Ophthalmologie » Kinderophthalmologie

»

BVA: Kinderaugen nur mit fachärztlicher Anbindung untersuchen

Kind bei Augenuntersuchung

BVA: Kinderaugen nur mit fachärztlicher Anbindung untersuchen

Panorama

Ophthalmologie

Kinderophthalmologie

3 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Kinderaugen müssen augenärztlich untersucht werden – das ist die Haltung des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA). In Sachsen haben orthoptische Fachkräfte seit 2024 die Möglichkeit, mit einer vereinfachten Heilpraktiker-Erlaubnis eigenständig Untersuchungen vorzunehmen. Der BVA beobachtet diese Entwicklung äußerst kritisch und fürchtet kostspielige Doppelstrukturen und Mehrbelastungen.

Sehschwächen, Schielen, Augenkrankheiten sollten spätestens zwischen dem 30. und 42. Lebensmonat abgeklärt werden. Bei Auffälligkeiten und familiären Vorbelastungen auch früher. „Sehfehler bei Kindern erfordern frühzeitiges Handeln, sonst können lebenslange Beeinträchtigung im Sehen die Folge sein“, erklärt Prof. Dr. Klaus Rüther, Sprecher des Ressorts Kinder- und Neuroophthalmologie im BVA. Augenärztliche Untersuchungen im Kindesalter sind daher bedeutend. Orthoptistinnen und Orthoptisten leisten in den Augenarztpraxen und Augenkliniken im Rahmen der ärztlichen Delegation einen wichtigen Beitrag bei der Diagnose und Therapie von schielerkrankten Kindern. „Die Arbeit der Orthoptistinnen und Orthoptisten ist im Team sehr eng mit den Aufgaben der Augenärztinnen und Augenärzte verbunden“, so Rüther. Sie nehmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Kindern, die schielen oder eine Amblyopie entwickelt haben, ein, arbeiten in der Sehschule, erheben qualifiziert Befunde und steuern in Absprache mit den Augenärztinnen und Augenärzten die verschiedenen Therapien. „Mit ihrem speziellen Fachwissen tragen sie erheblich zu einer guten Versorgung in den Augenarztpraxen und Kliniken bei.“, betont Rüther.

Medizinische und orthoptische Expertise müssen sich ergänzen

Werden orthoptische Untersuchungen jedoch ohne augenärztlichen Hintergrund durchgeführt, bergen diese erheblichen Gefahren. „Die Ursachen von Sehschwächen müssen initial immer augenärztlich abgeklärt werden, um organische Ursachen, wie beispielsweise eine angeborene Katarakt auszuschließen“, erklärt der Augenarzt. Erfolgt keine medizinische Abklärung, kann dies zu schweren und bleibenden Sehschäden führen. Auch das „Weittropfen“ der Pupille erfordert nach Auffassung des BVA eine ärztliche Verordnung und Supervision. „Bei der Gabe von z.B. Zyklopentolat-Tropfen kommt es bei einer Vielzahl von Kindern zu mitunter deutlichen Reaktionen; zeitweise können Bewusstseins-, Wahrnehmungs- und Verhaltensänderungen auftreten“, erläutert Rüther. Etwaige weitere Nebenwirkungen wie z.B. Allergien machen sofortiges ärztliches Handeln erforderlich. Eine alleinige Versorgung der (kleinen) Patientinnen und Patienten durch Orthoptistinnen und Orthoptisten ohne fachärztliche Anwesenheit lehnt der BVA daher strikt ab.

Doppelstrukturen belasten das System

Seit dem letzten Jahr ermöglicht das Land Sachsen Angehörigen der Gesundheitsfachberufe eine sog. sektorale Heilpraktikererlaubnis zu erlangen. Orthoptistinnen und Orthoptisten können sich durch ein vereinfachtes Verfahren selbstständig niederlassen. Die bisherige fachärztliche Anbindung fällt dann weg. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker bieten Selbstzahlerleistungen an, die Eltern der Kinder selbst übernehmen. „Die hohen Behandlungskosten und die nicht sichergestellte augenfachärztliche Betreuung sind erhebliche Kritikpunkte an diesem Modell. Wir lehnen diese Entwicklung daher ab“, äußert sich Daniel Pleger, 1. Vorsitzender im BVA. Der Aufbau dieser kostspieligen Doppelstruktur belastet am Ende das System. Denn: Die angebotenen Leistungen gehören in Augenarztpraxen zum Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen. „Die Unterstützung durch Orthoptistinnen und Orthoptisten sollte weiterhin ergänzend und als gemeinsames Team mit dem behandelnden Augenarzt bzw. der Augenärztin erfolgen, um medizinische Notfälle beim Befund und bei der Therapie direkt zu erkennen und zu behandeln. Dies spart am Ende Zeit und gegebenenfalls doppelte Anfahrtswege und Terminbelastung zur weiteren Abklärung“, betont Pleger.

Quelle: BVA-Pressemitteilung vom 04.02.2025

Bildquelle:© Konstantin Shishkin – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen