen durch eine moderne, lichtdurchflutete Messehalle mit Glasfassade

Kampf gegen den Hautkrebs mit neuen Möglichkeiten

Kongress

Hautkrebs bleibt ein großes Thema – für die Mediziner, das Behandlungsteam und die betroffenen Patientinnen und Patienten. Denn Hautkrebs ist nicht nur der häufigste Krebs, sondern die Erkrankung an Hautkrebs wird trotz der erheblichen Fortschritte in Diagnostik und Therapie in den letzten Jahren weltweit auch noch weiter zunehmen.

Onkologie

Hauttumoren

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen
Gruppe von vier Personen im Freien, eine Person haelt eine zweifarbige Krebsbewusstseins-Schleife als Symbol fuer das ROKAVI-Projekt zur KI-gestuetzten Krebsvorhersage mit Krankenkassendaten

KI und Krankenkassendaten: Früherkennung von Krebs

Aktuelles

Können KI-Modelle auf Basis von Krankenkassendaten Krebsrisiken vorhersagen? Das MHH-Projekt ROKAVI erforscht es. Für bessere Früherkennung, Risikokommunikation und Versorgung.

Onkologie

Künstliche Intelligenz

KI in der Onkologie

Beitrag lesen