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Schutzmechanismus bei MS dank Netzhautzellen entdeckt 

Prof. Friese UKE Hamburg

Schutzmechanismus bei MS dank Netzhautzellen entdeckt 

Studien

Ophthalmologie

Uveitis und Immunologie

mgb medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, der Nervenzellen bei Multipler Sklerose (MS) vor entzündungsbedingtem Zelltod schützen kann. Retinale Zellen lieferten den entscheidenden Hinweis auf „Komplementfaktor H“ – ein Protein des Immunsystems, das direkt in Nervenzellen eine schützende Wirkung entfaltet. Die Ergebnisse wurden in Nature veröffentlicht und könnten Wege für neue Therapien eröffnen. 

„Überraschend war für uns vor allem, dass ein Protein des Komplementsystems direkt innerhalb der Nervenzelle eine solche Schutzfunktion übernehmen kann. Damit haben wir einen bislang unbekannten Mechanismus identifiziert, der neue therapeutische Ansatzpunkte zum Schutz von Nervenzellen bei MS eröffnen könnte“, sagt Prof. Dr. Manuel Friese, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE und Leiter der Studie. 

Bei Multipler Sklerose findet eine anhaltende Entzündung in Gehirn und Rückenmark statt, die Nervenzellen schädigt und zu deren Verlust führen kann. Davon sind jedoch nicht alle Nervenzellen gleichermaßen betroffen: während einige besonders anfällig sind, zeigen sich andere erstaunlich widerstandsfähig. Diese Unterschiede brachten das Forschungsteam des UKE dazu, körpereigene Schutzmechanismen von Nervenzellen aufzuspüren.  

Ein Immunprotein mit überraschender Doppelfunktion 

Da die Netzhaut im Auge eine Vielzahl von Nervenzelltypen enthält, die unterschiedlich stark von einer Schädigung durch MS betroffen sind, konnten die Forschenden mithilfe von Einzelzellsequenzierungen retinaler Zellen von Menschen mit und ohne MS den Komplementfaktor H als möglichen Schutzfaktor besonders widerstandsfähiger Nervenzellen identifizierten. Bislang war der Komplementfaktor H vor allem als sezernierter Regulator des Komplementsystems, einem wichtigen Bestandteil der angeborenen Immunabwehr, bekannt. Die weiteren molekularbiologischen, biochemischen und genetischen Untersuchungen zeigten jedoch, dass das Protein zusätzlich direkt innerhalb sämtlicher Nervenzellen eine neuartige, eigenständige Schutzfunktion besitzt. Bei MS entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffverbindungen, die oxidativen Stress verursachen und zum Tod der Nervenzellen beitragen; genau diesen schädlichen Kreislauf unterbricht der Komplementfaktor H. 

Komplementfaktor H therapeutisch nutzbar 

Dass sich der neu entdeckte Mechanismus grundsätzlich therapeutisch nutzen lässt, konnten die Forschenden in der Zellkultur und im Tiermodell zeigen. Sobald den Nervenzellen gezielt der Komplementfaktor H bereitgestellt wurde, waren diese vor entzündungsbedingter Degeneration geschützt. 

Die Erkenntnisse könnten besonders für die Behandlung der progredienten Multiplen Sklerose bedeutsam sein, wo neurodegenerative Prozesse eine zentrale Rolle spielen. Die derzeit verfügbaren Therapien richten sich vor allem gegen Entzündungsprozesse und beeinflussen den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen nur begrenzt. Die Forschenden des UKE wollen nun Ansätze entwickeln, mit denen sich Nervenzellen bei MS künftig gezielter vor Degeneration bewahren lassen. 

Beteiligt waren neben dem UKE auch die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, die Johns-Hopkins-Universität, die Universität Murcia, das biomedizinische Forschungsinstitut Girona, die Ludwig-Maximilian-Universität München, die Technische Universität München, das Helmholtz Institut München und das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Jena. 

Wissenschaftliche Ansprechpartner: 

Prof. Dr. Manuel Friese 
Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose 
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) 
Martinistraße 52 
20246 Hamburg 
Telefon: 040 7410-57277 
m.friese@uke.de 

Originalpublikation: Christina Mayer, Marcel S. Woo, Jana K. Sonner, Lars Binkle-Ladisch et al. Intracellular complement factor H protects neurons during CNS inflammation. Nature. 2026.  

DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10981-y 

Foto: Prof. Dr. Manuel Friese 

Quelle: Anja Meyer/UKE 

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