Ophthalmologie » Neuroophthalmologie und Strabologie

»

Gesichtsfeldstörungen bei Kindern zuverlässig erkennen

Gesichtsfeldstörungen bei Kindern zuverlässig erkennen

Aus der Praxis

Ophthalmologie

Neuroophthalmologie und Strabologie

4 MIN

Erschienen in: CONCEPT Ophthalmologie

Bei Kindern ist mitunter schwierig, eine Hemianopsie zu diagnostizieren. Lisa Neumayr, Stipendiatin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung für Menschen mit Schädelhirntrauma (SHT), hat sich mit einem Kampimeter beschäftigt und herausgefunden, dass diese Art der Diagnostik mit Lichtreizen schon bei Kleinkindern effektiv eingesetzt werden kann.

Seit 1993 unterstützt die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung für Menschen mit Schädelhirntrauma (SHT) exzellente Forschung und engagierte Arbeit auf dem Gebiet der Neurowissenschaften. Unter anderem vergibt sie alle zwei Jahre einen Förderpreis in Höhe von 10.000 Euro, um exzellentes wissenschaftliches Arbeiten in diesem Bereich zu fördern; 2018 wurden parallel dazu erstmals zwei Doktorandenstipendien mit der gleichen Summe ausgeschrieben. Jetzt hat mit Lisa Neumayr eine der geförderten Nachwuchswissenschaftlerinnen ihre Promotion mit summa cum laude abgeschlossen.

Neumayr, die vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Orthoptistin absolvierte, hat sich an der Eberhard-Karls-Universität zu Tübingen mit der homonymen Hemianopsie beschäftigt, einer Störung des Gesichtsfelds, die unter anderem die Folge eines operativen Eingriffs im Gehirn zur Behandlung von Epilepsie sein kann. Betroffene können mit ihren Augen nur den jeweils linken oder rechten Bereich eines Bildausschnitts wahrnehmen – eine Beeinträchtigung, die man mit bestimmten Reha-Maßnahmen zumindest partiell therapieren kann, die man aber zunächst als solche erkennen muss. „Wichtig ist das Erkennen von Gesichtsfelddefekten insbesondere vor einer Operation“, erklärt Neumayr. „Diese wird oft bei Kindern angewendet, die an einer Epilepsie leiden, welche medikamentös nicht eingestellt werden können. In solchen Fällen kann man dann das Gehirnareal abtrennen oder entfernen, das für die Anfälle verantwortlich ist, da ansonsten ein Risiko für fortschreitende Schädigungen des Nervensystems und schwerwiegende Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung besteht.

Wenn sich die Sehbahn im Bereich des Eingriffs befindet, kann es zu einer Hemianopsie kommen. Liegt eine solche schon vor der Operation vor, erleichtert dies natürlich die Entscheidung für den empfohlenen Behandlungsschritt; liegt sie erst danach vor, kann man mit der richtigen Therapie viele Probleme beim Sehen zumindest mildern. Wir konnten in einer Studie zeigen, dass sich die Kinder sechs Monate nach einer solchen Operation an die Situation angepasst haben, auch wenn sie immer noch länger für die Suche nach bestimmten Bilddetails brauchen als vor einem Eingriff. Dennoch ist es ermutigend, wie gut gerade Kinder derartige Beeinträchtigungen verarbeiten können.“

Vor allem bei Kindern ist es jedoch im Vorfeld mitunter schwierig, eine Hemianopsie zu diagnostizieren. Bestimmte Fragen zum Seheindruck können sie oft nicht zuverlässig beantworten, andere gängige Testverfahren haben sich aufgrund der geringen Aufmerksamkeitsspanne bislang ebenfalls nicht etablieren können. Neumayr hat sich daher auch mit einem Kampimeter beschäftigt, einem neuen Untersuchungsgerät, das mit Lichtreizen arbeitet. Ihren Untersuchungen zufolge kann diese Art der Diagnostik schon bei Kleinkindern effektiv eingesetzt werden. „Bei zwei Dritteln meiner Probanden habe ich so ein konkretes Testergebnis erhalten“, erzählt sie. „Parallel dazu habe ich untersucht, inwieweit bestimmte äußere Kennzeichen wie Schielen oder eine bestimmte Kopfhaltung Indikatoren für eine Hemianopsie sein können. Es hat sich gezeigt, dass beides starke Signale sind, die daher insbesondere im epilepsiechirurgischen Kontext eine Gesichtsfeldtestung nach sich ziehen sollten.“

Inzwischen arbeitet Neumayr als Kinderärztin im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung ist sie aber weiterhin verbunden: „Ich bin überaus dankbar für das Stipendium, das mir erlaubt hat, ein Freisemester zu nehmen und mich in dieser Zeit voll und ganz auf meine Promotion zu konzentrieren“, sagt sie. „Es gibt nicht viele Kinderärzte, die sich auch mit Augenheilkunde beschäftigen, so dass meine Arbeit schon ungewöhnlich war. Ich hoffe, dass sich daraus noch mehr entwickelt. Sowohl im September 2022 als auch im Januar 2023 bin ich auf jeden Fall schon zu Vorträgen eingeladen worden, um meine Forschungsergebnisse vorzustellen.“

Quelle: ZNS – Hannelore Kohl Stiftung

Bildquelle: sabdiz – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Porträt von Prof. Volker Busskamp.

Medizin-Nobelpreis 2026: Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt

Aktuelles

Die mit dem Medizin-Nobelpreis 2026 ausgezeichnete Optogenetik eröffnet neue Möglichkeiten für die Analyse neuronaler Netzwerke und degenerativer Netzhauterkrankungen. Prof. Volker Busskamp ordnet die Bedeutung der Technologie für die ophthalmologische Forschung ein.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen
Eröffnungsveranstaltung des DOG-Kongresses 2026 zum Leitthema „Augenheilkunde ohne Grenzen“.

Grenzenlos vernetzt: DOG 2026 setzt Impulse für bessere Versorgung

Kongress

Mit 4.657 Teilnehmenden stand die DOG 2026 ganz im Zeichen der internationalen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Augenheilkunde ohne Grenzen“ diskutierten Teilnehmende neue Wege für Vernetzung, Wissenstransfer und zukunftsorientierte Patientenversorgung.

Ophthalmologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Die Albrecht-von-Graefe-Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die DOG vergibt und wird laut Statuten alle zehn Jahre „demjenigen zuerkannt, der sich unter den Zeitgenossen – ohne Unterschied der Nationalität – die größten Verdienste um die Förderung der Ophthalmologie erworben hat.“ Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren und wurde durch die DOG-Mitgliederversammlung bestätigt. Albrecht von Graefe entwickelte 1857 eine neue Operationsmethode bei Grünem Star. Erster Träger der Albrecht-von-Graefe-Medaille war 1886 Hermann von Helmholtz, der den Augenspiegel zur Untersuchung des Augeninneren erfand. In 2016 wurde die Albrecht-von-Graefe-Medaille zuletzt an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner für seine Forschungsarbeiten zur Netzhautfunktion sowie für die Entwicklung des elektronischen Retina-Implantats verliehen, das blinden Menschen mit Retinitis pigmentosa ein orientierendes Schwarz-Weiß-Sehen ermöglicht.

DOG verleiht Alan Bird die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Kongress

Die DOG hat den britischen Retina-Spezialisten Alan C. Bird mit der Albrecht-von-Graefe-Medaille ausgezeichnet. Die höchste Ehrung der Fachgesellschaft würdigt seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung von Netzhauterkrankungen und zur modernen Retina-Medizin.

Ophthalmologie

Hinterer Augenabschnitt

Beitrag lesen